Teil eines Werkes 
[Hauptband] (1845)
Entstehung
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130. Zahnfiſtel beim Pferde.

131. Knochenbruͤche.

130. Zahnfiſtel beim Pferde.

Die Zahnfiſtel giebt ſich durch eine knochenharte

Geſchwulſt an dem unteren Rande des Hinterkiefers zu erkennen; in der Mitte der Geſchwulſt befindet ſich eine kleine Oeffnung, aus welcher ein dünner, meiſt ſehr übelriechender Eiter ausfickert. Geht man mit einer Sonde oder Stricknadel in dieſe Oeffnung ein, ſo ſtößt man auf die angegriffene Zahnwurzel. Ge⸗ wöhnlich hat die Fiſtel an der Stelle ihren Sitz, welche der Wurzel des zweiten oder dritten vorderen Backen⸗ zahnes im Unterkiefer entſpricht. Die Krankheit macht dem Pferde oft große Schmerzen, ſo daß es ſchlecht frißt; die Knochenauftreibung wird immer größer, ſo daß zuletzt der Fall ſehr üble Folgen haben kann. Man glaubt faſt allgemein, daß eine äußere Ver⸗ letzung, z. B. ein Schlag c., die Urſache der Zahnfiſtel abgebe, aber das iſt meiſtens irrig. Das Uebel entſteht nämlich faſt allemal nur bei drei⸗ bis drei und ein halbjährigen Pferden und zwar dadurch, daß der zum Wechſeln beſtimmte Milch⸗Backzahn nicht aus⸗ fällt, und deshalb einen Druck auf den nachfolgenden Zahn ausübt. Meiſtens leidet nicht der Zahn ſelbſt, ſondern nur die Zahnhöhle des Kiefers. Am häufig⸗ ſten entſteht der Fehler bei weichem Futter.

Man hat zur Kur verſchiedene Verfahrungsweiſen angegeben. So ſoll man den angeblich ergriffenen Zahn herausnehmen, entweder mit einer eigens dazu gefertigten großen Zange, oder dadurch, daß man den Unterkiefer an der kranken Stelle anbohrt, und den Zahn, mittelſt eines Stemmeiſens und Hammers, nach der Maulhöhle zu herausſchlägt. Dieſes Verfahren

iſt aber theils brutal, theils auch ganz entbehrlich. Da nämlich der Zahn ſelbſt in der Regel geſund und nur der Kiefer vom Knochenfraß ergriffen iſt, ſo ver⸗ fährt man weit paſſender, wie folgt: Man macht in die Haut an der Stelle, an welcher ſich die Fiſtelöff⸗ nung befindet, einen hinreichend großen Kreuzſchnitt, trennt die Hautlappen von ihrer Unterlage, bohrt mit einem Trepan oder Hufbohrer eine hinreichend große Oeffnung in den Kiefer ein, und ſteckt täglich einmal eine mit Kreoſot befeuchtete Heedeflocke in die gemachte Oeffnung, und bis auf die Zahnwurzel, ein. In acht Tagen iſt die Heilung meiſtens erfolgt, und man über⸗ läßt die Zuheilung der äußeren Wunde dann ſich ſelbſt. Sollte, was ſelten iſt, die Zahnfiſtel ſich am Oberkiefer zeigen, ſo wird auf ähnliche Weiſe ver⸗ fahren.

Anmerkung. Auch beim Rindvieh, jedoch meiſtens nur bei Ochſen, entſteht zuweilen eine Zahn⸗ fiſtel, welche nicht ſelten eine mehere Fäuſte große Auf⸗ treibung des Kiefers erzeugt. Oft kommen dergleichen Geſchwülſte auch am Oberkiefer, neben den Naſenrücken und unterhalb des Auges, vor. Urſachen und Kur ſind weſentlich dieſelben wie beim Pferde. Oft beſteht die Geſchwulſt nur aus einer weicheren, oft aber auch aus einer ſehr harten Maſſe. Man ſpalte die Haut, und haue mit Meißel und Hammer die Geſchwulſt, im Falle ſie knochenhart iſt, weg, oder, wenn ſie weicher iſt, durch⸗ fahre man ſie mehrfach, und bis auf den Grund, mit einem glühenden Eiſen.

131. Knochenbrüche.(Tab. XXX.)

Es ereignet ſich nicht ſelten bei unſeren Hausthie⸗ ren, daß ein Knochen bricht, und in dieſem Falle tödtet man gewöhnlich das Thier, ohne irgend einen Heilverſuch zu machen. Es iſt nämlich ein faſt all⸗ gemein herrſchendes Vorurtheil, daß die meiſten Kno⸗

chenbrüche, beſonders bei den größeren Hausthieren, als Pferd und Rind, unheilbar ſeien; dieſes iſt aber ſehr oft ein Irrthum; denn in ſehr vielen Fällen iſt der Knochenbruch eines Pferdes oder Rindes ſehr wohl zu heilen, wenn auch in der Regel ſchwieriger, als bei