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Mineralogische Tabellen : mit Rücksicht auf die neuesten Entdekkungen / ausgearbeitet und mit erläuternden Anmerkungen versehen von Dietrich Ludwig Gustav Karsten
Entstehung
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VI Vorrede.

ſehr vielen Orten daſelbe iſt, und er wird im Stande ſeyn anzugeben: was nach ſeinen, mit Sorgfalt angeſtellten Beobachtungen, jüngeren oder älteren Urſprunges iſt. Wer es einmal dahin gebracht hat, dnd nan durch Lektüre findet, daſs in den von einander entfernteſten Gegenden, dieſe Abwechſelungen der Lagerſtätte immer wieder vorkommen, der wird unwiederbringlich zu der Uberzeugung gelangen, daſs das Schichtungs- Verhältniſs oder, welches daſſelbe iſt, das relatioe Alter der Gebirgsarten, als ein Naturgeſez zu betrach- ten, und völlig würdig ift, zum oberſten Prinzip der Gebirgslehre erhoben zu werden.

Von diefer UÜberzeugung ging ich bei dem Entwurf dieſer Tabelle aus. Grade in der Ausarbeitung begriffen, kehrte Herr v. BucCh von einer Reiſe zurück, welche er in die höchſt intereflanten Gegenden von Salzburg, Tyrol, einen Theil von Italien und Frankreich gemacht hatte. Das Publikum kennet ihn nur durch den(beſcheidenen) Verſuch einer mineralogiſchen Beſchreibung von Landeck. Breslau 1797. 4; durch feine Auffäzze in den Schlefilchen Provinzialblättern, und in des Herrn v. Morrs Jahrbüchern der Berg- und Hüttenkunde, und weils ſchon hieraus, wie mannigfaltig ſeine Kenntniſſe, wie forgfaltig feine Beobachtungen, wie ſcharffinnig ſeine Schlüſſe find. Wer eines fortdauernden Umganges mit die- ſem gründlichen Naturforſcher ſrnigilen, der lernet ihn von noch weit mehreren vortheilhaften Seiten kennen, und wünſchet der Wi enſchaft Glük, welche er zum Hauptzwek ſeiner Studien gemacht hat.

Es war mir demnach höchſt angenehm, ihn noch vor Vollendung meiner Tabellen üher manchen mir zweifelhaften Gegenſtand zu Rathe ziehn, und feine in den groſsen Alpenmafſen eingeſammelten Er- fahrungen benutzen zu können. Ich ward dadurch nicht allein in meinem Vorſazze beſtärkt, die bisheri- gen Uberbleiblel oryktognoſtiſcher Beſtimmungen,(welche fich zeither vorzüglich bei den Flöz-Gebirgs- arten erhalten haben)) ganz auszumerzen, fondern ich habe mich felbſt dadurch bewogen gefunden, in mehreren Stükken noch weiter zu gehn, als es erſt meine Abficht war.

Nach dem Prinzip des Alters iſt daher die Geognoſtiſche Tabelle, mit Rückficht auf unſere jetzigen Erfahrungen, zu beurtheilen. Am genaueſten kann man das Princip bei den Uranfänglichen und T62- Gebirgs Formazionen verfolgen; nicht gan⸗z ſo genau bei den Uebergangs- und Trapp-Gebirgsarten, und am ſchwierigſten hält es bei den Aufgeſchwemmten und Vulkaniſchen, weil dieſes parzielle Formationen find.

Für jede ſelbſtſftändige ausgedehnte Gehirgsart bediene ich mich des Wortes Formazion, ſtatt des nicht ſo ſchicklich bisher eingeführt geweſenen Ausdruks: Gattung. Die Formationen find unter diejeni- gen ſechs Haupt-Klaſſen vertheilt, wohin fie nach dem Alter oder ihren ſonſtigen geognoſtiſchen Verhält- niſſen gehören. Diejenige Formazion ſteht voran, welche die älteſte iſt, oder dafür gehalten wird. Dann folgen die jüngeren in der Progreſſion, in welcher ihre Entſtehung ſpäter erfolgt zu feyn ſcheint.

