Jahrgang 
Zweiter Band: 1788
Seite
131
Einzelbild herunterladen

der Getreidefelder. I3L

Schluß iſt aber irrig, Warme Herbſte treiben bey mäßi-

* gem Regen ſtarke Wurzeln an dem Winterkorne; und darauf folgende ſchla>igte Winter, ſpäte Frühjahrsfröſte und dürre Sommerzeit verderben den Wuchs des Getreis des, die Herbſtkornwurzeln mögen dann groß oder klein geweſen ſeyn. 4

; Die Gewißheit verläſſet zwar den Landmann gar ſehr, aber doch nur in dem gehoften reichlichen Ertrage. Das Mindeſte darf man doch mit aller Zuverſicht gewärz tigen; was drüber iſt, heiſſet zufällig. Jeder Wirth erwartet in ſeiner Lage, was ihm und anderen die meiſte Zeit zu Theil werden, aber nie ohne inneres Bewußts ſeyn, daß die Erwartung triegen könne. Das friſche Andenken glücklicher Jahre machet die Hofnung kühn: es hat in unſeren Zeiten ſolches Uebergewicht, daß die Meinungen vom Ertrage getheilt ſeyn möſſen. Man ſiehet daraus die Folgen für den Landmann ſelbſt ſowohl, als für den Cameraliſten voraus. Der geringe Land- mann inshbeſondere leidet Gefahr, in allgemeinen Verfall zu gerathen: durch das ſichere Vertrauen auf großen Srtrag gewöhnt er ſich an Aufwand und Bequemlichkeis ten, die bey unglülichen Jahren nicht ſtatt finden kön? nen. Dann wird oft von dem Ertrage, auf die gut oder übel gewählten Mittel, ihn hervorzubringen, geſchloſſen 3 da eigentlich der Grund des Verfalls nicht in der Wirths ſchaftsart beym Landbaue, ſondern in der Verwsöhnung j I 3 lieget,