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IV n— vorrede.——
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manches neue Foſſil gar nicht haben aufführen, oder doch in den vorhingedachten Anmerkungen nicht
haben karakterifiren können; hätte mir die Klaprothiſche Sammlung nicht dazu die Hare gelcſert, Sie enthält, beſonders unter den Salzen und metalliſchen Foſfſilien, manche ausgezeichnete Gattungen, die dem grofsen Königl. Mineralienkabinett noch ganz abgehn.—
Nächfidem muls ich noch dem Herrn Afleflor Rosz, für die mir bewieſene gleiche Bereitwilli keit, in Abficht auf die Analyfirung verſchiedener Fofſilien, meinen aufrichtigen Dank abſtatten. Wenn ich aut
ſeine Zergliederungen des Berylls, des Porzellanjaspis und der Sachſiſchen Porzellanerde einen vorzüglichen Werth lege; fo finde ich mich nicht fowohl durch das uns vereinigende Freundſchaftsband, als vielmehr deshalt HHiEzh vetanlatst, weil Herr Rosz ichon leit jahren in KrArRorüu's Fulsftapfen getreten iſt, und bei leinen chemilchen Arbeiten nicht nur vollgültige Kenntniſſe mitbringt, ſondern auch mit der grölsten Vorlicht und Genauigkeit zu Werke geht, daher zur kleinen Anzahl der zuverläfſigen Zergliederer gehört. Er hat neuerlich auch im Zöblitzer Serpentinſtein die Gegenwart des Chromiums entdeckt, und die Wiſ- ſenſchaft hat ſich gewiſs in Zukunft noch recht viele Aufſchlüffe von feinen Unterſuchungen zu ver- ſprechen. 1
PEndlich bin ich Herrn AnIrGOARD in Kopenhagen, für die mir handſchriſtlich mitgetheilten Reful- tate leiner Zergliederungen mehrerer Foſſilien, recht ſehr verpflichtet. Da es nur Reſultate waren, fo bin ich auſser Stande, über die Begründung derfelben zu urtheilen. Indefſen kann man von einem Manne ſeines Alters und Rufes erwarten, daſs er fich zu keinen Beſtimmungen eher bewegen lafſen wird, als bis er felbſt von ihrer Achtheit hinlängliche Uberzeugung hat.—
Natürlich haben aber die Entdekkungen der jezt erwähnten Männer ſowohl, als die eines VAucuun Iru und anderer, zu ſehr weſentlichen Veränderungen in der Klafliſikation Veranlafſung gegeben; weil 32 das Princip: die Foſſilien nach den Miſchungs- Verhialtniſſen überhaupt, und inſonderheit nach den worwaltenden Beſtandlheilen zu klaſſifiziren, deſto mehr zu befolgen ſfuche,: je mehr wir richtige chemiſche Zergliederungen erhalten. Mich kummert es dann nicht, wenn auch Subſtanzen, von denen man bisher glaubte, fie trügen ſichtlich den Karakter einer gewiflen Ordnung) an ſich, in eine andere verſetzt werden müffen,“ von welcher man fie bisher ſehr entfernt hielt. Diefer Glaube beruhete auf einer Vorſtellung, deren Reali- tät nirgends erwieſen war. Man ſah fich nemlich genöthiget eine groſse Summe von Subſtanzen, nach einet gewiſſen Folge aufzuzeichnen, und zur Erleichterung des Gedächtniſfſes einige Kohorten von einander zu trennen, andere zulammen zu vereinigen. Dies geſchah zu einer Zeit, wo die Kenntniſs der unorgani- ſchen Naturkörper ſehr mangelhaft war, und woan wahre chemiſche Zergliederungen nicht/gedacht werden konnte, weil die Chemie ſelbſt erſt in den Windeln lag. Als in der Folge, durch WERNERS Reformazion, den mineralogiſchen Wiſlenſchaften die Morgenröthe eines hellen Tages zu Theil ward, ſeeilte eine Zeitlang die genauere Unterſcheidung und dadurch verbreitete beſſere Kenntnils der Foffilien, nachihren äufferen Merkmahlen, der Unterſuchung ihrer Beſtandtheile, weit vor. Jene