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An dieser Discussion nahmen Antheil die Herren: Oberamtmann Voigt, Staatsrath Fischer, T Amtsrath Karbe, Gutsbesitzer Kögel, Oberinspector v. Sprewitz, Landesdconomierath Thaer, Oberamtmann Sänger und Dr. Schulze.
Das Ergebniß war, daß durch Obenaufdüngung vorzugsweise die Trockenfäule veranlaßt und somit der Stärkegehalt, sowie überhaupt die Verwendbärkeit der Kar⸗ toffeln zum Brennen beeinträchtigt werde. Durch die Bemerkung des Staatsraths Fi⸗ scher(vom Rhein), daß sich die Trockenfäule ohne vorausgegangene Düngung, sowie nach jeder Art der Düngung auf gleiche Weise gezeigt habe, wurde die Aufmerksam⸗ keit auch auf andere jene Krankheit veranlassende Ursachen hingeleitet. Die Art der Aufbewahrung, das Anwenden geschnittener Saatkartoffeln, sowie solcher, die nicht vollständig zur Reife gekommen, und andere Fehler der Cultur oder Behandlung wurden, außer der Obenaufdüngung, als diejenigen Ursachen bezeichnet, die am mei⸗ sten zur Verbreitung der Trockenfäule Veranlassung gegeben hätten, zugleich aber auch Thatsachen angeführt, nach denen die Vermeidung aller jener Fehler, die Be⸗ nutzung aller bis jetzt als wirksam empfohlener Gegenmittel, und selbst die Erziehung von Kartoffeln aus Samen nichts zur Unterdrückung der Krankheit gefruchtet hätte.—
„Ueber die bessere Qualität und namentlich den größeren Reich— thum der Kartoffeln an Stärke, wenn sie in zweiter Tracht gebaut werden, in Vergleich zu der Qualitat derselben nach frischer Mistdüngung,“ war man allgemein einverstanden. In Brannt⸗
weinbrennereien macht sich dieser Unterschied bemerklich durch einen Verlust von durch⸗ schnittlich 40— 50 Procent an Spiritusausbeute, wo man Kartoffeln aus frischem Dünger anwendet.—
Die Frage nach der„Einwirkung verschiedener Düngerarten, na⸗ mentlich des Rindviehdüngers gegen den Schafdünger,“ erledigte sich durch die Mittheilungen der Herren Amtsrath Karbe, Oberamtmann Ludwik, Oberamtmann Sänger, Gutsbesitzer Pogge(Zierstorff) und Pogge(Roggow) dahin, daß der Schafdünger Kartoffeln von geringerer Qualität und solche erzeuge, die, für die Brennerei verwandt, eine stürmische Gährung veranlassen wie dies schon längst beobachtet ist; dagegen zeige sich kein Unterschied, wenn der Dünger schon im vorigen Herbst untergebracht sei, sowie überhaupt dieses Ueberwintern des Düngers im Felde, wo es nach den Wirthschaftsverhältnissen thunlich, in Bezug auf Quanti⸗ tät der darauf gebauten Kartoffeln so viel als der im Frühjahr aufgebrachte Dün⸗ ger, und in Bezug auf Qualität so viel leiste, wie die zweite Tracht.—.
Ganz besondere Theilnahme erweckte ferner die Verhandlung über die schon oft zur Sprache gekommene„Hervorrufung der Pockenkrankheit an den Kar-— toffeln durch vorausgegangene Mergelung.—
Es wurden viele, aber zum Theil sich sehr widersprechende Erfahrungen mitge⸗ theilt durch die Herren Pogge(ierstorff), Sän ger, Kögel, Ludwik, v. Plötz, Thaer, Karbe, v. Eckardstein, v. Dewitz, Ziedelmann, v. Bujanovies, Schulze.—
Es ging aus den Verhandlungen hervor, daß das Faktum des Entstehens der Pockenkrankheit durch Mergelung in vielen Fällen sich nicht abläugnen lasse; aber aus der bestimmten Darlegung der entgegengesetzten Erfahrung durch mehre von denjeni⸗ gen Sectionsmitgliedern, welche die ausgedehntesten Beobachtungen über die Erfolge des Mergelns anzustellen Gelegenheit gehabt hatten, ergab sich ebenso bestimmt, daß man den Mergel überhaupt nicht als den Urheber der Pockenkrankheit anzuklagen habe. Wo demnach in Folge des Mergelns die Kartoffeln schorsig werden, da ist entweder die eigenthümliche Beschaffenheit des Mergels daran Schuld— denn es wurden Bei⸗


