Teil eines Werkes 
[Hauptband] (1845)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

135.

oft dadurch ſelbſt weſentlich gebeſſert. Iſt die Rückbie⸗ gung des Hufes ſchon ſehr bedeutend, wie z. B. in Fig. 4, ſo richtet man mit dem Schnabeleiſen ſelten noch etwas aus, und es bleibt dann nur noch die Opera tion des Sehnenſchnitts übrig. In der Mitte des Schienbeins wird ein drei bis vier Zoll breiter Ring kahl geſchoren, das Pferd geworfen, und mit einem ſichelförmigen Meſſer(Fig. 6.)der Sehnenſchnitt aus⸗ geführt. Manchmal iſt es hinreichend nur die Seh⸗ nen des Hufbeinbeugers(Fig. 5. b.) zu durchſchnei⸗ den, oft aber müſſen beide Sehnen, mithin auch die des Kronenbeinbeugers(Fig. 5. a.) durchſchnitten werden, zumal dann, wenn beide Sehnen mit einan der verwachſen ſind. Iſt die Durchſchneidung der Seh⸗ nen erfolgt, ſo wird die Wunde mit Heftpſtaſterſtrei⸗ fen verbunden, der Fuß oft mit kalten Waſſer gekühlt, und das Pferd ſechs bis acht Wochen im Stalle ge⸗ laſſen. Gleich nach der Durchſchneidung der Sehnen

Bockbeinigkeit des Pferdes.

136. Anlaufen der Beine beim Pferde.

403

tritt das Pferd mit dem Hufe nicht nur gehörig durch, ſondern ſtärker, als mit dem geſunden Fuße. Die ver⸗ kürzt geweſenen Sehnen weichen nämlich nach dem Durchſchneiden ein bis zwei Zoll auseinander; nach und nach treten ſie wieder etwas näher zuſammen, und heilen durch verhärtetes Zellgewebe, welches eine Art Sehne abgiebt, wieder zuſammen. Mitunter geht das operirte Pferd ſpäter ziemlich, oder ſogar völlig, gut; oft aber iſt dieſes nicht der Fall, und die Operation im Allgemeinen von keinem beträchtlichen Nutzen.

Es kommt nicht ſelten vor, daß Füllen den Stelz⸗ fuß mit zur Welt bringen, ohne bekannte Urſache. Das Füllen tritt dann auf die Zehe; die Sohlenfläche des Hufes ꝛc. iſt nach hinten gerichtet ꝛc. In ſolchen Fällen zeigt ſich oft die Anwendung eines geſchnabel ten Hufeiſens(Tab. XXVIII. Fig. 4.) von großem Nutzen, denn oft wird dadurch eine gründliche Hei⸗ lung des Fehlers bewirkt.

135. Bockbeinigkeit des Pferdes.

Das Pferd iſt bockbeinig, ſtruppirt, hängt in den Knieen ꝛc. ſagt man, wenn das Vorderknie des ſtehen⸗ den Pferdes nicht ſenkrecht unter dem Oberſchenkel ſteht, ſondern nach vorwärts weicht, ſo daß der ganze Vorderſchenkel eine nach vorwärts gekrümmte Richtung nimmt. Der Fehler iſt zu bekanut, als daß es nöthig erſchiene denſelben hier näher zu beſchreiben. Mei⸗ ſtens ſind die Muskeln des Schenkels ſehr mager und dünn, unter dem Knie liegen ſie dicht am Knochen, und es findet ſich deshalb hier eine ſogenannte Aus⸗ kehlung. Die Urſachen ſind überaus zahlreich; mei⸗ ſtens iſt ein langer und ſtarker Gebrauch des Pferdes die Urſache. Zuweilen jedoch leiden ganz junge, bis⸗ her kaum gebrauchte Pferde an dieſem bedeutenden

Uebel, und hier kann daſſelbe, wenn auch nicht ganz gehoben, ſo doch gebeſſert werden. Vor Allem iſt das Pferd zu ſchonen; im Sommer giebt man daſſelbe auf die Weide. Zur Stärkung der ſchwachen Sehnen und Muskeln reibt man den ganzen Schenkel öfters mit ſpirituöſen Flüſſigkeiten ein, oder mit einem Gemiſch aus gleichen Theilen Weingeiſt, Terpentinöl und Leinöl. Beſſer und kräftiger noch wirkt das ge⸗ linde Brennen des ganzen Schenkels, zumal des Ober⸗ ſchenkels, mit einem Glüheiſen. Iſt das Pferd durch Strapatzen, Gallen, Sehnenklapp, Huffehler ꝛc. bock⸗ beinig, ſo hilft ſelten noch ein Mittel; in einigen Fällen allenfalls noch der Sehnenſchnitt.

136. Anlaufen der Beine beim Pferde.

Man ſieht ſehr oft, zumal bei Pferden von ge⸗ meiner Race, oder bei ſchwachen und jungen Pferden, daß die unteren Enden der Beine, zumal der Hinter⸗

beine, anſchwellen, und ohne daß eine Urſache, z. B.

Mauke, Wurm, Huffehler ꝛc. daran erſichtlich wären.

Die Geſchwulſt iſt kühl, ſchmerzlos und nimmt beim 51*