Teil eines Werkes 
[Hauptband] (1845)
Entstehung
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theils dunkel gefärbt; die eingefallenen Augengruben werden durch Luft aufgeblaſen, und zwar mit Hülfe einer kleinen Röhre, z. B. eines Strohhalms, welcher in eine kleine, in die Haut der Augengrube gemachte Oeffnung eingeführt wird. Das Hauptmittel der künſt⸗

lichen Pferdeverjüngung beſteht aber in einer gewiſſen

Operation an den Zähnen, welche in der Roßtäuſcher⸗

ſpracheMalochen, Gitſchen oder Biſchoffen heißt.

Es werden nämlich verſchwundene Kunden auf die Reib⸗ oberflächen der Schneidezähne künſtlich eingegraben, und zwar mit Hülfe eines Grabſtichels; dieſe künſt⸗ lichen Marken oder Kunden werden gewöhnlich nur auf den Eckzähnen angebracht, ſo daß das Pferd das An⸗ ſehen eines ſiebenjährigen Pferdes bekommt. Durch die Betrachtung der Länge, der Form und der Stellung der Zähne iſt der Betrug ziemlich leicht zu entdecken; noch leichter aber durch eine genaue Unterſuchung der Kunden ſelbſt; dieſe ſind nämlich gewöhnlich eckig und von unregelmäßiger Form, und, was die Hauptſache iſt, es fehlt ihnen der erhöhte Rand der Schmelzſub⸗ ſtanz, der ſich an natürlichen Kunden findet, und der ſich durch keine Kunſt hervorbringen läßt. Zuweilen liegt es im Intereſſe des Verkäufers ein Pferd älter ſcheinen zu machen, als es wirklich iſt; hier werden dann z. B. die Füllen⸗Eckzähne des vierjährigen Pfer⸗ des ausgebrochen, um dem Pferde das Anſehen eines fünfjährigen zu geben, indem der Käufer glauben ſoll, die Zähne wären von ſelbſt durch den natürlichen Zahnwechſel ausgefallen.

Der Schönheitsfehler ſehr ſchlaffer, herabhängen⸗ der Ohren wird oft dadurch verſteckt, daß der Stirn⸗ riemen des Zügels ſehr hoch hinaufgeſchoben wird, ſo daß die Ohren durch ihn unterſtützt und aufrecht er⸗ halten werden.

Bei Blindheit eines Auges wird irgend ein reizen⸗ des Pulver in das Auge geblaſen, um dadurch eine Entzündung deſſelben hervorzubringen, die dann als zufällig durch irgend eine äußere Urſache entſtanden geſchildert wird, und bei welcher es alsdann ſchwer hält, die Blindheit ſelbſt zu entdecken. Fehler an den Augen werden auch wohl durch Scheuklappen des Zügels ꝛc. verſteckt.

Der Naſenausfluß bei Rotz und bösartiger Druſe

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140. Betruͤgereien im Pferdehandel. 409

wird theils durch häufiges Abwiſchen der Naſenlöcher verborgen, theils dadurch, daß etwas Heede oder ein anderer weicher Körper hoch hinauf in das kranke Na ſenloch geſteckt wird, ſo daß der Ausfluß nicht ſtatt⸗ haben kann.

Pferde, die Krippenſetzer ſind, oder eine verwun⸗ dete oder eingeſchnittene Zunge haben, werden kopf⸗ ſcheu gemacht, ſo daß ſie ſich gegen das Oeffnen des Maules ſträuben. Um den Fehler der Dämpfigkeit zu verheimlichen, wird das Pferd in ſo großer Entfer⸗ nung vom Käufer im Trabe geritten, daß er das be⸗ ſchwerliche, ſchnaufende Athmen nicht hören kann. Zum Käufer zurück wird das Pferd dann im Schritte geritten. Um dem Pferde das Anſehen eines guten Schweifträgers zu geben, wird demſelben kurz vor der Unterſuchung eine kleine Pille aus gepulvertem Pfeffer in den After geſteckt. Die Rübe rattenſchweifiger Pferde wird mit Oel beſtrichen, und der Verkäufer verſichert dann: daß das Haar ſich bald wiederfinden werde, weil es erſt kürzlich ausgegangen ſei. Abzeichen, als Stern, weiße Füße ꝛc. werden mit Höllenſtein und anderen Mitteln gefärbt. 6

Steife und ſtruppirte Pferde werden zuvor warm geritten, weil ſie dann beſſer gehen; lahme Pferde werden nur auf weichem Boden geritten; Pferde mit Spat, Gallen, Sehnenklapp ꝛc. werden zuvor warm geritten und von dem Reiter in ſteter Unruhe und Be⸗ wegung erhalten, weil dann die Steifigkeit und Lahm⸗ heit weit weniger ſichtbar ſind. Pferde mit Widerrüſt⸗ ſchäden und anderen Fehlern auf dem Rücken werden unter der Decke oder dem Sattel dem Käufer vorgeführt.

Leidet das Pferd an verſchiedenen Huffehlern, an Mauke, Schaale ꝛc., ſo wird das Pferd zuvor in Koth geführt, um die Unterſuchung des Hufes zu erſchweren und den Fehler zu verſtecken; Hornſpalten werden mit Pech oder Baumwachs ausgefüllt. Bei vorhandener Raſpe oder Mauke wird verſichert: das Pferd habe über den Halfterſtrang getreten. Hat das Pferd auf einem Fuße vielleicht eine langwierige oder unheilbare Lahmheit, ſo wird das Hufeiſen des kranken Fußes abgeriſſen und verſichert: das Pferd habe das Eiſen verloren, und den Huf auf dem Marſche zum Käufer nur etwas verbällt.

Wagenfeld, Encyel.