129. Ungeziefer.
die Bruchgeſchwulſt die Haare ab, und beſtreicht dieſe mit Schmalz oder, was beſſer iſt, mit flüſſig gemach⸗ tem Talg. Sodann beſtreicht man die ganze Oberfläche des Bruchſackes, mittelſt eines Hölzchens, mit concen⸗ trirter Schwefelſäure(Vitriolöl), und zwar zweimal am erſten, und noch einmal am folgenden Tage. Durch dieſes Mittel entſteht an der Bruchſtelle eine ziemlich beträchtliche Geſchwulſt und Entzündung; die mit Vi⸗ triolöl befeuchtete Haut wird brandig, ſchwarz und trocken, und nach einiger Zeit durch Eiterung abge⸗ ſtoßen. Dieſen ganzen Vorgang überläßt man ſich ſelbſt, denn es erfolgt die Heilung und Vernarbung ohne unſer Zuthun.
Beim Nabelbruch der Lämmer kann man ſich ent⸗ weder des Abbindens oder des Aetzens mit Schwefel⸗ ſäure bedienen; das Gleiche gilt von Schweinen und Hunden. Da die Hunde jedoch gewöhnlich an den be⸗ netzten Stellen lecken, welches unter dieſen Umſtänden nachtheilig werden könnte, ſo bindet man den Bruch⸗ ſack lieber ab. Man drückt den Bruch zurück, durch⸗
ſticht den ſo weit als möglich hervorgezogenen Bruch⸗
ſack dicht an ſeiner Baſis mit einer Stecknadel, und legt unterhalb dieſer Nadel ein hinreichend ſtarkes Band an. Der Bruchſack fällt dann bald nebſt Nadel ab.
c. Leiſtenbrüche. Sie kommen nicht ſehr oft und dann noch am häufigſten beim Pferde vor; bei ihnen tritt ein Theil der Gedärme durch den Bauch⸗ oder Leiſtenring nach außen, zuweilen auch in den Hodenſack. Dieſe Art der Brüche iſt die gefährlichſte, theils wegen ihrer Lage, theils weil ſie ſehr leicht ein⸗ geklemmt werden. Um die Heilung zu bewirken, wirft man das Thier zu Boden, legt es auf den Rücken, und verſucht die vorgefallenen Theile durch paſſende Mani⸗ pulationen mit den Fingern wieder in die Bauchhöhle
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zurückzuſchieben. Gelingt dieß nicht, ſo bleibt ſelten etwas anderes übrig, als die blutige Operation; die Haut des Bruchſackes wird durch einen langen Schnitt getrennt, die Ränder des Bauchringes mit Meſſer oder Scheere wund gemacht, und hierauf die Oeffnung durch mehrere Hefte zugenäht. Iſt der Bruch ein Ho⸗ denſackbruch, ſo kaſtrirt man das Thier gleich darauf. Aderläſſe, Ruhe und wenig oder gar kein Futter ſind dem glücklichen Ausgange der Operation förderlich.
d. Eingeklemmter Bruch. Hierbei ſind die durch den Bruchring getretenen Theile von ihm derge⸗ ſtalt eingeſchnürt, daß ſie ſich nicht zurückbringen laſ⸗ ſen, weil die Oeffnung des Bruchringes zu klein iſt. Am häufigſten werden die Leiſtenbrüche eingeklemmt. Die Bruchſtelle iſt entzündet und bei der Berührung empfindlich; der Bruch fühlt ſich mehr oder weniger heiß und hart an. Dabei äußert das Thier allgemeine Krankheitszeichen, es fiebert, benimmt ſich wie bei der Kolik, und geht endlich unter den Zufällen von Darm⸗ entzündung zu Grunde. Im Allgemeinen iſt ein ein⸗ geklemmter Bruch mit großer Gefahr verbunden; tritt nicht zeitig eine angemeſſene Hülfe ein, ſo geht der Inhalt des Bruches in Entzündung und Brand über, welches dann unausbleiblich den Tod zur Folge hat. Das einzige Mittel iſt in ſolchen Fällen eine zeitig ausgeführte Operation; der Bruchſack wird aufge⸗ ſchnitten, der verengte Bruchring mit dem Meſſer er⸗ weitert, der vorgefallene Theil dann zurückgeſchoben, und die Wunde geheftet. Starke Aderläſſe, Hunger, Ruhe, öftere Klyſtire und Abführungen aus Calo— mel mit Glauberſalz ſind dann die entſprechenden Mit⸗ tel. Zur Ausführung der Operation eines einge⸗ klemmten Bruches ſind Sachkenntniß und operative Geſchicklichkeit unentbehrlich.
129. Ungeziefer.
Die Hausthiere werden öfters von verſchiedenen auf ihrer Haut befindlichen, kleinen Schmarotzerthieren geplagt, welche, wenn ſie in großer Anzahl vorhan⸗ den, mindeſtens dem guten Gedeihen des Thieres mehr oder weniger hinderlich ſind.
a. Beim Pferde. Daſſelbe leidet von allen Hausthieren am wenigſten an Ungeziefer; ſein kurzes Haar, die Gewohnheit daſſelbe zu putzen ꝛc. mögen wohl den Grund dafür abgeben. Es ereignet ſich zu⸗ weilen, daß Pferde, beſonders Füllen, von Läuſen