Kohorten waren aus älteren Zeiten noch vorhanden. Man hatte Klaſſen-Ordnungen, Geſchlechter und Gattungen, ohne eine durchdachte Maxime für ihre Eintheilung, überliefert erhalten. Aus der vorhandenen Vereinigung waren allgemeine Karaltere ab- ſtrahirt worden, und dieſe mulsten fich natürlich mit in die jüngſte Epoche der Oryktognoſie fortpflanzen, weil dies der einzige ſchwache Pfeiler war, auf welchem man das Gebäude zu einer Zeit zu ſtützen fuchte, da es wenig Analyfen der Foflilien, und unter dieſen noch manche fehr unzuverläſsige gab. WBRNERNS Scharffinn entdeckte damals den Zarakteriſirenden Beſiandtheil in den Foffilien(M. f. deſſen UÜberſ. des CRos- srTEDT, in d. Vorr. S. II. in der Anmerk.) und es ward davon manche ſehr nützliche Anwendung gemacht. Jetzt aber, da nach Verlauf von 20 Jahren die analytiſche Chemie der Oryktognoſie ganz andere Data reicht, muſs dieſe Dilziplin fie dankbar annehmen und benutzen. Die Idee der karakterifirenden Beſtandtheile muls demnach berichtiget, und, wenn es in der Folge nöthig befunden werden follte, lieber ganz aufgege- ben, als ein in Zeiten der Noth aufgefundenes ſchwankendes Hülfsmittel, unläugbaren Faktis, an welche man fich künftig mit mehrerer Sicherheit wird halten können, vorgezogen werden. Dieſe Aufſerungen find, wie ich hoffe, hinlänglich, um über viele von mir gemachte Translokazionen: aus den Kieſelarten zu den Talk- oder Thonarten, und von dieſen in umgekehrter Ordnung zurück; von dem Silber zum Blei und Ar- ſenik; vom Golde zum Tellur; vom Titan zum Eiſen etc. einige Erörterung zu gewähren. Specieller habe ich mich noch in den vorhin erwähnten Anmerkungen darüber erklärt. Ubrigens fürchte ich weniger, hiebei zu weit gegangen zu ſeyn, als vielmehr, mit mehrerem Rechte den Vorwurf zu erhalten, daſs die Transloka- zionen fich noch über mehrere Gattungen hätten erſtrekken ſollen. Warum das Rothe-Bleierz nicht verſetzn worden iſt? darüber ſpricht die zwei und neunzigſte Anmerkung ausführlich. Daſs der Schmaragd und Beryftll unter den Kieſelarten ſtehn geblieben find, glaube ich eben ſo leicht vertheidigen zu können. Ihr Gehalt an Gheinerde beträgt nemlich nicht mehr als 12— 14 pro Cent, dagegen find 69 pro Cent Kieſelerde in ihrer Mi- ſchung. Es iſt nun zwar dadurch der Glycin-Ordnung in meiner Tabelle noch keine einzige Foflilien-Gat- tung einverleibt worden; allein ich ſehe davon keinen folchen Nachtheil ein, daſs mich dies hätte bewegen ſollen, das Princip der vorwaltenden Beftandtheile in dem erwähnten Falle aufzuopfern.— Da es aber ſehr wohl möglich iſt, daſs diele Neue Erde künftig in andern Steinarten vorwaltend gefunden wird; ſo habe ich Pag. 28. einigen Raum gelaſſen, damit dergleichen Gattungen dort eingeſchaltet werden können.— Am erften würde ich es mir felbſt vorwerfen, daſs man den Strahlltein und Tremoliuh noch unter den Talkarten fin- det: allein da grade jetzt manche damit verwandte neue Foffilien entdekt ſind, welche analyfirt werden, ſo hoffe ich auch auf eine baldige Wiederholung der Zergliederungen von den Arten des Strahlfteins und Tremoliths. Von dem Erfolge derſelben wird ihr Schickfal abhängen.. un 2 1 ri- *) Diefes Klaffifikkazions-Ausdrucks bediene ich mich jezt für: Geſechlecht, weil wir des Lezteren, welches, aller Erklä- rungen ungeachtet, oft zu Miſsverſtändniſſen Anlaſs giebt, recht gut entbehren können.
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