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Mineralogische Tabellen : mit Rücksicht auf die neuesten Entdekkungen / ausgearbeitet und mit erläuternden Anmerkungen versehen von Dietrich Ludwig Gustav Karsten
Entstehung
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Bei diieſer Gelegenheit mufs ich noch des Pharmakolitks er- wähnen, weil in der Tabelle vergeſſen worden ift, eine Zahl hinzuzufügen auf welchem eine befondere Anmerkung bezo- gen werden könnte.

Dieſs Foffil iſt Ichneeweiſs;

Findet ſich theils kleintraubig, theils in haarförmigen,- ſchelförmig zufammengehäuften Kryſtallen

Welche glänzend find;

Inwendig iſt es wenig glänzend zum Theil auch ſchimmernd; von Seidenglanze;

Sein Bruch iſt theils büſchel theils ſternförmig auseinander laufend faſerig, und verlauft ſich bis ins ſtrahlige;

Es hat grob und kleinkörnig abgeſonderte Stükke;

Die Kryſtalle find ſtark durchſcheinend;

Es iſt ſehr weich und ſein eigenthümliches Gewicht zur Zeit noch nicht bekannt.

Sein Geburtsort iſt Wittichen im Fürſtenbergiſchen; von wo der Hr. Bergrath SEEB es ſowohl Hrn. KrAaPFROTEH als auch mir überfandt hat. Hr. SEEB bemerkte dabei, daſs es ver- muthlich Kalkerde und Arſenikfäure enthalte. Dieſs beſtätigte Hr. KEAPROEH durch entſcheidende Verſuche, welche er damit in meiner Gegenwart unternahm.

Der Name Pharmakolith ſcheint mir dafür fehr paſſend zu ſeyn, weil es die einzige Steinart iſt, in welcher fich Arfenik- oder Giftfäure in bedeutender Menge findet.

(58) Herr GERHARD'S Vermuthung iſt eingetroffen. Man hat Schwefelfaure-Strontianerde von ganz weiſſer Farbe gefunden.(M. f. die Vorrede zu deſſen Grundrifs eines neuen Mineralfyſtems S. IV.)

Dahin gehört nicht nur der Dichte, welcher in der Cham- pagne ganze Lager ausmachen foll, ſondern auch eine Blättrige Art, von der ich noch weiter unten etwas anzuführen habe.

Das fehr wohlklingende Gattungswort Coeleſtin veranlaſst daher offenbar fallche Nebenideen. Es ward, wie bekannt, zuerſt für das hichergehörige blaue fafrige Foffil gebraucht, welches Hr. ScHurzE aus Nordamerika nach Europa brachte, und dadurch den Oryktognoſten bekannt ward. Aus dieſem Grunde, und weil ein trivialtönender Name wiſſenſchaſtlich betrachtet beſſer iſt als ein wohlklingender falſcher, bin ich Herrn GERHaRD'S Vorſchlage gefolgt, und Babe, ſtatt deſ- ſen, das Gattungswort Schützit gewählt, welches zu gar keiner Miſsdeutung Veranlaſfung gibt. Sallte hingegen ein dritter beſferer Name bekannt werden, ſo bin ich ſehr bereit, diefen aufzunehmen.

In der Tabelle iſt der dichte und faſrige Schiitzit bereits auf- geführt. Jezt füge ich noch eine dritte Art hinzu: den blättrigen.

Ich erhielt von dieſem theils ſchneeweiſſen theils iſabellgelben Foſſil eine ſchöne Suite aus Briſtol durch den Stuffenhändler Herrn MonR für das Königl. Mineralienkabinet, welcher mir verficherte, Herr C=AYFIEED habe es zergliedert. Herr RosE übernahm auf meine Bitte eine Prüfung der angegebe- nen Beſtandtheile, und beſtätigte CEAYFIELD'S Angabe, nach welchem Schwefelfäure und Strontianerde feine Beſtand- cheile in ganz ähnlichen Verhältniſſen ſind, wie in dem Fafri- gen. Auch mein Freund KrAPRoOTH hatte diefe Unterfu- chung, ohne daſs ich es zuvor wuſste, unternommen, und

daſſelbe Refultat erhalten.

Auſſer England findet fich der Blättrige Schiitzit noch vor- züglich ſchön auf Sizilien unweit des Ortes Mazzara. Do- LOMIRU entdeckte es dort 1781 in den Schwefelgruben und hielt es für Schwerſpath. Er brachte ſchöne Druſen davon nach Paris mit, und erzählt, daſfs einige darunter über 50 Pfund wögen. VAucQuELIN fand darin 54 Theile Stron- tianerde und 46 Theile Schwefelſäure.(M. ſ. DEEAME- THERIE'S Journal d. Phyfique 1798 Mars. p. 203.)

