Teil eines Werkes 
[Hauptband] (1845)
Entstehung
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14 3. Lungenſeuche des Rindviehes.

auch angeſtrengt; die Naſenflügel ſind dabei in ſtär⸗ kerer Bewegung, als an geſunden Thieren. Dieſes Zeichen iſt ſehr wichtig, und fällt beſonders nach einer Bewegung des Thieres in die Augen. Auch der Puls iſt jetzt etwas vermehrt; es iſt ein geringes, ſchleichen⸗ des Fieber vorhanden, deſſen Wahrnehmung jedoch für den Laien ſehr ſchwierig ſein wird.

Im Verlaufe einer weiteren Zeit, deren Dauer aber überaus unbeſtimmt iſt, ſo daß ſie ſich von zehn bis vierzehn Tagen bis auf mehrere, ſelbſt bis auf vier bis fünf Monate erſtrecken kann, nimmt die Krank⸗ heit an Heftigkeit zu; ſie wird auffallender. Das Athemholen erſcheint dann ſehr ſichtbar vermehrt, auch angeſtrengt, welches an der Bewegung der Rippen und Flanken erkannt werden kann; auch die Naſenlöcher werden mehr erweitert als ſonſt. Auch das Fieber ſteigt in der Regel etwas, ſo daß jetzt wohl fünfund⸗ funfzig bis ſechzig Pulſe in der Minute zu zählen ſind. Der noch öfterer als früher erfolgende Huſten iſt nicht mehr ſo kräftig, und das Thier huſtet mit ſehr krum⸗ mem Rücken und mit gerade geſtrecktem Halſe. Der

Appetit wird geringer, obſchon er ſich nicht ganz ver⸗

liert; auch das Wiederkäuen erfolgt ſeltener und träge. Das Haar wird immer glanzloſer, die Haut fühlt ſich hart und trocken an; ſie iſt weniger geſchmeidig, und liegt feſter an, ſo daß ſich nicht leicht Falten in ihr bilden laſſen. Die Milch verliert ſich mehr und mehr, obſchon nicht ganz; bei einem auf dem Rücken ange⸗ brachten Druck biegt ſich der Kranke tief nieder, und ein ſtarker Druck an den Seiten der Bruſt, zumal hinter der Schulter, ſcheint Schmerzen zu erregen, denn das Thier ſtöhnt dabei, und ſucht dem Drucke auszuweichen. Der Miſt iſt ſehr dunkel, meiſt von üblem Geruche. Rindvieh, welches mit Branntweinſchlämpe gefüttert wird, geifert ſtark, und Maul und Naſe deſſelben ſind ſchmierig, und mit blaſigem Schaume bedeckt.

Alle bisher genannten Zufälle entwickeln ſich lang⸗ ſam und ſchleichend; obwohl für den Geübten ziemlich leicht erkennbar, werden ſie dennoch oft genug von dem Laien überſehen, und das Thier iſt für ihn an⸗ ſcheinend geſund, oder doch nur unerheblich krank, bis die Krankheit in die zweite Epoche eintritt, wo ſie dann, mit heftigern Zufällen verbunden, nicht länger zu verkennen iſt. Die Urſachen, welche die kürzere oder längere Dauer dieſer erſten Epoche der Lungen⸗ ſeuche, und ihren früheren oder ſpäteren Eintritt in die zweite Epoche bedingen, ſind nur ſehr unvollſtändig

bekannt. Im Allgemeinen verläuft die erſte Epoche bei Milchkühen, Kälbern, und überhaupt bei jungen, dann bei ſehr gut genährten Stücken, auch bei ſolchen, die ſtark arbeiten müſſen, die oft und anhaltendem Regen ausgeſetzt ſind, oder die gemäſtet werden, oder die früher ſchon einmal an der Lungenſeuche, oder an einer andern Lungenkrankheit gelitten haben, raſcher, als bei alten, ſehr mageren, in Ruhe und warm und trocken gehaltenen Rindern.

Zweite Epoche. Die bis dahin meiſtens nicht ſehr auffallenden Zufälle werden faſt plötzlich ſehr heftig, deshalb ſehr ſichtbar, und in vierundzwanzig bis achtundvierzig Stunden erſcheint die ganze Krank⸗ heit in hohem Grade entwickelt, und ihre Gegenwart iſt alsdann nicht mehr zu verkennen. So wenigſtens iſt es die Regel, von der freilich nicht ſelten Ausnah⸗ men vorkommen. Zuweilen nämlich nimmt, wie ſchon früher erwähnt, die Krankheit ſtufenweiſe und gleichmäßig an Heftigkeit zu, bis zu ihrer äußerſten Höhe, ohne daß ihr Verlauf durch deutliche Merkmale in zwei Zeiträume oder Epochen geſchieden wäre. Beide Epochen fließen dann unmerklich in einander über, oder beſſer geſagt, es ſind gar keine bemerkbar verſchie⸗ dene Epochen vorhanden.

Der Kranke tritt nach dem Eintritte der zweiten Epoche von der Krippe zurück, und läßt alle Zufälle einer heftigen Lungenentzündung und des damit ver⸗ bundenen Fiebers an ſich wahrnehmen. Es ſtellen ſich Froſtſchauder ein, bei denen das Thier an Hörnern, Ohren, Beinen und am Maule kalt anzufühlen iſt; dieſe Froſtſchauder wechſeln nach kurzer Zeit mit einer ſehr beträchtlichen Hitze, die an allen äußern Theilen des Körpers, auch im Maule ꝛc. wahrzunehmen iſt. Zuweilen kehren dieſe Froſtſchauder einige Male zurück, oder die Temperatur iſt ungleich vertheilt, ſo, daß z. B. das eine Horn kalt und das andere warm iſt. Manchmal werden dieſe Froſtanfälle ganz überſehen, weil ſie entweder von ſehr kurzer Dauer, oder weil ſie nur ſehr gering waren. Allemal aber ſtellt ſich bald eine dauernd vermehrte Wärme ein; Hörner, Ohren, Naſe und Maul, Beine, und die ganze Oberfläche des Körpers, fühlen ſich ſehr vermehrt warm an. Die Augen erſcheinen hervorſtehend, geröthet, glänzend, oder mit dünner Thränenfeuchtigkeit bedeckt; das Flotz⸗ maul oder der Spiegel iſt trocken, glänzend und ſehr warmz die Zunge iſt trocken oder nur wenig feucht,