Teil eines Werkes 
[Hauptband] (1845)
Entstehung
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16 3. Lungenſeuche des Rindviehes.

geſunden Stücke zu hören iſt, wird den Unterſchied leicht bemerklich machen, und ſomit Aufſchluß darüber geben, welche Bruſtſeite und welche der beiden Lungen die leidende iſt. Sind beide Lungen faſt gleich ſtark erkrankt, ſo muß der Vergleich mit einem geſunden Stücke angeſtellt werden, im Fall nicht eine bereits erlangte Uebung dieſes überflüßig macht. Je ſchwächer der Ton bei der Perkuſſion iſt, und je größer die Stelle iſt, welche keinen wiederhallenden Ton gibt, deſto weiter iſt auch bereits die Entartung der Bruſteinge⸗ weide oder der Lungen vorgeſchritten.

Das andere, zwar etwas ſchwierigere, aber noch beſſere Mittel, den Sitz und den Grad der Lungenent⸗ artung, und ſomit die Lungenſeuche ſelbſt zu beſtim men, ſtellt die ſogenannte Auskultation(Aushorchung) dar. Legt man nämlich das Ohr an den Bruſtkaſten eines geſunden Thieres dicht auf die Haut an, ſo ver nimmt man ein eigenthümliches, ziemlich ſtarkes Geräuſch, welches vom Ein- und Austritte der Luft in die Lungenzellen herrührt. Dieſes Geräuſch iſt nicht an allen Stellen gleich ſtark zu vernehmenz am ſtärkſten dort, wo auch die Perkuſſion am deutlichſten gehört wird, und weniger dort, wo der Bruſtkaſten mit Fleiſch ꝛc. ſtark bedeckt iſt. Die Art dieſes eigen⸗ thümlichen Geräuſches iſt nicht wohl zu beſchreiben; daſſelbe klingt etwa ſo, als ob wollenes Zeug oder Papier an einander gerieben würde. Sind nun die Lungen allgemein, oder auch nur an irgend einer Stelle verhärtet und verdichtet, ſo kann natürlich auch nicht mehr, wie früher, Luft in die Luftzellen eindringen. Das erwähnte, ſogenannte Reſpirationsgeräuſch iſt mithin verſchwunden; gänzlich oder nur zum Theil, je nach dem Grade der Lungenentartung. Wollen wir nun erforſchen, ob und an welcher Stelle die Lungen verhärtet und von der Lungenſeuche ergriffen ſind, ſo legen wir das Ohr an verſchiedene Stellen des Bruſt⸗ kaſtens einige Zeit feſt an. Findet in dem Geräuſche an den gleichnamigen Stellen beider Bruſtſeiten ein Unterſchied ſtatt, oder iſt gar eine Stelle vorhanden, an der nichts gehört wird, während dieſelbe Stelle der anderen Seite das Reſpirationsgeräuſch deutlich ver⸗ nehmen läßt, ſo iſt kein Zweifel mehr vorhanden, daß an der erſteren Stelle die Lungen krank ſind. Es gehört einige Uebung an geſunden und kranken Stücken dazu, um von der Auskultation große Vortheile zu ziehen.

Iſt die Lungenſeuche in die zweite Epoche mit den früher beſchriebenen Zufällen eingetreten, ſo ſchreitet

ſie raſch vorwärts, und erreicht in kurzer Zeit, meiſt in ſechs, acht bis zehn Tagen, ihre Höhe. Das Thier magert immer mehr ab, und erſcheint, beſonders in den Dünnungen, ſehr eingefallen; das Haar iſt überaus ſtruppig und ohne den geringſten Glanz; die Haut iſt dürr, trocken, hart und an ihre Unterlage wie ange⸗ wachſen; die Gefühlloſigkeit wird immer größer; der im hohen Grade abgemagerte Kranke ſteht da, mit halbgeſchloſſenen, tief eingefallenen, von dickem, grü⸗ nem Schleime triefenden Augen, mit gerade geſtrecktem Halſe und mit nach vorn geſtreckter Naſe. Aus den Naſenlöchern fließt jetzt ein weißlicher, zäher, dicker und klumpriger Schleim, der von dem Thiere nicht mehr, wie Anfangs, abgeleckt wird. Fliegen wehrt der Kranke nicht mehr abz Schwanz und Ohren wer⸗ den nicht mehr bewegt oder geſchüttelt; das Ergreifen, wenn er im Freien ſich befindet, ſo wie das Berühren etwa vorhandener Eiterbänder ꝛc. duldet derſelbe ganz ruhig.

Der Puls iſt klein, ſehr ſchnell und kaum mehr zu fühlen; der Huſten iſt ganz verſchwunden, oder doch ungemein ſchwach, unterdrückt und kaum zu hören. Das Thier knirrſcht häufig mit den Zähnen. Das Athemholen geſchieht ſehr oft, doch nur in kurzen, kleinen Zügen, ſtöhnend, und beim Ausathmen wird der ganze Rumpf erſchüttert und mehr oder weniger hin und her bewegt. Appetit, Wiederkäuen und Milchſekretion ſind gänzlich verſchwunden; auch der frühere heftige Durſt verliert ſich; es finden ſich Poltern im Leibe, Durchfall, zuweilen auch eine trommelartige Auftreibung des Bauches ein. Das Athemholen wird nach und nach immer noch beſchwerlicher, ächzend, ſtöhnend und röchelnd, oft mit offenem Maule; der Kranke iſt äußerſt matt und erſchöpft; er liegt viel, ſtreckt dabei den Hals gerade aus, das Kinn auf den Boden ſtützend, und das Maul offen haltend; derſelbe kann nicht mehr allein aufſtehen, Athem und die Um⸗ fläche des Körpers werden kühl, und das Leben erliſcht ruhig und ohne Zuckungen, in faſt allen Fällen durch Erſtickung.

Die Dauer dieſer zweiten Epoche iſt verſchieden; ſie hält meiſtens von zehn bis zu funfzehn Tagen an; ſelten erfolgt der Tod vor dem fünften bis ſechſten, und eben ſo ſelten nach dem vierundzwanzigſten bis dreißigſten Tage. Beide Epochen der Lungenſeuche zuſammen können ſich auf die Dauer von mehreren