3. Lungenſeuche des Rindviehes. 15
das Innere des Maules erſcheint ſehr vermehrt warm und röther wie gewöhnlich.
Wichtiger und charakteriſtiſcher für die Lungen⸗ ſeuche ſind jetzt die Störungen, welche wir im Athmen wahrnehmen; daſſelbe geſchieht ſehr angeſtrengt und vermehrt. Flanken und Rippen werden ſtark bewegt; das Thier athmet wohl gegen dreißig bis vierzig Mal, und ſelbſt noch öfterer, in einer Minute; die Naſen— flügel werden dabei ſtark und ſehr auffallend bewegt, und die Naſenlöcher öffnen ſich dabei weiter als ſonſt. Die Schleimhaut der Naſenhöhlen erſcheint ſtark gerö⸗ thet, und es fließt aus ihnen tropfenweiſe ein klares Waſſer. Die ausgeathmete Luft iſt ungleich wärmer als im geſunden Zuſtande. Allemal iſt jetzt ein be— trächtliches Fieber vorhanden; wir zählen ſiebzig, achtzig, ja hundert Pulſe und mehr in der Minute; der Herz⸗ ſchlag iſt eben ſo oft, beſonders an der linken Seite der Bruſt zu fühlen; zuweilen iſt er aber auch un— fühlbar.
Der Appetit iſt gänzlich verſchwunden. Der Kranke beriecht das ihm vorgelegte Futter vielleicht, aber er läßt daſſelbe unangerührt, oder er nimmt ein Maul voll, kauet langſam und hört dann mit Freſſen auf. Das Wiederkäuen findet nicht mehr ſtatt; dagegen erſcheint aber der Durſt ſehr vermehrt. Der Kranke ſäuft, obſchon mit Haſt, mit großer Anſtrengung, in kleinen Zügen und abſatzweiſe. Auf der Weide trennt ſich das Thier von der Heerde, es bleibt hinter derſel— ben zurück, und ſucht, um ſeinen großen Durſt zu be⸗ friedigen, gewöhnlich einen Graben oder irgend einen andern Ort auf, an dem es Waſſer vermuthet. Der Miſt wird jetzt nur ſelten abgeſetzt; derſelbe iſt ſehr dunkel, tief gefurcht, hart, und, auf den Boden fallend, bildet er nicht mehr die gewöhnliche Fladenform; ſelten iſt der Miſt jetzt natürlich, und noch ſeltener ſehr dünn. Das Thier ſteht traurig und in abgeſchlagener Stellung da; ſein Gang iſt matt und ſchleppend. In einzelnen Fällen iſt auch wohl in den erſten beiden Tagen der zweiten Epoche eine gewiſſe Aufgeregtheit und ein wil⸗ des, unruhiges, mit großer Energie in den Bewegun⸗ gen verbundenes Benehmen des Kranken wahrzunehmen; dieſes macht jedoch ſehr bald einer allgemeinen Abge⸗ ſpanntheit Platz. Der Kopf wird gerade ausgeſtreckt und ziemlich erhoben gehalten; die Ellbogen ſtehen von der Bruſt entfernt, das Thier bewegt ſich nur ungern und gezwungen, und nimmt an dem, was um⸗ her vorgeht, nur geringen Antheil. Der Huſten
erfolgt jetzt ſeltener als früher; verſelbe iſt unterdrückt, matt und klanglos, feucht, dumpf und offenbar mit Schmerzen verbunden. Ein Druck auf verſchiedene Stellen des Bruſtkaſtens macht das Thier ausweichen, und das Athemholen ſtöhnend; es werden dadurch Schmerzen hervorgebracht. Die Milch verſchwindet plötzlich gänzlich, oder es wird, aber auch nur noch für die erſten Tage, blos eine ſehr geringe Portion ab⸗ geſondert. Dieſer unerwartete Milchverluſt, ſo wie das Verſagen des Futters, ſind für den Laien nicht nur die auffallendſten, ſondern auch jene Zeichen, durch deren Eintritt er manchmal zuerſt auf die Gegenwart der Lungenſeuche aufmerkſam gemacht wird. In der Regel wird jetzt erſt Hülfe geſucht, oder es wird doch mindeſtens erkannt, daß das Thier an einer bedeutenden Krankheit leiden müſſe. Tragende Kühe verwerfen jetzt oder ſpäter nicht ſelten.
Zur ſicherern Erkenntniß der Lungenſeuche ſowohl, als auch zur genaueren Beſtimmung, an welchem ſpe⸗ ciellen Orte der Bruſt die Entzündung der Bruſtorgane ihren Sitz habe, und von welcher Ausdehnung dieſelbe ſei, hat man ſich in neuerer Zeit der, aus der Men⸗ ſchenheilkunde auf die Thierheilkunde übertragenen, ſogenannten Perkuſſion und der Auskultation bedient und zwar mit großem Glücke, zumal wenn ein gewiſſer Grad von Uebung in der Applikation dieſer Erfor⸗ ſchungsmittel erlangt worden iſt.
Klopft man mit der flachen Hand, oder beſſer noch mit der geballten Fauſt, ziemlich ſtark auf den Bruſt⸗ kaſten, zumal dort, wo die Rippen am gewölbteſten erſcheinen und mit nur wenig Fleiſch, oft nur von der bloßen Haut bedeckt ſind, ſo vernimmt man bei ge⸗ ſunden Thieren einen hohlen, lauten Ton, der dem ähnlich iſt, als wenn man auf eine leere Tonne klopft. Dieſer Ton iſt auch bei geſundem Rindviehe von ver⸗ ſchiedener Stärke, je nach den Stellen, an welche an die Bruſt angeklopft wird; hinter dem Ellbogen z. B. iſt der Ton nur matt und wenig klangvoll. Bei der Lungenſeuche nun iſt allemal ein größerer oder gerin⸗ gerer Theil der Lungen vergrößert, ausgedehnt, ver⸗ härtet und mit dem Bruſtkaſten verwachſen. Klopft man von außen auf den, der Lage der kranken Lungen⸗ ſtelle entſprechenden Theil des Bruſtkaſtens, ſo iſt der Ton, der darnach entſteht, ſchwach, klanglos, ohne Sonorität und verändert. Eine Vergleichung mit dem Tone, der nach dem Anklopfen derſelben Bruſtſtellen an der andern Seite des Kranken, oder auch bei einem


