Teil eines Werkes 
[Hauptband] (1845)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

18 3. Lungenſeuche des Rindviehes.

wenn auch nicht in dem hohen Grade, doch auf die⸗ ſelbe Weiſe vor, als wie bei einem an der Lungenſeuche

krepirten Thiere. Dieſes Schlachten iſt mit einem um

ſo geringeren Opfer verbunden, als das Fleiſch eines ſolchen geſchlachteten Rindes ohne allen Nachtheil, und völlig unſchädlich für den Menſchen, genoſſen werden kann.

Die weſentlichſten, ja faſt ausſchließlichſten Krank⸗ heitsprodukte der Lungenſeuche finden wir bei der Section des Kadavers in der Bruſthöhle; alle andern Veränderungen ſind zufällig und unweſentlich.

Wird die Bruſthöhle eines an der Lungenſeuche krepirten Rindes geöffnet, ſo finden wir in derſelben oft eine große Menge Waſſer, welches die Lungen umgibt. Das Waſſer iſt gelblich, von nur ſchwachem Geruche, klar, oder trübe und milchig, und oft ſchwim— men in demſelben größere oder kleinere Flocken einer gelblich⸗weißen Subſtanz, von dem Anſehen wie ge⸗ kochtes Eiweiß, oder wie Käſe oder Pudding. Dieſes gelbliche Weſen iſt ſogenannter Faſerſtoff. Zuweilen iſt dieſes Waſſer in großer Menge vorhanden, und kann einen Eimer voll und mehr betragen; häufiger jedoch findet es ſich in weit geringerer Menge, z. B. nur ein oder mehrere Quart; aber es kann daſſelbe auch gänzlich fehlen. Das nächſte Krankhafte, was in die Augen fällt, iſt eine größere oder geringere Menge einer gelblichen, ziemlich lockeren, wie Pudding ausſehenden Subſtanz, welche ſich außerhalb der Lun⸗ gen und auf deren Oberfläche, auf der inneren Fläche der Rippen, oder überhaupt zwiſchen den Lungen und dem Bruſtkaſten befindet. Dieſes iſt Faſerſtoff, und iſt oft in großer Menge, bis zu mehreren Pfunden, vorhanden, und zuweilen wird ein großer Theil der Bruſthöhle durch ihn ausgefüllt; durch ihn ſind ſehr häufig eine oder beide Lungen mit dem Bruſtkaſten oder dem Zwerchfelle verwachſen, auch erfolgt dadurch zuweilen eine Verwachſung der Lungen mit dem Herz⸗ beutel, oder auch beider Lungen untereinander. Dieſer Faſerſtoff iſt gewöhnlich ohne auffallenden Geruch; er

enthält in ſeiner Maſſe größere oder kleinere Höhlen, welche Waſſer einſchließen, welches beim Drücken herausquillt. In ſeltenen Fällen werden Waſſer und Faſerſtoff in der Bruſthöhle gänzlich vermißt, und die krankhafte Veränderung beſchränkt ſich dann auf die Lungen allein.

Werden die Lungen aus der Bruſt herausgenom⸗ men, was indeß, da ſie in der Regel angewachſen ſind,

oft nur mittelſt des Meſſers geſchehen kann, ſo fällt zunächſt die außerordentliche Größe und Schwere derſelben auf. Während nämlich die geſunde Lungen⸗ hälfte in der Regel nur drei bis fünf Pfund wiegt, hat eine durch die Lungenſeuche krankhaft veränderte Lungenhälfte ein bei weitem größeres Gewicht; ich fand eine ſolche einmal ſiebenundvierzig Pfund wiegen, ja man fand ſie einmal ſogar von ſechzig Pfund Ge⸗ wicht. Auch die Größe der kranken Lunge iſt vermehrt, und beträgt nicht ſelten das Doppelte einer geſunden Lunge, und ſelbſt noch mehr. Ihre Oberfläche iſt gewöhnlich mit einer dickeren oder dünneren Lage des mehrerwähnten, gelblichen Faſerſtoffes bedeckt. (Fig. 2. a.) Wird dieſe Faſerſtofflage entfernt, ſo wird die Lungenhaut, welche die Oberfläche der Lun⸗ gen überzieht, ſichtbar; auch ſie iſt in der Regel ver⸗ dickt; ſie erſcheint von der Dicke eines Meſſerrückens, oder auch wohl noch dicker.(Fig. 2. bb.) Die kranke Lunge erſcheint ſchwer, hart und dicht; ſie ſinkt im Waſſer zu Boden, welches bei geſunden Lungen nicht der Fall iſt, denn dieſe ſchwimmen auf dem Waſſer. Die Lunge iſt, obſchon dichter und feſter als im geſun⸗ den Zuſtande, doch leichter zu zerreißen als ſonſt; ſie iſt bröcklich, und hat weniger Zähigkeit, ſo daß ſie in Stücken zerbrochen werden kann. Sie iſt nicht mehr elaſtiſch, wie ſonſt, und beim Einſchneiden mit dem Meſſer leiſtet ſie bedeutenden Widerſtand. Ihre Derb⸗ heit gleicht ſo ziemlich der der Leber. Auf der Schnitt⸗ fläche erſcheint die Lunge ganz eigenthümlich entartet, und dieſes iſt das vorzüglichſte und weſentlichſte Merk⸗ mal der dageweſenen Lungenſeuche. Die Durchſchnitts⸗ fläche zeigt nämlich eine rothe, bräunliche oder eine ähnliche gefärbte Maſſe(Fig. 2. ccc.), welche in den verſchiedenſten Richtungen durch gelblich⸗weiße, mehrere Linien breite Streifen(Fig. 2. ddd.) durchzogen wird, wodurch das Ganze ein netzartiges, marmorirtes An⸗ ſehen erhält. Dieſes marmorirte Anſehen der durch⸗ ſchnittenen Lunge iſt der Lungenſeuche ganz eigenthüm⸗ lich, und nur allein dieſer Krankheit angehörig. Das dunkelrothe ꝛc. Gewebe beſteht aus verdichteter und feſtgewordener Lungenmaſſe, und die gelblichen Adern, welche ſie durchziehen, beſtehen aus Faſerſtoff, ganz dem gleich, welcher auch die Oberfläche der Lungen bedeckt. Die entartete Lunge fällt beim Einſchneiden nicht zuſammen, wie geſunde Lungen, auch kniſttert ſie nicht beim Drücken zwiſchen den Fingern, wie dieſe. Uebrigens iſt die kranke Lunge meiſt ohne üblen