Teil eines Werkes 
Erster Theil (1763)
Entstehung
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8 Vorbericht.

Praxin und Erfahrung einige Gruͤnde in der Theorie erlernet, die ihm zu meh⸗ rern Erfindungen behuͤlflich ſind, er behaͤlt aber ſolche fuͤr ſich, und ſtirbet, ſo wird ſeine Wiſſenſchaft mit begraben. Wie lange muß aber ein anderer wieder lernen, ehe er aus der Praxi zur Theorie kommt, daß er mehrere Vorrichtun⸗ gen kann machen, als er von ſeinem Meiſter gelernet, wobey er denn doch wol keine Ausrechnung verſtehet. Hat er nicht ein guͤnſtiges Naturel zu denken, und zu erfinden, ſo kommt er bey dem Mangel der Theorie nicht weiter, als er von ſeinem Meiſter gelernet, und unter Haͤnden hat, da er doch, wenn er gleich in der Jugend in der Theorie waͤre angefuͤhret, und dadurch zugleich geſchicklich worden, die von den mathematiſchen Wiſſenſchaften uͤberhaupt, oder von dieſer und jener insbeſondere handelnde deutſche(von lateiniſchen und franzoͤſiſchen wil ich nicht ſagen) Buͤcher zu leſen, er ein weit mehrers wuͤrde leiſten koͤnnen. Der weiland Maſchinendirector Bartels, der in ſeiner Jugend die Markſcheidekunſt erlernet, und im Kriege bey der Artillerie geweſen, klagte bey mir ſehr, da er mich oft beſuchte, daß er keine lateiniſche und franzoſiſche Buͤcher von den ma⸗ thematiſchen Wiſſenſchaften leſen, und ſeine Wiſſenſchaft in dieſer Sache ver⸗ mehren koͤnnte.

Es geſchiehet oft, daß ein Gedanke, den man in einem Buche findet, zu vie⸗ len Nachdenken und Schluͤſſen, und bey einem in der Praxi ſtehenden und er⸗ fahrnen zur gewiſſen Application Anlaß gibt, daran der Schriftſteller nicht ge⸗ dacht, und kan ein theoretiſcher Grund zu mehrern Dingen angewendet werden, als wozu ihn der Autor gebrauchet. Dieſes zu zeigen, wil ich nur ein Exempel anfuͤhren. In der Hydroſtatic, oder Waſſerwagekunſt fließet aus einem rich⸗ tigen Grunde dieſer Satz: Ein Gefaͤß, zum Exempel von Eiſen, welches in gleicher Groͤße, oder verglichen mit dem Waſſer, an ſich ſchwerer, als daſſelbe iſt, und daher darin niedergehet, kan auf dem Waſſer ſchwimmend gemachet werden, wenn ihm eine gebuͤhrende Hoͤhlung, oder breitere Baſis und Boden, als die unter demſelben ſtehende Waſſerſaͤule iſt, gegeben wird. Dieſen theore⸗ tiſchen Grund haben die Ruſſen vor einigen Jahren auf die Schiffbaukunſt ap⸗ pliciret, darauf die Mathematiker, welche dieſen Grund gezeiget, nicht gedacht. Schweden und Finnland haben an den Scheren, oder hohen Klippen in dem Meere, eine natuͤrliche Bruſtwehr, daß man mit ordinair⸗ und gewoͤhnlicher Weiſe gebaueten Schiffen nicht leicht, und ohne Gefahr, daran zu ſtoßen, und zu ſcheitern, kan ans Land kommen. Es wurden aber von den Ruſſen breite und platte Galeeren gebauet, da die Laſt derſelben eine groͤßere Baſin gegen die darunter ſtehenden mehrern Waſſerſaͤulen bekam, und daher nicht ſo tief im Waſſer gingen, wie die bisher gewoͤhnlichen, womit ſie gluͤcklich uͤber die Klip⸗ pen konten wegſegeln, und in Schweden und Finnland Anno 1719 und 1720 nt einbrechen/

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