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(29) Den Poliſchiefer konnte ich nicht länger unter den Thonarten ſtehen laſfen. Sie gehören vielmehr, nach dem Princip der vorwaltenden Beſtandtheile, zu den Kieſelarten, Preilich weichen ſie durch ihre geringe Härte, durch den Man- gel an Kryſtalliſazion, Glanz und Durchſichtigkeit, von vielen der übrigen Kiefelarten ſehr ab; allein ich leugne jetzt auch gradehin die Achtheit der allgemeinen Karaktere, welche man den Kiefel Thon- und Talkarten gegeben hat. Dies geſchah zu einer Zeit, da wir die Beſtandtheile der Foſſilien noch weit weniger kannten als jetat. Wer hätte damals wohl geglaubt, daſs lder Saplur beinahe bloſs aus Thonerde beſteht, und we- nigſtens nichit eine Spur von Kieſelerde enthält, da er doch Hänte, Glanz und Kriſtallform im vorzüglichen Grade beſitzt? Dieſe Steinart allein wirft alle voreilig abſtrahirte allgemeine Merk- male ganzer Ordnungen über den Haufen, und lehrt uns künftig behutlamer verfahren. Dagegen wird man in der Folge noch weit mehrere Translokazionen vornehmen mülß- ſen, als ich mir fürs erfte erlaubt habe, wenn man ganz konfe- quent verfahren will.
(30) Das Foffil, welches den Chryſopras von KosE- NITZ gewöhnlich begleitet, iſt bisher in den Mineralſyſtemen gar nicht aufgeführt worden. Dennoch iſt es ſowohl in Hin- ficht feiner Beſtandtheile, welche in der Tabelle nach K AP- EoOTH angegeben find, als auch in Rückficht feiner äuſſeren Merkmale von allen übrigen verſchieden, und kommt in der Lagerſtätte des Chryfopras fehr häufig vor. Es verdienet allo auch von diefer Seite wenigſtens mit demſelben Rechte aufge- nommen zu werden, als die Schaumerde und mehrere andere Fofſilien.
Seine Farbe iſt theils äãpfelgriin, theils ſteht ſie zwiſchen dem Zeiſig und Apfelgrinen inne;
Es findet fich derb und adrig(im Serpentinſtein);
Iſt inwendig wenig ſchimmernd von Fettglanz;
Der Bruch geht aus dem groberdigen dis in das feinerdige über;
Es fpringt unbeſtimmt eckig ganz ſtumpfkantig;
Iſt undurchſichtig;
Sehr weich, geht ins Zerreibliche über;
Hängt ein wenig an der Zunge;
Fühlt fich fett an und
Iſt nicht fonderlich ſchwer.
Nach meinen oben geäuſſerten Grundſätzen ſteht dies Foſſil unter den Kiefelarten. Hier iſt es vorzüglich durch feine EFet- tigkeit ausgezeichnet, und deshalb habe ich es Pimelit genannt.
(31) Skorza iſt ein zeiſiggrünes Foſſil, welches ſich in ganz feinen wenig ſchimmernden Körnern, nach des Herrn Mör- IER v. REICHENSTEINX handſchriftlicher Anzeige, in einem Thale, unweit des an dem Fluſſe Arangos(lege Aranjoſch) ge- legenen Dorfes Muska(Muſchka) in Siebenbirgen findet. Die Wallachen nennen es Skortza, welchen Nahmen ich beibe- halten, und nur durch die Schreibart etwas weicher zu ma- chen gefucht habe. Herr KLApPROTH hat die Güte gehabt der Königl. Mineralienſammlung davon mitzutheilen, und ich finde, daſs demſelben feine weiſſe Quarzkörner fichtlich bei- gemengt find. Deſſen ungeachtet iſt fein eigenthümlich Ge- wicht 3,135.
(32) Die Reihe der Thonarten eröffne ich deslialb mit dem Diamantſpath und nicht mit dem an Thonerde noch rei- cheren Saphir, weil die übrigen hieher gehörigen Fofſilien fich dadurch beſſer aneinander reihen laſſen.— 1
Bei dieſer Gelegenheit darf ich wohl der intereſfanten Ab- handlung des Herrn GRaEVIILE: on he Corodum Stone From Aſia, welche aus den philoſophical transactions beſonders ab- gédruckt iſt, erwähnen; weil in diefer Schrift die Abänderun- gen der Kryſtalliſazion des Diamantſpaths fleiſsiger als irgend- wo aufgeführt ſind, und vieles beigebracht iſt, was die Ge- ſchichte dieſes ſeltenen Foffils betrifft. Schade, dafs einige Figuren verzeichnet find! 9X2
1(33) Im Spinell iſt nach VArcguerrxs angeführter Zer- gliederung nicht ein Atom von Kieſelerde; Thonerde und Talk-
Anmerkungen. 3
erde allein geben dieſem Edelſtein feine Form, die Härte, den Glanz etc. und ein Metall(Chromium) färbte ihn.— Bei einer früheren Zergliederung fand derfelbe Chemiſt gar keine Talk- erde, fondern 94,8 Thonerde und 4 Chrömium(M. f. Journal de Phyf. Mars 1798 pag. 224). Er glaubt zwar(Journal des mines XXXVIII. p. 92 in der Anmerk.) daſs er ſich bei diefer Unterſuchung getäufchthabe: es fragt fich aber, ob VAvo- QuELIN nicht vielleicht, ohne es zu wiflfen, rothen Saphir, ſtatt Spinell, zuerſt zergliedert hat. Dann war es kein chemi- ſcher fondern ein oryktognoſtiſcher Irrthum. Dies iſt mir viel wahrſcheinlicher; zumahl er offenbar nach pag. 82 deſſelben Hefts, den Unterſchied beider Foffilien nicht kennet.
