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Mineralogische Tabellen : mit Rücksicht auf die neuesten Entdekkungen / ausgearbeitet und mit erläuternden Anmerkungen versehen von Dietrich Ludwig Gustav Karsten
Entstehung
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Anmerkungen. 73

Da die Säure vorwaltet, ſo iſt die nächſte Idee: ob er ſich für die Klaſſe der Salze paſſet? Allein dieſe Säure weicht ſelbſt wefentlich von allen in den natürlichen Salzen zeither aufge- fundenen Säuren ab, und das Foſſil hat keine einzige der den Salzen in phylſiſcher Rückſicht zukommenden Eigenſchaften. Es bleibt allo nichts übrig, als dem Honig ſteine wenigſtens eine Freiſtatt unter den Thonarten zu gewähren, deren Erde ganz unbeſcholten darin vorlanden iſt.

(36) Der vom Herrn AnrE GoARp unter mehreren Grön- ländiſchen Foſſilien entdeckte Kryolith hat eine

Graulichweiſſe Farbe;

Seine äuſſere Geſtalt kann ich nicht beſtimmen, weil ich zur Zeit kein eingewachſenes Stück fah.

Er iſt inwendig nach einer Richtung glänzend, nach den übrigen wenig glänzend, von Glasglanz;

Sein Bruch iſt(wie es mir ſcheint) nur nach einer Richtung blättrig, nach den übrigen(oder im Queerbruche) uneben;

Er hat gerad und dickſchaalige abgeſonderte Stücke;

Iſt im hohen Grade durchſcheinend

Weich;

Milde;

Gibt einen ſchneeweiſſen Strich, und

Iſt nicht fonderlich ſchwer.

Ich habe diefe äuſſere Beſchreibung deshalb entworfen

und hier mitgetheilt, weil die des Herrn dAxDRApA(a. a. O. S. 12.) nicht überall richtig gefaſst, oder für manche Leſer wenigſtens nicht ſo anſchaulich als obige iſſ.

Das ſpecifique Gewicht des Kryolith's fand ich 2,9575, Hr. dANDRADA aber 2,9698 welches fehr damit übereinſtimmt.

(37) Der Ganit enthält doppelt ſo viele Thonerde als Talk- erde, und iſt dem Glimmer in anderer Hinſicht nahe verwandt. Deshalb ſteht er jetzt bei mir unter den Thonarten.

(38) Der Chiaſtolich kommt bei den franzöõſiſchen Kryſtallo- graphen unter dem vieldeutigen und daher nichts beſtimmen- den Worte Macle vor.(M. f. Romé de Lisle Criſtallogr. ſec. édit. T. II. p. 440. und Hauy im Journal d. mines XXVIII. p. 284.) Der erſtere unterſcheidet ihn vom Staurolith durch die ſpécif- que Angabe: Macle balſatique. DEELAMETERIE(Manuel d. Mineralogifle I. p. 299.) betrachtet dies Foſſil aber nur als eine Abänderung des Stauroliths. In Frankreich kennt man es ſchon ſeit dem Jahre 1751, durch den Präfidenten pE RoOBIEN, wel- cher es in der Diſſertation ſur la formation de trois différentes efpéces de pierres figurées, qui ſe trouvent dans la Brétagne, (die in den Nouvelles idées fur la formation des foſſiles à Paris 1751. 13. abgedruckt iſt) beſchrieb. In Deutſchland hat man wenig darauf geachtet. Ich finde es nur in WEIGEIL'S Ueber- fetzung von R. p. LrsTEs Criſtallogr. I. édit. S. 186. 187. be- ſchrieben, und von den neueren Oryktognoſten gar nicht auf. geführt.

Ein glücklicher Zufall lieſs mich den Chiaſtolirh vor einiger Zeit in einem alten hieſigen Kabinette auffinden, und Herr v. Buwon, der ihm vielfaltig in Paris geſehen, machte dem hieſigen Königl. Kabinett ſpäterhin noch mit einem anderen dort crhal- tenen Exemplar ein angenehmes Geſchenk.

Das Foſſil beſteht aus langen, mehr oder minder dikken, zuweilen etwas abgerundeten vierſeitigen Säulen, welche nur wenig geſchoben find; denn der eine Flächenwinkel beträgt 95, der andere 85 Grade..

Auf der Lagerſtätte felbſt findet man ſie im Thonſchiefer eingewachſen.

Die Farbenzeichmung iſt an den Säulen höchſt auffallend und be- ſtändig. Die Hauptfubſtanz ſieht gelblichweiſs aus, vertuſcht fich aber ganz ſanft, theils in ein lichtes grünlichgrau theils in ein blaſſes lauchgrün. In der Mitte eines jeden Queerſchnitts der Säule, fieht man einen rautenförmigen braunen Fleck, von welchem aus vier braune Linien nach den Ekhen der Säule zu laufen, und in jeder Ekke gewöhnlich einen mehr oder minder voll- kommen rautenförmigen abermals braunen Fleck antreffen.

