129. Ungeziefer.
bewollt, ſo macht die Beſeitigung einige Umſtände, indeſſen kann man die Wolle, beſonders längs dem Rücken, ſcheiteln und hier etwas graue Queckſilber⸗ ſalbe auf die Haut ſtreichen, doch mit der Vorſicht, daß man eine nicht zu große Menge der Salbe ver— wendet, denn dieſes kann Nachtheil bringen. Ein Loth iſt für jede, etwa von acht zu acht Tagen zu wieder⸗ holende, Einreibung eine hinreichende Quantität. Will man ſich eines anderen Mittels bedienen, ſo nimmt man die beim Rindvieh empfohlene Tabaksab⸗ kochung. Außer durch eigentliche Läuſe wird das Schaf ungemein oft von der Schafzecke, oder fälſch⸗ lich, aber gewöhnlich, ſogenannten Schaflaus geplagt. Sie iſt braun von Farbe, ziemlich groß und allgemein bekannt. Sie ſitzt zuweilen in Menge unter der Wolle auf der Haut, und ſaugt ſich voll vom Blute des Schafes. Abkochungen von Tabak oder auch von den zerſchnittenen Wurzeln des Ahornbaumes, mit welchen das Schaf gewaſchen wird, vertreiben dieſe Schma⸗ rotzer; die Anwendung des Mittels iſt jedoch unbe⸗ quem und umſtändlich. Sind deshalb nicht gar zu viele Lausfliegen bei dem Individuum zugegen, ſo warte man bis zur Schur; mit dem Verluſte der Wolle verlieren ſie ſich ebenfalls. Von den Schafbremſen iſt ſchon früher gehandelt worden.
b. Beim Schweine. Bei dieſem unreinlichen Thiere finden ſich oft Läuſe, beſonders bei ſehr unrein gehaltenen Ferkeln; ſind die Läuſe in großer Anzahl vorhanden, ſo ſcheuert ſich das Thier unaufhörlich, reibt zum Theile die Borſten ab, und die Haut wund. Unter ungünſtigen Umſtänden magert das Thier ab, und verfällt in allgemeine Abzehrung. Hier iſt es dann um ſo dringender erforderlich, die Läuſe durch ſie tödtende Mittel zu vertreiben, zu welchem Behufe die nachſtehenden geeignet ſind. Zuerſt wird das Schwein mit warmem Seifenwaſſer mittelſt einer Bürſte ſorgfältig gereinigt, und dann an einem trocknen, mit hinreichender Streu verſehenen Ort untergebracht; darauf beſtreicht man die am meiſten befallenen Stellen täglich einmal, und vier bis ſechs Tage hinter⸗ einander, jedoch nur dünn, mit einer Salbe aus zwei Quentchen ſalpeterſaurem Queckſilberorydul und einem halben Pfunde grüner Seife. Vor der jedesmaligen neuen Anwendung der Salbe wird die Tags zuvor eingeriebene mit warmem Waſſer, unter Anwendung der Bürſte, abgewaſchen. Sollte die⸗
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ſes Mittel nicht helfen, ſo kann man eine ſtarke Ab⸗ kochung von Peterſilienſamen benutzen, oder eine mäßig ſtarke Abkochung von Tabak(etwa ein halbes Pfund Tabak auf vier Quart Waſſer). Reinliches und gutes Futter wird die Wiederkehr der Läuſe verhüten.
e. Beim Hunde. Bei ihn finden ſich Läuſe und Flöhe, oft beide gleichzeitig und nicht ſelten in ungemein großer Menge. Der Hund kratzt ſich mit den Füßen, benagt die Haut mit den Zähnen, winſelt auch wohl, und befindet ſich in ſteter Unruhe. Sind ſehr viele Flöhe vorhanden, ſo wird die Haut dadurch roth und wund, und hat das Anſehen wie bei der Räude. Die Beſeitigung dieſes Ungeziefers iſt nicht
ſchwer, und es ſtehen ſehr viele und ſehr wirkſame Mittel in dieſer Hinſicht zu Gebote, von denen hier nur einige genannt werden ſollen. In einigen Fällen reichen häufige Waſchungen mit Seifenwaſſer, ſo wie das wiederholte Kämmen der Haare, aus; oft iſt dieſes aber auch nicht der Fall, und es ſind dann einige andre Mittel anzuwenden, z. B. vier Loth Schwefelleber werden in einem halben Quart warmen Waſſers auf— gelöſt, und hiermit die ganze Haut des Hundes be⸗ feuchtet, und zwar vier bis ſechs Tage hintereinander; oder es wird von einer Salbe aus einem halben Quent⸗ chen ſalpeterſauren Queckſilberoxyduls und vier Lothen grüner Seife täglich einmal, und vier Tage hindurch, an verſchiedenen Stellen etwas auf die Haut geſtrichen, und dieſe Salbe allemal am nächſten Tage mit war⸗ mem Waſſer und einer Bürſte wieder entfernt. Ab⸗ kochungen von Coloquinten und Tabak ſind ebenfalls ſehr wirkſam, aber nicht ohne alle Gefahr in ihren Folgen; beſſer— und auch unſe chädlich— iſtein Aufguß von Peterſilienſamen. Auch das Beſprengen der Haut mit Anisöl bringt, namentlich die Flöhe, zum Wei⸗ chen. Alle dieſe Mittel ſind jedoch nicht im Stande, die Wiederkehr von Ungeziefer zu verhindern; denn da die Hunde gewöhnlich mit anderen Hunden in Berüh⸗ rung kommen, ſo ſammeln ſie von dieſen wieder auf. Das einzige Sicherungsmittel dagegen ſoll darin be⸗ ſtehen, daß man dem Hunde eine Lagerſtätte aus Ho⸗ belſpänen von friſchem Tannenholze giebt. Dieſe Hobelſpäne müſſen ſo fein ſein, daß ſie ein weiches Lager abgeben, auch ſind ſie alle vierzehn Tage mit neuen zu wechſeln. Das wöchentlich zweimalige Be⸗ ſtreuen jedes anderen Hundelagers mit etwas gepul⸗ vertem Colophonium ſoll denſelben guten Erfolg haben.
Wagenfeld, Encyel.
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