(34) Den Zeylanith kenne ich blofs aus der Beſchreibung und Zergliederung des Herrn CourET-DESOGOTIES an dem in der Tabelle angeführten Orte. Jene iſt unvollſtändig, gegen dieſe fand ein ſehr kompetenter Richter nichts zu erinnern. Am nächſten dürſte das Fofſil dem Spinell verwandt ſeyn, wenn es nicht felbſt ein dunkel ſchwärzlichgrüner Spinell ilt. Der Gattungsname iſt auf jeden Fall übel gewählt.
(35) Den Honigſtein jetzt unter den Thonarten zu finden,
wird wohl niemand erwartet haben, da ich vor dem ſfelbſt die Aufnahme deſſelben unter den Inflamnabilien vertheidigt habe- Allein wer konnte damals ahnden, daſs die Miſchung deſſelben ſo auffallend verſchieden von allen bisher unter den Foflſilien bekannten ſeyn würde? Seit dem Abdruck der zweiten Ausgabe meiner Tabellen, ſind zwei chemiſche Zergliederungen des Honigſteins ins Pu- blikum gekommen, deren Urheber beides ſehr ſchätzbare Che- miſten find..—— Hr. Profeſfor LaMPADTUS ſchlofs aus feinen Verſuchen, es beſtehle dies Follil aus 85,40 Kohlenſtoff 3,50 Thonerde 2,00 Kiefelerde 3,00 Kryſtalliſazions Waſſer
(M. I. deſſen Samml. prakt. chem. Abhandlung II. B. S. 144.)
und dieſem gemäſs hätte der Honigſtein noch alle Anſprüche
auf die Klaſſe der Inflammabilien. Hr. Bergrath ABICH fand ſich hingegen veranlaſst die Be- ſtandtheile auf folgende Weiſe in 100 zu beſtimmen. 4⁰,00 Kohlenſäure 21,00 Thonerde, theils mit Kohlen theils Benzoefäure verbunden. 5,50 freie Benzoefäure. 3,00 Eifenoxyd 2,50 Harziger Extraktivfloff 28,00 Kryſtalliſazionswaſſer. 1Aed e 3 (M. f. v. CRELEIE'S Chem. Annalen 1792. II. B. S. 13.) 3 Nach der Zeit unterzog Herr KrarRkoOTn den Honigſtein ſeiner bewährten Prüfung, entdeckte darin eine ganz. eigen. thiimliche Säure bloſs mit Thonerde und Kryſtalliſazionswaſſer
gemiſcht, und zwar in dem Verhältniſſe, wie es in der Ta⸗
belle angegeben iſt. Er hat der Königl. Akademie der Wif ſenſchaſten von dieſer Arbeit ausführliche Rechenſchaft abge- legt, und es iſt mein Beruf nicht, die Natur jener Säure, nach Anleitung Seiner auf das genaueſte darüber angeſtellten Erfah⸗ rungen, hier darzulegen. Nur foviel mufs ich bemerkens daſs fie in ihren Eigenſchaften keiner der bisher bekannt ge*
weſenen(und fogenannten) mineraliſchen Säuren ähnlich iſt,
ſondern weit mehr mit den vegetabiliſchen übereinkommt;, und fich der Benzoeſäure am meiſten nähert. Herr AnrcH kam alſo wirklich der Wahrheit fehr nahe, wie fich auch aus allen von ihm angezeigten Erſcheinungen ergiebt. Herr LAM- rADTUS hat bei feiner Arbeit die Säure zerfezt, daher die groſse Menge Kohlenftoff, welche er angibt. Dieſs iſt ein emfernter Beſtandtheil des Foſſils; da wir aber in der Orykto- gnoſtie nach den näheren Beſtandcheilen klafſifiziren, ſo kann der Honigſtein nun nicht mehr unter den Inflammabilien ſtehen bleiben. b 15 1 Da


