6 Bericht von Harriſons Verſüche,|
Harriſon wohnte nahe am Meere, er wußte, wie die Wellen das Schiff ſchwanken machen, und wieviel daran gelegen iſt, auf Seereiſen die Länge zu wiſſen; er nahm ſich alſo vor, an einer Uhr zu arbeiten, die alle'Bewegungen des Scifs tragen könnte, Er brachte dabey zwo Balance- ſtangen mit Gewichten an den Enden an, die ſich derge- ſtalt übers Kreuz ſch wungen, daß, wenn der einen Schwin- gung von dem Schwanken des Schiffs vermehret ward, der andern ihre eben dadurch gehindert wurde, und ſolcherge- ſtalt die Schwingungen gleich reguliret wurden, Statt der Spiralfedern bey den gewöhnlichen Balancirrädern, brauch- te er vier Ringfedern, eine an jedem Ende der Balancir- ſtange, welche unter dem Schwingen mit. ihren Enden an zwo Scheiben ſtießen; aber durch eine beſondere Vorrich- fung wichen die Scheiben aus, wenn die Ningfedern von der Wärme verlängert wurden, und das Gegentheil erfolg- te, wenn ſie von der Kälte zuſammengezogen wurden. Hiedurch ward immer einerley Elaſticität in den Ringfe- Hern erhalten, weil ſie nach dem Maaße ihrer Länge ge» Jpannt wurden, Alle Frictionen wurden auf mancherley Art gehindert: die große Feder ward jeden Tag aufgezo- gen, und während ves Aufziehens hielt eine andere Feder die Uhr im Gange- Die ganze Maſchine war in einer doppelten Einfaſſung wie die Seecompaſſe aufgehenkft, aber ſehr leicht und fünſtlich.
Man verſuchte dieſe Seeuhr auf einem Fahrzeuge auf dem Humber, bey ſtarkem Winde, und brachte ſie nachge- hends nach London, wo ſie na< Beobachtungen geprüft ward, und aller Vermuthen übertraf. Auf Harriſons Begehren ward dieſe Uhr im May 1736 an Bord eines nach Liſſabon beſtimmten Kriegsſchiffes gebracht:' der Capi- tain Rotzer Wills bezeugte ſchriftlich, die Uhr ſey bey der Hin->und Herreiſe immer gleich ordentlich“ gegangen, und weder die heftigen Wellen in der biſcayiſchen See, noch die Gewalt des Meeres beym Sturme hätten einige Wirkung darauf gehabt 3; ja, bey der Rückfahrt hätte Zarriſon