Der Name einer Formazion wird zuweilen gleichlautend unter mehrern Klaflfen vorkommen. Dies rührt daher, weil die Benennung urſprünglich bei vielen Gebirgsarten aus der Oryktognoſie entlehnt iſt. Das lälst ſich nun auch nicht wohl mehr ändern, wenn gleich der Geognoſt, nach ſeinen Prinzipien, die weſentlichfte Verſchiedenheit unter ihnen findet*). Er kann dies nicht anders als dadurch ausdrükken, dals er dafſelbe Wort, unter ſo vielen Formazionen oder Klaſſen wiederholt, als die Lagerungs-Verhält- niſle es mit fich bringen. Befler wäre es freilich, wenn die groſse Verſchiedenheit in der Sache auch durch ganz verſchiedene Benennungen angedeutet werden könnte.

Eine Formazion wird in mehrerc Arten getheilt, Gebirgsart, welche die Formazion bildet, noch in etwas älter ſcheint als der andere(wie z. B. der klein- körnige Granit, der im Ganzen Spuren eines höheren Alters an ſich trägt als der grobkörnige) oder wenn ſich in der Haupt-Formazion fremdartige Lager einfinden, die gleichzeitig mit derſelben find. Z. B. der Urgips im Gneis; der Granat im Glimmerſchieſer; der Thon im jüngeren Gips. Was übrigens an dem einen Orte nur ein untergeordnetes Lager ausmacht, das iſt am andern zuweilen eine felbſthlädige Gebirgsarl. Dann ſteht derfelbe Name unter den Arten der Hauptgebirgsart, worinn das dazu gehörige Foſſil vor- kommt; aber auch für ich unter den ſelbfiſtändigen Formazionen. Ich darf hiebei nur an den örnigen Kalſtein erinnern..

3 Strenge genommen, ſollten auch die zu einer und derfelben Formazion gehörigen Arten nach der Altersfolge aufgeführt werden. Dazu fehlt es aber noch fehr häufig an Datis. Daher will ich z. B. bei der Porpfyr-Formazion keineswegs durch die Stellung ſeiner Arten andeuten, daſs ich den Obfidian-Por- phyr für den älteſten, den Grünſtein-Porphyr für den jüngſten halte. Es könnte wohl grade umgekehrt ſeyn; fie können auch beide eigentlich zwiſchen andere Porphyrarten, dem Alter nach, hingehoõren. Darüber vermiffen wir noch Beobachtungen; ſo wie denn überhaupt die jezt beibehaltene Eintheilung des Porphyrs nach den verſchiedenen Hauptmaſſen, erft einer weiteren geognoſtiſchen Prüfung bedarf.

Bei den Arten der Glimmerſchiefer-Formation iſt auch die Folgereihe noch nicht zuverläſsig. Andere Geognoſten rechnen den in der Tabelle darunter befindlichen Hornblendſchiefer, Chlorit- und Talkſchie- fer zur Formation des Thonſchiefers. Einzelne Fakta werden, wie ich weiſs, dafür angegeben: Wenn ich aber einen Blick auf die bedeutenden Maſſen werfe, welche davon im füdlichen Deutſchlande, in der Schweiz und in Schweden im Glimmerſchiefer vorkommen, ſo kann ich es nicht billigen. Doch gehören dieſe Foffilien vielleicht beiden Formationen mit gleichem Rechte an. Ob dieſs fo fei? wird die Zeit

lehren.

Die Kla v. Mollſchen Jahrbücher zur Berg- und Hüttenkunde S. 249 273. hinlänglich erläutert.

*) Auch in der von Herrn REuss, in der Vorrede zum mineralogiſchen Wörterbuche Hof. 1798. mitgetheilten, angeb- lich neueſten, WERNERS'CHEN Tabelle der Gebirgsarten findet ſich dieſe Vermiſchung oryktognoſtiſcher und geo-

gnoſtiſcher Prinzipien, bei den Flöz-Gebirgsarten. 44) Wie ungeheuer verſchieden iſt z. B. der Gips, weéelcher im nördlichen Deutſchlande die Salzquellen führt, von den pei Airolo mit Gneis geſchichteten, welchen Herr FREIESLEBEN daſelbſt entdeckt hat.

ſIe der Uebergangsgebirgsarten iſt in der Abhandlung des Herrn v. Buck im zweiten Bande der In Anſehung der

wenn entweder ein ſich auszeichnender Theil der