Anmerkungen. 77
(83) Bei dem Tiran-Eiſen bedürfte es wohl gar keiner Er- orterung; denn wenn 78 pro Cent Eifenkalk mit 22 pro Cent Titankalk verbunden find; ſo kann nicht leicht über die Klaffifikazion diefer Miſchung ein Streit entſtehn. Dazu kommt aber auch, daſs die bei Arendahl in Norwegen hierinn vorkommenden Varietäten, dem LEiſenglanz ſehr ähnlich find.
(84) Der. ſchiefrige Eiſenglanz, den ich ſchon in der zweiten Ausgabe meiner Tabellen als eine beſondere Art aufſgenom- men habe, findet ſich
von einer dunkel ſtahlgrauen Farbe;
Sein Hauptbruch iſt dinm und geradſchiefrig, der Queerbruch
uneben von feinem Korne;
Jener iſt wenig glänzend dieſer. ſchimmernd, beides metalliſch;
Er ſpringt in ſcheibenförmige Bruchſtükke;
Giebt einen koſchenillerothen Strich;
Iſt weich;
Leicht zerſprengbar;
Ein wenig milde
und auſſerordentlich ſchwer-
Dieſes Foſſil kommt vor:
zu Langhanshytta bei Fernebo in Wermeſand; zu Wika in Da. larne und im Gebirge Haukiwara unweit Luoſſawara in Lappland.
(85) Die Umbra muſs ſo gut als der Thonartige-Eiſenſtein zu den metalliſchen Foffilien gerechnet werden. Ob fie dieſem vielleicht untergeordnet werden könnte? iſt eine andere Frage, welche ſich nicht eher entſcheiden läſst, als bis die von den Che- miſten noch ſo ſehr vernachlaäfsigten Eiſenerze genaueren Prü- fungen werden unterworfen worden ſeyn. Die von SANTI auf naſſem Wege ausgemittelten Beſtandtheile hat mir Hr. KLaAr- RorH gütigſt mitgetheilt. Die unterfuchte Umbra war von Caſtel del Piaro. Hr. KraAaPRorHn hat die Köllniſche fowohl als die Cypriſche auf trochnem Wege unterfucht. Jene gab 35, dieſe 37 pro Cent metalliſches Eiſen: welches mit dem von SANTI gefundenen Durchſchnittsſazze von 53 pro Cent oxy- dirtem Eiſen übereinſtimmt.
(86) Ich kann den Chlorit nicht mehr unter den Thonarten ſtehn laſſen, ſeit VAucQuETEIN gefunden hat, daſs nur 18,50 Thonerde dagegen 43,00 Eifenkalk darinn enthalten find. Dieſer merkliche Eifengehalt iſt auch an einigen Varietäten des Erdigen Chlorits vom Gotthard fehr fichtbar. Sie werden nemlich durch Verwitterung ganz okkergelb, und ſind dann nur durch den Glanz erkennbar. Da man ſchon die Grün- Eiſenerde, von welcher das Verhältniſs der Beſtandtheile noch nicht ein- mal bekannt ift, hier aufgenommen hat; ſo ſehe ich nicht ein: weshalb es bedenklich feyn follte, den Chlorit ebenfalls hieher zu rechnenf es fey denn dafs man geognoſtiſche Geſichtspunkte mit in die Oryktognoſie übertrüge.
(87) Zuverläſſige Chemiſten werden hierdurch beſtens aufgefordert, den ächten Schmirgel ihrer Prüfung]zu unterwer- fen, damit dieſes fäthfelhafte Foſſil doch endlich einmal richtig beſtimmt werde. WIEGTEN's fonſt hiebei aufgeführten Be- ſtandtheile ſind aus guten Gründen jetzt weggelaſſen.
(88) Diefs Foffil heiſst gewöhnlicher Wiſsmuth- Silber. Ich nenne es Wiſsmuth-Blei, weil es aus den von mir oben bei dem Graugültigerz angegebenen Gründen nicht unter den Sil- bererzen ſtehen darf.