Diefer Schützit hat dem erſten Anſcheine nach in der That nicht wenig Ahnlichkeit mit Schaaligem Baryt. Indeſſen zei- get Haur ſchon, daſs der ſtumpfe Winkel der geſchobenen 4ſeitigen Tafel des Schützit 105 Grad enthalte, der des Baryts

Anmerkungen. 75

nur 101 Grade, und auſſer anderen Merkmaalen ſind beide Foffilien auch im eigenthümlichen Gewicht von einander ver- ſchieden. Ich habe das des Schaaligen Baryts 4,3647 das des blättrigen Schützit nur 3,9731 gefunden.

(59) Das Gattungswort Schwerſpath rührt aus den Zeiten her, in welchen man nur eine oder zwei Arten deſſelben kannte. Die Endung Spath gibt felten richtige Formen für generiſche Namen. Dichter Schwerſpath iſt z. B. eine contradictio in adjecto. Das griechiſche Wort Baryt iſt dagegen eben ſo kurz und in allen Sprachen verſtändlich.

(60) BERGMANN'S Lapis hepaticus iſt ein ganz eigen- thümliches Foffil, welches ich daher jezt unter dem Namen Hepatit aufgenommen habe.

(61) Das fonſt ſogenannte Natürliche Mineral-Alkali ſteht jezt hier unter dem Namen Natron. In einer Tabelle, die nur Naturkörper klaffifizirt, finde ich es ſchon ganz unnüz das Beiwort Natürlich vorzufezzen. Es verſtehit ſich ja von felbſt, daſs keine Kunſtprodukte hier aufgenommen werden dürfen. In dieſer Rückficht habe ich es überall weggelaſſen, wo es ſonſt gebraucht ward. Ubrigens pflanzt auch das Wort Mineral- Alkali eine falſche Idee fort. Ich bin daher ſehr mit dem neuerlich durch Herrn KæAPRorf wieder mehr in Umlauf gebrachten Wort Natron zufrieden, und habe es deshalb jenem ſubſtituirt.

Mein Gemeines Natron iſt das bekannte Erdige von De- breczin etc-

Das Strahlige kommt hingegen aus Feſſan in Africa zu uns.

(62) Der Sa ſſolin ilt fonſt hier und da unter dem Namen: Natürliches Sedatioſalz vorgekommen. Er enthält aber, wie KrAPROTH gefunden, auſſer der Boraxſäure noch die an- gegebene anſehnliche Menge Schwefelſauren Braunſteins jener wirklich beigemiſcht. Bei Saſſo im Sieneſichen kommt er vor, an den Randern der heiſsen Quellen. Jener Gattungsname iſt alſo geographiſch.

(63) Ob das Meerſalz(unter andern von Alexandrien)

wirklich eine eigene Gattung iſt, oder nur als eine eigene Art des Steinſalzes angeſehn werden follte? wird ſich in der Folge entſcheiden.

(64) Der Vulkaniſche Salmiak iſt vom Gemeinen ſehr ver- ſchieden. Er findet fich in deutlichen etwas geſchobenen 4 ſeiti- gen Säulen kryſtalliſirt, welche ſtark glänzend und durchſichtig ſind. In den Veſuviſchen Laven von 1794 ſieht man ihn ſehr ſchön.

(65) An den Lagunen im Toskaniſchen entdeckte Mass- cAGNI eine von der Natur erzeugte Miſchung von Schwefel- ſäure, Ammoniak und Waſſer. In der, beſonders auch we- gen der vielen feltenen Salze, äuſſerſt intereſſanten Sammlung meines Freundes K APROTE habe ich dieſes Foſſil gefehn, und feine äuſſern Merkmahle unterfucht. Das Gattungswort iſt dem Entdecker zu Ehren conſtruirt, weil der Alchemiſtiſche Name Geheimer Salmiak jetzt allgemein verworfen wird, und die Neue Chemiſche Nomenklatur, ſo ergeben ich ihr in che- miſcher Rückſicht bin, in der Oryktognoſtiſchen Nomenklatur keine Anwendung findet, indem ſie Beſchreibungen(Defini- tionen) aber keine Namen gewährt.

(66) Hieraus erklärt fich auch der Reufſſin. Dies iſt keines: weges ein natürliches Glauberfalz, fondern eine Miſchung von diefem Salze mit ſchwefelſaurer Talkerde etc.

(67) Ich glaubte fonlt, die Natur brächte keinen Eiſen- und Kupfer- Vitriol abgefondert hervor, fondern untereinander ge- miſcht. Allein ächte Varietäten von beiden, in mehreren Sammlungen, haben mich das Gegentheil gelehrt, und Herr FREIESLEBEN erwähnt nicht nur ausdrücklich des ſchönen Kupfer- Vitriols(Bemerk. über d. Harz II. S. 120.), fondern auch des Rammelsbergiſchen

(68) Zink-Vitriols(ibid. S. 121.) Ein ſolcher Beobachter verdient gewiſs allen Glauben.

(69) Der Kohbalt- Vitriol aus dem Herrngrunde zu Neuſohl in Ungarn hat eine roſenrothe Farbe;

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