3. Lungenſeuche des Rindviehes.
Wochen, bis zu mehreren, ſelbſt bis zu ſechs Monaten erſtrecken.
Die Ausgänge der Lungenſeuche ſind verſchieden. In manchen Fällen kommt dieſelbe nicht zur vollſtän⸗ digen Ausbildung, und ſie erreicht nicht die zweite Epoche. Das kranke Stück huſtet einige Zeit hindurch, ohne ſonſtige Krankheitszeichen an den Tag zu legen, und der Huſten verſchwindet früher oder ſpäter, ohne daß davon Notiz genommen worden wäre. Andere Male erkrankt das Thier ſtärker; daſſelbe huſtet häu⸗ figer, läßt etwas vom Freſſen ab, verliert etwas von der Milch, magert im geringen Grade ab, bekommt etwas ſtruppiges Haar ac. Hier wird dann freilich meiſtens wohl ein Uebelbefinden an dem Thiere be— merkt, aber daſſelbe wird gewöhnlich für zufällig und unerheblich gehalten, zumal wenn das Thier, wie das zuweilen vorkommt, von ſelbſt wieder geneſet. In den bei weitem häufigſten Fällen jedoch, zumal bei fehlender oder unpaſſender Behandlung, ſchreitet die Krankheit vor, und geht in die zweite Epoche über, wo dann der tödtliche Ausgang der gewöhnlichſte iſt. In den erſten zwei bis drei, auch wohl in den erſten vier bis fünf Tagen dieſer zweiten Periode, erfolgen noch zuweilen Geneſungen des Kranken, das heißt unter rationeller Behandlung. Ein mehr oder weniger, obgleich häufig ganz gefahrloſer Huſten bleibt dann aber in der Regel zeitlebens zurück.
Erfolgt die Heilung der Krankheit, ſo wird ein reichlicher Miſt abgeſetzt, das Haar wird wieder glatter, die Haut wird weicher, Kopf und Ohren werden höher und munterer gehalten, das Thier beleckt wieder die Naſenlöcher, daſſelbe legt ſich anhaltend nieder, der Appetit, ſpäter auch das Wiederkäuen, ſtellen ſich nach und nach wieder ein, es findet ſich mehr Milch, das Athmen wird freier und, wie der Puls, langſamer, das Maul wird feucht, der Huſten wird tönender, und nach und nach erſcheint das Thier, einen mehr oder weniger häufigen Huſten ausgenommen, wieder geſund.
Tödtlich wird die Lungenſeuche dagegen faſt jedes— mal, wenn, nach vier⸗ bis ſechstägiger Dauer der zwei⸗ ten Epoche, Fieber und Athmen noch immer ſehr heftig ſind, wenn der Puls weich und kaum fühlbar iſt, wenn die Haare ſtruppig und wie beſtäubt bleiben, und wenn die Abmagerung ſehr groß wird; wenn ferner die Augen tief in die Höhlen zurückgezogen, und im innern Winkel mit dickem Schleime erfüllt ſind; wenn aus den Naſenlöchern ein dicker, klumpiger
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Schleim fließt, welcher(dieſes Zeichen iſt ſehr wichtig) nicht mehr abgeleckt wird; wenn der Huſten ſchwach und kaum hörbar iſt, wenn das Athemholen ſtöhnend, röchelnd und laut hörbar wird, und mit offenem Maule erfolgt; wenn endlich die Gefühlloſigkeit des Kranken ſehr groß wird, wenn er ſich legt, und gar nicht oder doch kaum wieder aufſtehen kann.
Im Allgemeinen iſt die Lungenſeuche, wie ſchon am Eingange dieſer Abhandlung angedeutet wurde, eine ſehr gefährliche und mörderiſche Krankheit. Mil⸗ lionen Stücke Rindvieh ſind ſchon durch ſie hingerafft worden, und noch alljährlich fordert dieſelbe an dieſem oder jenem Orte beträchtliche Opfer, zumal deshalb, weil ſie theils in ſehr vielen Fällen erſt ſpät erkannt wird, theils weil ſie ſich gewöhnlich ſeuchenhaft unter einer Heerde verbreitet, ſo daß ſie oft nur wenige Stücke derſelben ganz verſchont. In der Regel werden Anfangs nur ein einziges, oder doch nur einige wenige Stücke von der Lungenſeuche ergriffen; ſie verbreitet ſich zögernd und nur langſam unter einer größern Heerde; ſelten erfolgen die Erkrankungsfälle kurz nach— einander, oder viele Erkrankungen gleichzeitig und auf einmal. Im Herbſte und in den Wintermonaten wird die Lungenſeuche öfterer beobachtet, als zu anderen Zeiten.
Es iſt ſchon früher angeführt worden, daß die Lungenſeuche, ſo heftig und auffallend ihre Erſchei⸗ nungen auch ſein mögen, dennoch von dem Ungeübten manchmal nicht erkannt und ſelbſt ſchon von Sachken⸗ nern nicht richtig beurtheilt wurde. Dieſes kann aber nur der Fall ſein, ſo lange das befallene Rind noch lebt. Erfolgt indeſſen ein Todesfall, ſo iſt die Er⸗ kenntniß, auch für den völlig Ununterrichteten, leicht und unfehlbar, und zwar durch die Reſultate, welche die Leichenöffnung darbietet. Die erſte Leichenöffnung macht daher für Sachkenner ſowohl, wie für Laien, jedem Zweifel ein Ende, und läßt eine poſitiv ſichere Beurtheilung darüber zu, ob die Lungenſeuche zugegen iſt, oder eine andere Krankheit. Niemals darf daher die Section des erſten, oder auch mehrerer der zuerſt krepirten Stücke verabſäumt werden. Selbſt in jenen Fällen, wo noch kein Todesfall durch die Lungenſeuche vorgekommen, und nur ein dringender Verdacht ihrer Anweſenheit in einer Heerde vorhanden iſt, iſt es zur Aufklärung der Sache paſſend, das am meiſten krank ſcheinende Stück zu ſchlachten, denn es finden ſich, wenn die Lungenſeuche vorhanden iſt, auch dann ſchon die unverkennbaren Zeichen der Seuche in dem Kadaver,
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