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Mineralogische Tabellen : mit Rücksicht auf die neuesten Entdekkungen / ausgearbeitet und mit erläuternden Anmerkungen versehen von Dietrich Ludwig Gustav Karsten
Entstehung
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Vorrede. V

Ubrigens feufzt die Oryktognoſie noch vorzüglich darüber, daſs ſo wenig ganz bekannte Foſſilien zeither von bewährten Chemiſten unterfucht worden find. Was aus Sancta und vom Uraliſchen Gebirge zu uns gebracht wird, das kennen wir bis auf jeden Dezimaltheil feiner Miſchung: aber das Erz, dem unſer Pflug- ſchaar fein Dafein verdankt, iſt keiner Zergliederung wiirdig geachtet worden. Daher bei ſo vielen ganzen Ord- nungen noch die groſsen Lücken in der Tabelle, z. B. bei dem Eiſen; daher ſo manche Inkonfequenzen und unfichere Anwendungen des Klaſlifikazions-Princips felbſt in dieſer neueſten Tabelle. Ich verkenne ſie ge- wils nicht, muls ſie aber dulden, bis zuverläſsigere Data mich in den Stand ſetzen fie zu vermeiden. Ohne Zweifel iſt auch dies mit der Grund, warum von manchen Seiten der Wunſch wieder rege wird, der Hülfe der Chemie ganz entbehren zu können. Herr JosEPH BRUNNER hat(in feinem Neuen Syſtem der Minera- logie. Leipzig 1800) den Verſuch gemacht, die Klaſſfikazion der Foſſilien bloſs nach den auſſeren Kennzeichen zu bewirken. Ob dieſe Ausführung deffelben den Beifall des ſachkundigen Publikums erhalten dürfte? muls die Zeit lehren. Es fteht da freilich Holzzinn, Faſeriger Malachit, Rothes Hieſsglanzerz, Federerz, Noboltblüthe (a. a. O. S. 154. 155.) beilammen. Im Ganzen lege ich in der Oryktognofie auf kein Syſtem einen groſsen Werth; denn das Syſtem ift ja nur Mittel und nicht Zweck. Es ſoll einen Leitfaden abgeben, durch welche die Exiſtenz der vorhandenen Foſlſilien uns anſchaulich bleibt. Sein Zweck iſt daher Hilfe des Gedächiniſſes. Dazu kann man freilich auf mancherlei Wegen gelangen. Aber das Gattirungsgeſchoft, welches die Haupt- ſache iſt, weil wir dadurch zur wahren Kenniniſs der Dinge(gleich viel durch welche Folgereihe) gelangen dies wird auf die eine oder die andere Weilſe beſſer von ſtatten gehn, und am Ende wird es ſich erſt zeigen: ob da, wo man bei der Klaſſifikazion nur die auſeren Kennzeichen zum Grunde zu legen glaubt, nicht eine Selbſttäuſchung ſtatt findet, und die Beſtandtheile, doch zur oberſten Maxime, uns unbewulst, erhoben ſfind. Mir kommt es wenigſtens ſo vor. S

Ich kehre von dieſer Digreſſion zurück, um noch ein paar Worte über die in der fünften Colonne an-

Seführten äufferen Beſchreibungen zu ſagen. Es iſt hier faſt überall FEMMPRILING'S Mineralogie Giel

ſen 1793 1797. in 3 Oktav-Bänden)) aus dem Grunde, citirt, weil Herr EMMERLING fehr fleiſsig im Zu- ſammentragen der vorhandenen Belchreibungen geweſen, ſein Buch alſo das vollſtändigſte der Art iſt. Nur da, wo es uns verläſst, muſsten andere Werke, noch zur Hülfe, angeführt werden, und hiebei ſind, wie in den vorigen Auflagen, die Urheber der Belchreibungen alsdann genannt. Wo ganz neue Gattungen und Arten von mir aufgeſtellet worden, da habe ich in den Anmerkungen ſelbſt noch die Karakteriſtik hinzuge- fügt, ſo weit meine Zeit dies geſtattete. Was aber in dem Neuen Mineralfyſtem von dem verftorbenen WIDERMANX darüber enthalten feyn mag, muſs ich dahingeſtellt feyn laſfen. Seit 8 Monaten lele ich in den öffentlichen Blättern, dals es exiſtiren, und in Braundchweig gedruckt ſeyn, ſoll. Es iſt damals ſogleich für mich von einer hiefigen Buchhandlung beſtellet worden, aber alles Erinnerns ungeachtet, noch nicht bis nach Berlin gekommen.

