Teil eines Werkes 
[Hauptband] (1845)
Entstehung
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131.

mehr eingedrückt, als die andere; ein ſolches Thier nennt man dann einhüftig. Gewöhnlich entſteht nach dem Bruche an der Bruchſtelle eine Geſchwulſt; iſt jedoch dieſe noch nicht vorhanden oder ſchon gewi⸗ chen, ſo kann man das abgebrochene Knochenſtück ge⸗ wöhnlich unter der Haut und, von mehr oder weniger Muskeln bedeckt, fühlen; meiſtens liegt daſſelbe mehr nach vorn, und oft vier bis ſechs Zoll unter der Hüft ſtelle. Der Fall hat nicht viel zu ſagen, denn die An⸗ fangs in der Regel vorhandene Lahmheit verliert ſich nach und nach, und gewöhnlich ganz nach dem Ver⸗ ſchwinden der Entzündung; wohl aber ſtellt die Ein⸗ hüftigkeit beim Pferde einen nicht unbeträchtlichen Schönheitsfehler dar. Umſchläge von kaltem Waſſer, anhaltende Ruhe und die Zeit bringen die Heilung zu Stande; eine Repoſition des gebrochenen Knochen⸗ ſtückes oder das Zurückbiegen in ſeine frühere Lage iſt jedoch unausführbar, indem die am Knochenſtückbefind⸗ lichen Muskeln daſſelbe mit zu großer Gewalt abwärts ziehen. Zuweilen entſteht an der Stelle, wo das ab⸗ gebrochene Knochenſtück liegt, eine ſehr bedeutende Entzündung, welche in Eiterung übergeht, und der Eiter ſenkt ſich dann oft bis in die Gegend der Knie ſcheibe nach unten. Tritt ein ſolcher Fall ein, ſo ent⸗ leere man den Eiter durch einen am unterſten Theile der Geſchwulſt gemachten Einſtich mit dem Meſſer, und ſorge dafür, daß der ferner ſich bildende Eiter immer freien Abfluß nach unten habe. Die Heilung kann man dann ohne weiteres Hinzuthun der Natur überlaſſen.

Andere Brüche am Becken, als an der Hüfte, ſind faſt immer ſehr bedenklich, zumal wenn der Bruch in der Gegend der Gelenkpfanne ſtatt hat. Es erfolgt zwar häufig eine Heilung, aber das Pferd iſt dennoch gewöhnlich zu jeder Dienſtleiſtung unbrauchbar. Ereig⸗ net ſich ein ſolcher Fall beim Rindviehe, ſo iſt eine ſchnelle Mäſtung das Rathſamſte.

c. Brüche an den Gliedmaßen. Bei Pfer⸗ den und Rindvieh ſind die Beinbrüche in vielen Fäl⸗ len ſchwer zu heilen; Unfügſamkeit der Thiere, große Muskelkraft und viele andere Umſtände treten dem gu⸗ ten Erfolge der Heilung nur zu oft in den Weg. Den⸗ noch giebt es überaus zahlreiche Beiſpiele von glücklich geheilten Beinbrüchen dieſer beiden Thiergattungen, und es iſt daher anzurathen, zumal bei Pferden, die Kur in den meiſten Fällen wenigſtens zu verſuchen, beſonders dort, wo ein bedeutender Werth des Pferdes die Kurkoſten nicht in Betracht kommen läßt. Iſt

Knochenbruͤche.

397 an einer Extremität irgend ein Knochen gebrochen, ſo kann das Pferd in der Regel von dieſer Gliedmaße gar keinen Gebrauch machen; es ſteht und geht auf drei Beinen. Da nun Pferd und Rind nicht ohne große Gefahr während der Dauer der Kur, liegend erhalten werden können, ſo müſſen ſie ſtehen; um ihnen nun das anhaltende Stehen, zumal da daſſelbe nur auf drei Beinen möglich iſt, zu erleichtern, müſſen ſie durch einen ſogenannten Hängegurt unterſtützt werden. Der⸗ ſelbe kann ſehr einfach auf folgende Weiſe gemacht werden: Man nimmt einen gewöhnlichen Kornſack, befeſtigt an deſſen beide Enden, durch mehrmaliges Umwinden und Feſtnähen, jederſeits einen hinreichend ſtarken Stock, deſſen Enden etwa einen halben Fuß über die Seitenränder des Sackes hervorſtehen. Dieſer Apparat wird unter dem Bauche hinweggezogen, und an die vorſpringenden Enden der Stöcke werden ſtarke Stricke befeſtigt, welche man an der Decke des Stal les mit einem dickeren Stricke oder mit einer Kette und zwar ſo anbringt, daß der Rumpf des Thieres dadurch weſentlich unterſtützt wird(Fig. 10.). Auf dieſe Weiſe hat das Pferd oder Rind im Hängegurte einigen Stützpunkt, und wird, was noch weſentlicher i*ſt, dadurch zugleich am Niederlegen verhindert.

a. a. Brüche des Schulterblattes. Dieſer Knochen bricht ſelten, und dann faſt nur beim Pferde; der Bruch kann verſchiedene Richtungen haben, in die Quere, in die Länge oder ſchräg; bewirkt wird er faſt ausſchließlich durch äußere Gewaltthätigkeiten, z. B. Hufſchläge, Deichſelſtöße, Niederfallen auf ſehr hartem, unebenem Boden ꝛc. Ein ſolcher Knochenbruch iſt nicht ſo leicht zu erkennen; das Thier hinkt ſehr ſtark, und ſchleppt, wenn es vorwärts geht, den Schenkel nach, wobei es mit der Zehe des Hufes faſt den Erdboden berührt. Iſt der Bruch friſch, ſo ſind Schmerz, Geſchwulſt und Hitze vorhanden; hebt man das kranke Bein und bewegt es nach verſchiedenen Richtungen, ſo zeigt das Pferd heftige Schmerzen, hebt ſich, oder weicht zur Seite. Legt man die Hand feſt auf die Bruchſtelle, und läßt man den Schenkel durch einen Gehülfen nach verſchiedenen Richtungen bewe⸗ gen, ſo wird man das Knarren der gegen einander ſich reibenden, gebrochenen Knochenſtücke fühlen, oder legt man das Ohr unter gleichen Umſtänden dicht auf die Schulter, ſo kann man das Knarren(Krepitation) hören. Die Heilung erfolgt meiſtens ohne ſonderliches Zuthun der Kunſthülfe, denn die Knochenſtücke werden durch ihre