398 131. Knochenbruͤche.
Form und Lage, und durch die bedeckenden Muskeln faſt genau in ihrer natürlichen Lage erhalten. Man ſtelle daher ein ſolches Pferd vier bis fünf Wochen in den Hängegurt, und thue außerdem— Nichts!— Die vorhandene Geſchwulſt iſt ſelten größer, als dieſes zur Heilung erforderlich iſt; ſollte dieſelbe aber ſehr bedeu⸗ tend ſein und lange anhalten, ſo kann man kalte Um⸗ ſchläge machen, und bildet ſich in ihr, was ſelten vor⸗ kommt, etwa Eiter, ſo entleere man dieſen durch einen angemeſſenen Einſtich am unterſten Theile der Ge⸗ ſchwulſt.
b. b. Brüche des Arm⸗ oder Querbeins. Dieſe Brüche kommen bei allen Hausthieren vor, ob⸗ ſchon nicht eben ſehr oft; ſelten geht der Bruch in die Quere, ſondern meiſtens in mehr oder weniger ſchräger Richtung. Hinken und Schleppen des Beines ſind noch ſtärker als beim Bruche des Schulterblattes; die Erkennt⸗ niß iſt auch hier nicht leicht, weil der Knochen von dicken Muskellagen verdecktwird; indeſſen gelingt es doch durch die genaue Unterſuchung mit der Hand, an dem Knarren der gegen einander bewegten Knochenenden ꝛc. den Schaden zu erkennen. Daſich an dieſer Stelle eine Ban⸗ dagenicht wohl anlegen läßt, ſo überlaſſe man die Hei⸗ lung der Natur; durch ſie allein wird der Knochen in der Regel wieder zuſammenwachſen. Pferde und Rind⸗ vieh ſtellt man in den Hängegurt, kleinere Hausthiere laſſe man frei, doch iſt es paſſend, ſie im Stalle zu halten, ſo daß ſie nur wenig gehen oder laufen kön⸗ nen. In vier bis ſechs Wochen iſt meiſtens die Hei⸗ lung vollendet, oft ohne die geringſte Lahmheit zu hinterlaſſen.
c. c. Brüche des Ellnbogenhöckers. Es kommt dieſer Fall zuweilen vor; man erkennt ihn daran, daß die Spitze des einen Ellnbogens weni⸗ ger vorſpringt, als die des anderen, und man kann, wenn noch keine bedeutende Geſchwulſt vorhanden iſt, das abgebrochene Knochenſtückunter der Haut fühlen. Daſſelbe wird durch die daran befindliche Sehne nach aufwärts gezogen; das Thier hinkt ſtark, und kann die Schenkel nichtſtrecken. Zum Gehen gezwungen ſchleift es den Schenkel nach. Die Heilung iſt ſchwer, da ſich das abgebrochene Knochenſtück nicht an ſeinen früheren Ort verſetzen läßt. Man halte das Thier in Ruhe, und ſehe einige Wochen an, was aus der Sache wird; zuweilen erfolgt noch eine erträgliche Heilung.
d. d. Brüche des Vorarms, oder des Ellenbogenbeines und des Vorarmbeines.
Dieſe beiden Knochen ſind dem Zerbrechen ziemlich oft ausgeſetzt, da ſie weit vom Rumpfe abſtehen, und nur von wenig dicken Muskellagen bedeckt werden. Ein un⸗
glücklicher Fall und äußere Gewaltthätigkeit ſind die
häufigeren Veranlaſſungen. Die Erkenntniß iſt leicht; das Thier iſt unvermögend auf den kranken Schenkel zu treten; erfaßt man ihn an ſeinem unteren Theile, und macht hier verſchiedene Bewegungen, beſonders nach der äußeren Seite, ſo wird man eine Biegſam⸗ keit an irgend einer Stelle des Vorarms finden, die am geſunden Thiere nicht vorhanden iſt. Außerdem ſind Schmerzen, Entzündung und die allen Knochen⸗
brüchen eigenen Erſcheinungen zugegen. Bei Pfer⸗
den und Rindvieh wird die Kur auf nachſtehende Weiſe bewerkſtelligt. Zuerſt ſuche man genau die Stelle des Knochenbruches zu erforſchen; iſt dieſe gefunden, ſo ſuche man zuvörderſt die etwa gegeneinander ver⸗ ſchobenen Bruchenden der Knochen wieder in ihre na⸗ türliche Lage zu bringen. Zu dem Ende wird das Pferd gebremſet; ein Gehülfe ſtreckt den Fuß nach vorn, und der Arzt drückt und biegt die Knochenſtücke an ihren urſprünglichen Ort. Iſt dieſes erfolgt, ſo legt man eine etwa drei⸗ bis vier Zoll breite Binde aus ſtarker Leinwand recht feſt um die Bruchſtelle; über dieſelbe legt man von allen Seiten Schienen aus Holz, umwickelt dieſe abermals mit Leinewand, und legt dann den ganzen Schenkel in die Rinnmaſchine. Dieſe beſteht aus einem etwas gekrümmten und an ſeiner vorderen Fläche rinnenartig ausgehöhlten Holze,
welches etwas länger, als der Schenkel ſelbſt iſt.
Die Aushöhlung dieſer Maſchine iſt entweder mit Filz oder mit einem anderen weichen Körper auszuklei⸗ den; der Schenkel ſelbſt wird, wie geſagt, in die Rinne gelegt, und durch lederne, mit Schnallen verſehene, Riemen in derſelben haltbar gemacht. Damit aber der Schenkel durch die Riemen keinen Druck erleide, ſo lege man unter dieſelben etwas Stroh, Kuhhaare, Heede oder ähnliche weiche Körper. Am oberen hin⸗ teren Ende der Maſchine, befindet ſich ein Vorſprung, an welchem ein breiter Gurt oder Riemen befeſtigt und auf dem Widerrüſt zuſammengefügt wird. Unten ragt die Maſchine etwa vier Zoll über den Huf hin⸗ aus(Fig. 10.). In den erſten vier bis ſechs Tagen wird das ganze Bein öfters mit kaltem Waſſer begoſ⸗ ſen, zur Mäßigung der Entzündung; hat man Urſache zu fürchten, daß dieſe ſehr heftig iſt, ſo wird von Zeit zu Zeit die Bandage gelüftet, um nachzuſehen, ob ſie
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