Das Fofſil iſt inwendig wenig glänzend, und verläuft ſich bis ins ſchimmernde, von Fettglanz;

Der Bruch geht aus dem fein ſplittrigen über ins erdige;

Uebrigens iſt dieſe Steinart

WMeich

Milde und nicht fonderlich ſchwer, 2,9278.

Aus dieſen Merkmahlen ergiebt ſich hinlänglich die Eigen- thümlichkeit des erwähnten Foſſils. Dales noch nicht iſt che- miſch unterſucht worden, ſo habe ich es einſtweilen unter den Thonarten aufgenommen; nach Analogie des Thonſchiefers, in welchem es ſich in der Brétagne findet.

Die oben beſchriebenen vier braunen Linien, bilden, indem ſie aus dern Mittelpunkte nach den Ekken laufen, ein griechi- ſches x, welches überall an den Endflächen, oder da, fichtbar iſt, wo auch die Säule parallel mit ihnen durchbrochen wer- den mag. Deswegen habe ich dieſem im Syſtem noch unbe. nannten Foffil den Namen Chiaſtolith gegeben.

Die Zeichnungen endlich, welche WEraEz auf der III. Tafel No. 22. feiner Ueberfezz. und R. p. L'IsEE auf der VIII. Tafel No. 49. der zweiten Edition des Originals ſeiner Criſtallographie davon geliefert haben, find der Natur nicht ganz getreu. Die aus dem Mittelpunkte laufenden Linien, ſind verfehlt und zu bald flächenähnlich angegeben.

(39) Ich habe mich lange geſtraubt, den Pinit als eine be- ſondere Gattung aufzuführen, indem er mir zum Glimmer zu gehören ſchien. VAauQUEIIN's Analyſe des letzteren Foſ- ſils, hat mich jedoch gegenwärtig zu dieſer Abaänderung bewogen.

(4 0) Wozu man dieſes Foſſil Gemeinen Thon nennet? ſehe ich nicht ab. Ich halte das einfache Gattungswort Thon für hinreichend, zumahl da die drei Arten deſſelben noch für ſich näher beſtimmt werden.

(41) Nach Vergleichung des, unter dem falſchen Namen Salpeter; auf dem Kurfürſtl. Stollen bei Weiſsenfels im Sand- ſtein, dem Hrn. Bergmeiſter FREIESLEBEN vorgekomme- nen ſchneeweiſsen Foffils, wovon derſelbe mir vor einigen Jahren gütigſt etwas mitgetheilt, auch eine äuſsere Beſchrei- bung davon a. a. O. entworfen, hat, mit der in des Herrn KLAPROTRH Sammlung befindlichen, zu Schemnitz irrig ſo- genannten Natürlichen Alaunerde, bin ich der Meinung, daſs beide Foſſilien, eine und dieſelbe Gattung ausmachen. Des- halb find die Beſtandtheile, welche Hr. KL arROTH in dem Schemmitzer Foſfil fand, neben der oben gedachten auſsern Beſchreibung jenes Mineralogen geſetzt. Das Gat- tungswort Kollyrit iſt von oe im Dioscoridles und Plnius entlehnt, und bezieht ſich auf das Hauptkenntzeichen diefes Foſfſfils, nemlich auf fein ſtarkes Anhängen(oder Ankleben) an der Zunge.

(42) Die von Hr. RosE auf meine Bitte zergliederte Porzellanerde war von Aue bei Schneeberg. Man erſieht aus den Refultaten, daſs weit mehr Thonerde darinn iſt, als gewöhn- lich angenommen ward, denn viele Chemiſten hegten fonſt die Meinung: es enthalte die beſte Porzellanerde 75 pro Cent Kieselerde, und 25 pro Cent Thonerde. Hr. RosE fand von diefer 47 pro Cent und von jener nur 52; alfo beinahe gleiche Theile, und obgleich vor der Analyfe, alle, diefer Porzellan- erde fichtlich beigemengte kleine Quarzkörner, mechaniſch abgeſchieden wurden; ſo hegt er dennoch aus Gründen, welche er an einem anderen Orte dem Publikum vorlegen wird, die Meinung: es werde ſich bei einer ganz ſtrengen chemiſchen Prüfung ergeben, daſs in der eigentlichen Miſchung jener Erde, noch mehr Thonerde als Kieselerde enthalten fei-

(43) Da die Walkerde und

(44) Der Bol drei bis viermal ſo viel Thonerde als Talk- erde enthalten; ſo finde ich die Erinnerungen, welche man von der Aufnahme dieſer Foſſfilien unter den Talkarten ge- macht hat,(m. f. v. FrofxEE's Mineralog. Auffätze, Wien 1794. S. 165.) nicht ungegründet, und rechne fie deshalb jetzt

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