Von den jüngſten Entdekkungen des Herrn v. AxpDRApDA, davon er ſeinen Freunden in einer kleinen nur 14 Seiten enthaltenden Schrift:

Aurze Angabe der Eigenſchaften und Kennzeichen einiger neuen Fosilien aus Schweden und Norwegen"(ohne Druckort) neuerlich Nachricht gegeben, findet man in den Anmerkungen einige Auskunft. Da ſie erſt nach dem Abdruck des oryktognoſftiſchen Theils der Tabellen einlief; ſo konnte in dieſer noch keine Rück- ficht darauf genommen werden. Auch wird man den in Schweden entdekten Niterbit vermiſſen, weil es noch ungewils iſt: ob diefs Foffil zu den Erd- und Steinarten, oder zu den Metallen gehört.

Gerne hätte ich von der driuten Hauptabtheilumg meines Buches ausführliche Rechenſchaft abgelegt, wenn überhäufte Berufsgeſchäfte mir dies nicht für jezt durchaus verlagt, und mich in die Nothwendigkeit geſezt härten, felbſt die Ausarbeitung der Vorrede bis auf den lezten Termin von der Meſle zu verſchieben. Ich kann das alſo nur andeuten, was einées grolsen Kommentars bedürfte, und bitte hiebei nicht auffer Acht zu laſſfen, daſs die Tabellen zu Vorleſungen beſtimmt find, in welchen fich vieles ergänzen läſst, was felbſt in einem Handbuche dem Leſer noch Anſtoſs verurſacht.

Die neuern Gebirgsbeobachtungen eines Vorer, REuss, v. HuMBOTDT, FREIESILEEEN, FLURI, EsMARRK, v. Bucu, BEounh ctc. haben ungemein wichtige Aufſchlüfſe über das relatioe Verhalten der Ge- birgsmaſſen gegeben, und dadurch ſtillſchweigend mehr und mehr gezeigt, wie viel die Geognoſte für ſich allein zu thun, und wie wenig ſie nöthig habe, fich nach oryktognoſtiſchen Gefichtspunkten umzulehn, um ihrer Dilziplin ein hinlängliches Intereffe zu geben. Insbelondere ergiebt fich aber daraus, dals bei einer Klalifi- Kazion der Gebirgsarten, alle oryktognoſtilchen Principien verbannet, und ganz eigenthümliche zum Grunde gelegt werden müffen. Sie find zu entlehnen: von der Vatur und Enlhtehung der Gebirge, allein dadurch iſt das oberſte Princip, welches bei ihrer Eintheilung beobachtet werden mufs, immer noch nicht beſtimmt. Was muls insbeſondere von ihrer Natur erforſcht und hernach als die Bafis des Ganzen angeſehen werden? das bleibt dem Wiſsberigen mit Recht zu fragen übrig. Die Antwort liegt ſchon in der kleinen WERNEHSCHEN Schrift: Kuarze Klaſſfükazion und Beſchreibung der verſchiedenen Gebirgsarten. Dresden 1787. 4. Denn hier hat der Verfaffer derfelben offenbar das Alter der Gebirgsarten als den Haupt-Eintheilungsgrund betrachtet, wie- wohl dieſer Gefichtspunkt bei der weiteren Ausführung nicht ganz ftrenge verfolgt iſt, damals auch zu wenig geprüfte Beobachtungen dazu benutzt werden konnten.

Wer je Gebirgsreiſen mit einiger Aufmerklamkeit angeſtellet, und fich bemühet hat, Aufſchlüfſe über die innere Beſchaffenheit des Erdballs zu erhalten, der wird, wenn er nicht ganz unvorbereitet war, gefunden ha- ben, daſs die Gebirgsmaſſen keineswegs unordentlich durcheinander geworfene Koloſſe, ſondern dals fie regel- moſzig über einander gelagert find; erwird fich überzeugt haben, dals dieſe Aufeinanderfolge der Lager oder Schich- ten(das Schichtungs-Verhältnyſs) nicht iſolirt, auf einen einzelnen Punkt vertheilt, vorhanden, fondern daſs es an

*) Während des Abdrucks erhielt ich die neue Auflage von Herrn EMMERLING'S Lehrbuch der Mineralogie. Gieſſen 1799. Da hievon aber noch nichts weiter als des erſten Theiles erſter Band erſchienen iſt; fo konnte auch von dieſer neuen Auflage, ſo ſehr ich es fonſt gewünſcht hätte, in den Citaten kein Gebrauch gemacht werden.

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