Teil eines Werkes 
[Hauptband] (1845)
Entstehung
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138. Samenſtrangfiſtel beim Pferde.

139. Wunden. 405

138. Samenſtrangfiſtel beim Pferde.

Nach einer mit wenig Geſchick ausgeführten Ca⸗ ſtration der Hengſte, oder durch unerwartete Zufällig keiten entſteht zuweilen eine Fiſtel des Samenſtran⸗ ges. Unter ſolchen Umſtänden heilt die bei der Ka⸗ ſtration in den Hodenſack gemachte Schnittwunde nicht zu, und ſelbſt noch nach vier bis acht Wochen nicht; immer tröpfelt Eiter aus der Wunde, welche freilich jetzt nur noch eine kleine Fiſtelöffnung mit aufgewor⸗ fenen Rändern darſtellt. Der Samenſtrang iſt ſehr verdickt und verhärtet, und läßt ſich als ſolcher von außen durch den Hodenſack fühlen. In manchen Fäl⸗ len wird der Samenſtrang immer größer, er wird faſt krebsartig, iſt ſehr ſchmerzhaft, und in Folge deſſen behält das Pferd nicht ſelten einen lahmen Gang. Bei ſehr langer Dauer dieſes Uebels magert das Pferd ab, bekommt einen aufgeſchürzten Bauch, und kann ſo⸗ gar endlich dadurch zu Grunde gehen.

Von ſelbſt erfolgt die Heilung faſt niemals. Iſt der Fehler noch nicht alt, ſo gelingt es zuweilen, noch eine Zertheilung zu bewirken; und zwar durch ſehr häufig wiederholte lauwarme Bähungen mit Heuſamen⸗

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Alles was von ihnen hier geſagt wird, bezieht ſich zunächſt auf das Pferd; im Allgemeinen aber findet daſſelbe auch bei den Wunden aller andern Hausthiere Anwendung. Unter einer Wunde verſteht man eine aus mechaniſchen Urſachen entſtandene Trennung der Haut und oft mehr oder minder der darunter gelegenen Theile. Es leuchtet ein, daß jede Stelle der Oberfläche des Körpers der Sitz einer Wunde werden kann, und des⸗ halb kommen ſie auch überaus häufig vor. Die Be⸗ deutung einer Wunde, in Bezug auf Geringfügigkeit und größere oder geringere Gefahr, hängt von der Größe und Tiefe derſelben, und beſonders noch von der Beſchaffenheit und dem Werthe des verletzten Theiles

aufguß, warmem Seifenwaſſer ꝛc. Abends reibt man die Seite des Hodenſackes, an welcher der Samen⸗ ſtrang angeſchwollen iſt, mit einer Salbe aus gleichen Theilen Oel und grauer Merkurialſalbe ein. Iſt die Verhärtung umfangreich und ſchon alt, ſo kann die Heilung nur auf dem Wege der Operation bewirkt werden. Das Pferd wird geworfen, der Hodenſack an der kranken Seite durch einen langen Schnitt, ganz wie bei der Kaſtration ſelbſt, aufgeſchnitten und durch das obere Ende des verhärteten Samenſtranges, mit⸗ telſt einer krummen Nadel, ein ſtarkes Band gezogen. Mit dieſem Bande zieht man den Samenſtrang ſo weit als möglich, doch mit der gehörigen Vorſicht, hervor, trennt ringsum ſeine etwaigen Verbindungen mit dem Hodenſacke durch das Meſſer, klemmt ihn an ſeinem unterſten Theile in die Bruchklammer ein, und brennt dann den über die Klammer vorſtehenden Theil mit einem meſſerförmigen Glüheiſen ab. Sollten, wie dieſes häufig iſt, einzelne größere Blutgefäße noch blu⸗ ten, ſo werden dieſe wiederholt, und bis zur Stillung des Blutes, mit einem ſpitzen Glüheiſen zugebrannt.

Wunden.

ab. Jede Wunde hat eine größere oder geringere Entzün⸗ dung zur Folge, deren Ausgang nach der Art der Verle⸗ tzung, nach der Wichtigkeit des verletzten Theiles, nach der Behandlungsweiſe ꝛc. verſchieden iſt; es muß in dieſer Beziehung auf das verwieſen werden, was am Eingange dieſes Werkes über die Entzündung im Allgemeinen geſagt worden iſt.

Die erſte Rückſicht, welche bei einer friſchen Wunde in Betracht kommt, iſt die Stillung der Blutung; iſt dieſe nur unbedeutend, ſo wird ſie ſich bald von ſelbſt ſtillen; erfolgt dies aber nicht, ſo muß man ſie durch die Kunſt zu hemmen ſuchen. Bei nur mäßigen Blutungen reicht das Waſchen und Befeuchten des ver⸗