(89) Daſſelbe gilt von dem Te'ſsgültigerz. Ich theile die- ſes Foſſil in 2 Arten ab. Das Dunkle wird ſonſt gewöhnlich mit zum Spröd-Glanzerz gerechnet. Das Lichte Weiſsgültigerz iſt es, welches zeither von der WRNERSCHEN Schule, allein mit dieſem Gattungsnamen belegtward. Seit KrArROTH'S Zer- gliederung deſſelben wiſſen wir daſs es
41,00 Blei
21,50 Spiefsglanz 9,25 Silber
1,75 Eifen 22,00 Schwefel
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1,00 Thonerde
0,75 Kiefelerde, enthält. Es find alſo mehr denn vier mal ſo viel Bleitheile als Silber- theile darinn enthalten, und aus dieſem Grunde kann es ſo wenig unter den Silbererzen ſtehen bleiben, als das Graugül- tigerz, das Harzer Fahlerz, das ſogenannte Arſenikfilber etc. Die Wiſſenſchaft kann ſich an keine ökonomiſchen Vortheile kehren, wenn] von Klaſſifikazion der Naturkörper die Rede ſeyn foll. Vielmehr muſs man ſich über die kleinliche Sucht erheben, nach welcher ſo viele Sammler ihren Ruhm darinn fezzen, von angeblichen Gold- und Silbererzen recht viel auf- weiſen zu können. Dem Oryktognoſten, welcher ſich beſtrebt nach möglichſt reinen Prinzipien feiner Disziplin zu verfahren, muls es ganz gleichgültig ſeyn: ob er ein Foſſil unter die Blei- oder Silbererze fetzt, wenn er nur jenen Principien getreu bleibt. Dem Lehrer iſt es dagegen vorbehalten, in ſeinen Vorlefungen oder Handbüchern, auf die Benuzzung der Foffilien aufmerkſam zu wachen.
Ich habe vorſtehend erwähnt, daſs die erſte Art des Weiſs- gültigerzes(das dunkle) Zzum Spröd-Glanzerz gerechnet zu wer- den pflegt. In dieſem Foſſil iſt aber keine Spur von Blei, und jenes enthält 48 pro Cent davon. Hieraus rechifertigt ſich, wie ich hoffe, die von mir getroffene Veränderung, unge- achtet übrigens im Dunklen Weiſsgültigerz mehr Silber und we- niger Spieſsglanz iſt, als im Lichten; denn dies anderweitige Verhältniſs der Nebenbeſtandtheile, wird niemand veranlaſſen können, die dahin gehörigen Abänderungen zu einer Gattung zu rechnen, welcher kein Gran des Hauptbeſtandtheils jener Abänderungen beigemiſcht iſt.
(9o) Eben ſo gut als das Fanlerz ehedem unter den Kupfer- erzen ſtand, hätte es in chemiſcher Rückficht zu den Spieſs- glanzerzen gerechnet werden können. Es enthält doppelt ſo viel Blei als von beiden eben gedachten Metallen, ſteht daher jezt unter den Bleierzen.
(91) In welchen Verhältniſſen die Phosphorſäure dem Blei in dem Blauen-Bleierz beigemiſcht iſt, weiſs man noch nicht. Die Gegenwart derfelben iſt aber hier wie im Braunen- Bleierz von Hr. KEAPROTRH entdeckt. Da nun auch das Grün- Bleierz ſie enthält; ſo wird in Zukunft nach vorhergegan- gener genauerer Unterſuchung jener beiden Gattungen, eine Aenderung in der Klaſſifikazion derfelben nöthig werden.
(92) Man hat fich hier und da fehr gewundert, daſs ich das Rothe-Bleierz unter dem Blei ſtehn gelaſſen, und nicht den Chrom-Erzen zugewandt habe. Wenn man aber nur einen überlegenden Blick auf die von VAaucQuELIN erhaltenen Refultate wirft; ſo follte ich meinen, müſste jede Verwunde- rung aufhören. Denn es find hierinn 63,96 Bleikalk und nur 36,40 Chromſäure, von demſelben angetroffen; auſſer dem Reitz der Neubeit, wüſste ich alfo nicht den mindeſten Grund, warum dies Foffil den Bleierzen entzogen werden follte; und jenen Reitz werden ja denkende Naturforſcher zu unterdrük- ken wiſſen.
Bei dieſer Gelegenheit erinnere ich mich aber der Blei-Niere, welche fonſt noch nicht in den Syſtemen der Oryktognoſten vorgekommen iſt, und der ich eine Zahl beizuſchreiben ver- geſſen habe, auf welche eine beſondere Anmerkung bezogen werden follte.— Hier iſt das Blei mit Anſenühſäure(und einigen Nebenbeſtandtheilen) verbunden; wie die in der Tabelle ans geführten Beſtandtheile der BrNDHETMfchen Zergliederung ergeben. Die Hauptkennzeichen des Foſſils ſind nachſtehende⸗
Es hat(auf friſchem Bruche) eine bräunlichrothe Farbe, ver- läuft fich aber nach auſſen zu bis ins okker- und ſtrohgelbe;
Iſt nierförmig; 3
Inwendig wenig glänzend von Fettglanze;
Muſchlicht im Bruche
Hat(im Kerne) grobkörnig abgeſonderte Stükke, nach auſſen zu aber krummſchalige, welche der äuſſeren Geſtalt pa- rallel laufen; 22 12
Es iſt undurchfichtig;
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