Teil eines Werkes 
Textbd (1824) Reise zum Tempel des Jupiter Ammon in der lybischen Wüste und nach Ober-Ägypten in den Jahren 1820 und 1821. Textbd
Entstehung
Einzelbild herunterladen

429

Rechten zur Linken geschriebene Buchstaben erkennt. Nach Plutarch hatte das ägyptische Alphabet fünfundzwanzig Buchstaben(de 14. et Osir.. 46.), und zur Wiederauffindung desselben dürſten diese Zeilen sehr wichtig werden, die auch Herr Professor Spohn ent- ziffert zu haben versicherte. Uebrigens scheinen die Buchstaben mit einem Pinsel sehr nachlässig geschrieben zu seyn, und Fig. c. steht noch besonders neben dem Betenden zweimal ein einzelnes Wort.

Fig. 4. Dieses Gemälde scheint ebenfalls zu einem solchen Kästchen, wie Fig. 1., gehört zu haben, ist indeſs äufserst nachlässig ausgeführt und nur des Inhaltes wegen hier mit- getheilt. Vor dem Helios und Osiris, die beide einen Herrscherstab in den Händen tragen, erhebt sich nämlich eine groſse Schlange, die von einer Frau an einem Bande gehalten wird. Noch jetzt hat sich in Aegypten eine erbliche Brüderschaft von Schlangen- beschwörern erhalten, die theils durch Fanatismus und gewisse Geheimnisse, theils durch Betrug bei dem Volke eine Art von religiösem Anschen genieſst(oben Kap. X. S. 226 228.); hier sehen wir, daſs ihre Kunst uralt ist und wahrscheinlich einen Theil der Weisheit jener erblichen Pfleger der heiligen Thiere ausmachte(Hero dot I, 65.), die als eine geringere Klasse von Priestern anzuschen sind. Die Psyllen, von denen man gewöhnlich die neueren Schlangenbeschwörer ableitet, waren nicht ägyptischen Geschlechts(Plin. H. W. VII, 2.). Uebrigens gab es nach Horapollo drei Schlangenarten(I, 1.); er erwähnt den Basilisk oder Uräus, welchen Namen andere Ubäus schreiben, das Symbol der Unsterblichkeit, des Weltgeistes(I, 64.) und der Gewalt über Leben und Tod; ferner die Schlange Meisi, die wahrscheinlich von böser Bedeutung war(I, 59.). Aelian läſst die Aegypter sechzehn Schlangenarten unterscheiden(de nac. anim. X, 31.): die Schlange Thermuthis, die er besonders beschreibt, und die der Isis geweiht war, ist aber ver- muthlich wieder der Basilisk. Herodot erwähnt dem Ammon geweihte Kerasten(J, 74.), nämlich die Agathodämonschlange, und eine geffügelte Gattung(1. c. 75. 76.). Jene war bei den Aegyptern fast ein Hausthier und von höchster Heiligkeit(Aelian. I. c. XIVII, 5. Lamprid. Heliog.. 28. Aegyptios dracunculos Romae habuit, quos illi Agathodaemonas vocant.). Eine deutliche Spur des Schlangendienstes findet sich auch 4. Mos. 21, 8. 9. 2. Kön. 18, 4. Ucbrigens sind wir noch nicht im Stande, viele der in den Bildwerken genau unterschiedene Schlangen mit Sicherheit zu erkennen. Auch der Aal war den Aegyptern ein heiliges Thier(Herodot II, 72.).

Fig. 5. a. 6. Ein steinernes Dintenfaſs, vielleicht einst das Amtsgeräth eines Hiero- grammateus(Clem. Alex. Strom. II. p. 633. Glb.): die eingeschnittenen Figuren sind etwas unförmlich. Uebrigens erkennt man einen Kopf, dem der Arsinoe auf den Münzen des gleichnamigen Nomus, wo sie als Göttin verehrt wurde, nicht unähnlich(T'chon, medailles des nomes p. 128. 129.) zwei heilige Pflanzen, vielleicht die Persea und die Zwie- bel; ein anderes göttliches Kraut hieſs Osyrites oder Cynocephalia(Plin. H. N. XXX, 6.). Dann folgt eine Sphinx, die eine Lotusblame zwischen den Füſsen hält, ein Fisch, wel- cher, des spitzigen Kopfes wegen, der Oxyrynchus seyn mag, ein Bock, der dem Pan geweiht war, und endlich wieder eine Lotusblume.