149. Wunden. 407
Wunde etwa eingedrungenen, fremden Körper z. B.
Haare ꝛc.; ſodann mache man rings um die Geſchwulſt
einen mit Schnee oder Eis gefüllten Beutel haltbar, oder in Ermangelung deſſen, bediene man ſich der unausgeſetzten Befeuchtungen mit möglichſt kaltem Waſſer. Da beſonders der Eintritt von Luft in das geöffnete Gelenk nachtheilig wirkt, ſo ſuche man die äußere Wunde ſo ſchnell wie möglich zu ſchließen, was am zweckmäßigſten dadurch geſchieht, daß man ſie mit einem hiezupaſſend geformten Glüheiſen zubrennt. Oft gelingt es hiedurch die Wundöffnung dauernd zu verſchließen, oft aber ſammelt ſich im Gelenke eine ſo große Menge Gelenkſchmiere an, daß der äußere, verſtopfende Brandſchorf abgeſtoßen wird, und der Ausfluß ſich erneuert. In vielen Fällen hilft dann oft noch das Heften der Wunde oder das Anle— gen eines ſtark drückenden Verbäandes. Hat man die kalten Umſchläge etwa ſechs bis acht Tage ohne ſicht— baren Erfolg gebraucht, ſo ſtehe man davon ab, und bediene ſich der ſcharfen Salbe, und zwar der bei der Stollbeule vorgeſchriebenen; mit derſelben wird die ganze Umgegend des Gelenkes, in Zwiſchenräumen von acht zu acht Stunden, zweimal eingerieben. Die⸗ ſes Mittel paßt ſelbſt dort, wo die Entzündung den höchſten Grad erreicht hat, und ſeine Wirkung iſt ge⸗ wöhnlich ganz unvergleichlich. Gleich beim Beginne der Kur wird dem Pferde ſtark zur Ader gelaſſen, dann erhält es eine Laxanz und nur ſehr wenig Futter.
b. Sehnenwunden haben eine faſt gleiche Bedeutung als die Gelenkwunden, doch ſind ſie ge— wöhnlich mit nicht ganz ſo großer Gefahr verbunden. Auch bei ihnen fließt eine, der Gelenkſchmiere ganz gleiche, Flüſſigkeit aus, das Pferd leidet an Fieber, den heftigſten Schmerzen ꝛc. Mit der Kur verhält es ſich weſentlich ſo, als bei den Gelenkwunden.
c. Verwundungen der Knochen ſind oft mit Gefahr verbunden, oft heilen ſie aber auch ohne Schwiergkeit und ohne ſonderliches Zuthun der Kunſt; ſie ſind ſehr ſchmerzhaſt, und namentlich gilt dies von Wunden der die Knochen überziehenden Beinhaut. An⸗ fangs kalte Umſchläge, ſpäter ſcharfe Salbe und das Glüheiſen ſind hier anzuwenden. Zuweilen bildet ſich ſogenannter Knochenfraß; kann man dieſen nicht mit Zange oder Meſſer entfernen, ſo brennt man ſtark mit
dem Glüheiſen, oder man befeuchtet ihn täglich zwei⸗ mal mit Kreoſot, welches man mittelſt eines Stück⸗ chens Heede in die Wunde bringt.
d. Die Bruſt⸗ oder Bauchhöhle durch⸗ dringende Wunden ſind allemal mit Gefahr ver⸗ bunden. Sind etwa Eingeweide durch die Wunde nach außen getreten, ſo bringt man dieſe zurück, und heftet dann die Wunde. Aeußerlich kalte Umſchläge, ſpäter ſcharfe Salbe, ſtarke Aderläſſe, Laxanzen und Ruhe ſind zur Kur erforderlich.
e. Blutungen aus der Naſe kommen zu⸗ weilen, beſonders beim Pferde, vor. Entweder befindet ſich auf irgend einem Theile der Naſenſchleimhaut ein freſſendes Geſchwür, oder ein Polyp, oder das Pferd iſt durch einen übermäßigen Lauf ſehr alterirt ꝛc. Es iſt in vielen Fällen nöthig ein ſolches Naſenbluten zu ſtillen, weil ſonſt eine tödliche Verblutung entſtehen könnte. Um dieſes zu verhindern, ſpritzt man mit einer Klyſtir⸗ ſpritze ſehr oft eiskaltes Waſſer, oder Eſſig und Waſſer in das kranke Naſenloch, und bindet das Pferd mit dem Kopfe recht hoch. Steht die Blutung nach einiger Zeit nicht, ſo wendet man Räucherungen von Eſſig an, und zwar auf die Weiſe, daß auf heißgemachte und in einen Eimer gelegte Steine, am beſten Feld⸗ ſteine, Eſſig gegoſſen wird, welcher Eimer dann dem Pferde unter die Naſe gehalten wird, damit die heißen Eſſigdünſte beim Athemholen in die Naſenhöhlen ein⸗ gezogen werden. Um die Eſſigdünſte beſſer zuſam⸗ menzuhalten, ſchlägt man eine Decke über den Kopf des Pferdes, welche zugleich den Eimer mit einſchließt. So lange die Blutung dauert, und auch noch kurze Zeit nachher, muß das Pferd faſten, weil durch die Erſchütterung des Kauens leicht die Blutung aufs Neue eintreten kann.
Quetſchungen und Geſchwülſte werden je nach ihrem Sitze und nach ihrer beſonderen Beſchaffenheit behandelt. Sind ſie heiß und entzündet, ſo paßt die Anwendung der Kälte; ſind ſie dagegen kühl und ſchmerzlos, ſo paſſen lauwarme, zertheilende Bähun⸗ gen, ſpirituöſe Waſchungen, ſcharfe Salbe, Eiterbän⸗ der, Einſtiche mit dem Meſſer ꝛc. Schwammige Ge⸗ ſchwülſte werden mit dem Meſſer entfernt, durch das Glüheiſen oder durch verſchiedene Aetzmittel zerſtört ꝛc.


