Teil eines Werkes 
[Hauptband] (1845)
Entstehung
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bewirkte, anhaltende Reizung der Naſenſchleimhaut kann ein langwieriger Naſenausfluß und ſelbſt, in deſſen Folge, die Rotzkrankheit entſtehen. Sind Knochen⸗ ſplitter nach außen hervorragend, ſo entfernt man ſie; außerdem geht man mit einem mit Leinwand umwickel⸗ ten Holzchen in die Naſenlöcher ein, und verſucht durch einen ſtarken Druck die eingedrückten Knochen zu heben und in ihre natürliche Lage zurück zu bringen. Iſt der Knochenbruch ſehr weit nach oben und der Stirn nahe, ſo kann man denſelben mit dem Hölzchen nicht erreichen. Es müſſen dann die eingedrückten Knochentheile mit Trepan und Hebel emporgehoben werden. Brüche des Unterkiefers kommen nicht ſelten vor, und zwar mei⸗ ſtens durch Stürzen und heftige Stöße. Es giebt mehrere Beiſpiele von gelungener Heilung. Man legt auf den unteren Rand des Unterkiefers mehrere mit Leinwand umwickelte Schienen, und befeſtigt dieſe mit Riemen, welche Unterkiefer und Oberkiefer ſo zu⸗ ſammenhalten, daß das Pferd das Maul fortwährend geſchloſſen halten muß. Das Pferd wird mit dicken Mehltränken ernährt, welche ihm mit einer Spritze ſeitlich in das Maul eingeſpritzt werden. Nach etwa vier Wochen kann man den Verband abnehmen, doch iſt das Pferd mindeſtens noch die nächſten zwei Wochen ausſchließlich mit Mehlwaſſer zu nähren. Alsdann giebt man weiches Futter, als Kleie, Schrot⸗ brei ꝛc. Iſt die Heilung erfolgt, ſo wird dann das gewöhnliche Futter wieder gereicht.

d. Brüche der Hals⸗ und Rumpfkno⸗ chen. Es ereignet ſich nicht ſelten, daß die Wirbel brechen; tritt ein ſolcher Fall ein, ſo iſt die Kunſthülfe meiſtentheils ohnmächtig und unvermögend einen we⸗ ſentlichen Nutzen zu leiſten. Gewöhnlich wird das Rük⸗ kenmark dabei gequetſcht, das Thier vermag nicht zu ſtehen ꝛc., und geht in kurzer Zeit, theils durch die Krankheit ſelbſt, theils durch die Folgen des anhal tenden Liegens, zu Grunde.

Brüche der Rippen kommen oft vor; Hufſchläge, Deichſelſtöße, plötzliches Niederfallen auf hartem, un gleichem Boden, brutale, dem Pferde mit einem Ham⸗ mer oder Knippel verſetzte, Hiebe, Stöße mit den Hör⸗ nern ꝛc. ſind die häufigeren Veranlaſſungen der Rip⸗ penbrüche. Oft iſt nur eine Rippe gebrochen, zuweilen auch mehrere zugleich. Die Erkenntniß iſt gewöhnlich nicht ſchwer; man findet nämlich an der Bruchſtelle eine Vertiefung, welche beſonders bemerkbar wird, wenn man mit den Fingern auf der Rippe von oben

131. Knochenbruͤche.

nach unten mit einem ſtarken Drucke herabgleitet, und nebenbei daſſelbe Manöver an den Nachbarrippen, rechts und links, ausführt. Die Rippe iſt entweder nur geknickt, oder ganz gebrochen; erſterer Fall iſt mei⸗ ſtens ohne üble Folge; bei wirklichem Bruche aber reizen die Bruchenden das Bruſtfell und die Lunge nicht ſelten ſo ſehr, daß darnach eine Bruſtentzündung ent⸗ ſteht, die leicht tödlich wird. Iſt neben dem Rippen⸗ bruch zugleich eine die Bruſtwand durchbohrende Ver⸗ letzung vorhanden, ſo iſt die Gefahr durch das Ein⸗ dringen der äußeren Luft noch größer; es kommt dann ein blutiger Schaum vor die äußere Wundöffnung, und durch Eingehen mit dem Finger kann man ſich von dem Zuſtande des Bruches genauer unterrichten.

Sind die Rippen blos geknickt, ſo iſt kaum etwas dagegen zu thun nöthig; man findet, zumal bei ge⸗ ſchlachtetem Rindviehe, überaus oft geheilte Rippen⸗ brüche, ohne daß es beim Leben der Thiere bemerkt worden wäre, daß ſie Rippen gebrochen hatten. Iſt aber ein wirklicher Rippenbruch vorhanden, ſo ſind, beſonders beim Pferde, die Folgen oft verderblich, wes⸗ halb hier eine Kur nie unterbleiben darf. Iſt äußer⸗

lich eine Geſchwulſt vorhanden, ſo behandelt man dieſe

durch kalte Umſchläge, und iſt eine Bruſtwunde zuge⸗ gen, ſo heftet man dieſe zuvor und zwar ſo, daß keine Luft mehr von außen in die Bruſthöhle treten kann. Sodann macht man einen Aderlaß(beim Pferde) von zwölf bis funfzehn Pfunden Blut, ſetzt vor die Bruſt ein Fontanell, und giebt eine Laxanz aus Oel und Glauberſalz. Treten die entſchiedenen Zeichen von Bruſtentzündung ein, ſo wird der Aderlaß, vierund⸗ zwanzig bis ſechsunddreißig Stunden ſpäter, in gleicher Stärke wiederholt. Man hat wohl vorgeſchlagen, die eingedrückten Rippenenden mit geeigneten Inſtrumen⸗ ten zu heben; dieſes iſt jedoch kaum anzurathen, theils weil die vorhandene Geſchwulſt die Hebung gewöhnlich erſchwert oder ganz verhindert, theils weil dazu zwei Oeffnungen in die Bruſt, neben der Bruchſtelle, ge⸗ macht werden müſſen, was nicht ohne Gefahr in ſeinen Folgen iſt. 4

Von den Beckenknochen brechen am häufigſten die der Hüfte. Plötzlicher Fall, heftiges Anſtoßen mit der Hüfte, z. B. beim ſchnellen Rennen in den Stall, geben die gewöhnlichen Urſachen ab. Oft bricht nur der äußere Winkel des Hüftknochens ab, oft aber auch der ganze Knochen. Betrachtet man das Thier von hin⸗ ten, ſo findet man die eine Hüftſeite niedriger und