3. Lungenſeuche
mehr oder weniger mörderiſch. Unter ſolchen Umſtän⸗ den ſollte man vermuthen, daß die Urſachen und die Natur dieſer Seuche bereits ſicher erforſcht, und daß ein Kurverfahren bekannt geworden wäre, durch welches die Ravagen derſelben zu verhindern, oder doch auf ein Geringes zu reduciren wären. Leider iſt dem aber nicht ſo, denn in Betreff dieſer Punkte hat die Thier⸗ heilkunde bisher nur geringe und nur zweideutige Fort⸗ ſchritte gemacht. Aus dieſem Grunde wird es denn auch um ſo wichtiger ſein, daß wenigſtens das Beſſere, welches bis jetzt über die Lungenſeuche bekannt gewor⸗ den iſt, hier mitgetheilt, und daß dieſelbe hier möglichſt genau erörtert werde.
Wie bei den meiſten Seuchen, ſo iſt es auch bei der Lungenſeuche im Allgemeinen nicht leicht, dieſelbe gleich bei dem erſten Erkrankungsfalle in einer Heerde mit Sicherheit zu erkennen. Selbſt erfahrene Thier- ärzte haben ſich hierbei nicht ſelten ſchon geirrt. Oft gehört die Beobachtung mehrerer an verſchiedenen Individuen erfolgenden Erkrankungen dazu, um dar⸗ über im Klaren zu ſein, ob man die Lungenſeuche oder eine andere, ähnliche Krankheit vor ſich habe. Tritt indeſſen ein Sterbefall ein, ſo macht, wie ſpäter gezeigt werden wird, die Section des Cadavers aller Unge⸗ wißheit ein Ende, und ſelbſt der völlig Unkundige wird alsdann im Stande ſein, zu beurtheilen, ob die Lungenſeuche vorhanden war oder nicht.
Zahlreiche eigene Beobachtungen und Erfahrungen über die Lungenſeuche ſetzen mich in den Stand, eine naturgetreue Beſchreibung derſelben zu geben. Zunächſt wollen wir hier die Kennzeichen derſelben ſo ſchildern, wie ſie bei dem einzelnen erkrankten Stücke ſich dar⸗ ſtellen, ohne Rückſicht auf den Gang, den ſie als Seuche in einer Heerde macht, wovon ſpäter die Rede ſein wird.
Eine genaue Beobachtung des Krankheitsverlaufes, läßt zwei beſondere Epochen oder Abſchnitte deſſelben wahrnehmen, welche, wenn auch zuweilen nur wenig ſcharf, oder in einzelnen Fällen kaum wahrnehmbar von einander geſchieden, ſo doch wenigſtens in der Mehrzahl der Fälle markirt genug ſind, um ſie erkennen zu können. Die erſtere dieſer Epochen iſt gewöhnlich von nur geringen Krankheitszeichen begleitet, und von langwierigem, ſchleichendem Verlaufe, ſo daß der Un⸗ unterrichtete gewöhnlich nicht weiß, und ſelbſt nicht einmal ahnet, daß das Thier bereits mit einer, nur zu leicht tödtlich werdenden Krankheit behaftet iſt. Die
des Rindviehes. 13
zweite Epoche dagegen iſt meiſt ſehr ſchnell in ihrem Gange, und von ſo ſchweren Zufällen begleitet, daß ſelbſt der Laie mindeſtens die Gegenwart einer ſehr heftigen Krankheit nicht verkennen kann.
Erſte Epoche. Ein dann und wann hörbarer Huſten iſt das erſte bemerkbare Zeichen der beginnenden Lungenſeuche. Der Klang dieſes Huſtens iſt rauh, trocken, lauttönend, auch wohl hohl und dumpf. Obgleich derſelbe etwas, nicht gut zu beſchreibendes, Eigenthümliches hat, ſo würde es dennoch, und ſelbſt für den Geübten, ſehr ſchwer ſein, blos aus dem Klange des Huſtens ſchon jetzt die beginnende Lungen⸗ ſeuche mit Sicherheit zu beſtimmen, und dieſes um ſo weniger, als ein Huſten, z. B. beim Genuſſe von Rauchfutter ꝛc., eine nicht ungewöhnliche, obgleich häufig eine ſehr unbedeutende und zufällige Erſcheinung beim Rindviehe iſt. Der die Lungenſeuche begleitende Huſten wird vornehmlich des Morgens, bei dem Aus⸗ treiben aus dem Stalle, bei und nach der Bewegung des Thieres, und beſonders häufig beim Saufen beob⸗ achtet. Während der übrigen Zeit erfolgt der Huſten ſelten oder gar nicht. Außerdem iſt in dem erſten, oft auf mehrere Tage und ſelbſt auf einige Wochen ſich ausdehnenden Zeitraume nichts Krankhaftes zu bemer⸗ ken. Das Thier iſt munter, bei gutem Appetit, es wiederkäuet, gibt die gewöhnliche Milchportion ꝛc.
Früher oder ſpäter, je nach der Beſchaffenheit des Kranken und zahlreicher bekannten oder unbekannten Umſtände, treten einige neue Symptome hinzu. Das Thier iſt weniger munter und kräftig als früher, daſſelbe bleibt auf der Weide etwas hinter der Heerde zurück, und läßt ſich bei der Arbeit mehr antreiben als früher. Das Haar verliert nach und nach ſeinen Glanz; es ſteht daſſelbe geſträubt, beſonders längs dem Rücken. Kühe verlieren etwas von ihrer Milch, auch iſt dieſelbe weniger fett als früher. Der Appetit iſt etwas gerin⸗ ger, doch findet das Wiederkäuen noch wie in geſunden Tagen ſtatt. Zuweilen erſcheint jetzt der Miſt von üblem, fauligem Geruche, von ſehr dunkler Farbe, auch findet ſich wohl hin und wieder ein Durchfall ein, welcher jedoch nicht anhaltend iſt. Der Huſten erfolgt öfterer; derſelbe iſt dröhnend, rauh und etwas heiſer, erſchütternd, weniger tönend als Anfangs, anſcheinend ſchmerzhaft, und das Thier huſtet mit ſehr gekrümmtem Rücken. Ein Druck auf letzteren macht ihn tief ein⸗ biegen. Bei ganz genauer Unterſuchung des Kranken finden wir jetzt das Athemholen etwas vermehrt und


