Teil eines Werkes 
[Hauptband] (1845)
Entstehung
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12 3. Lungenſeuche

zerrührt. Beſſer noch als Lehm, obgleich ein ſehr ähnliches Mittel, iſt der rothe Bolus, von welchem ſechs bis acht Loth für den Eimer voll Geſöff gegeben werden. Ein Mittel, durch welches es mir faſt jedesmal gelang, die Harnruhr in kurzer Zeit zu heilen, iſt der Eiſenvitriol oder auch der Alaun; von dem Vitriol oder dem Alaun gab ich ein bis zwei Loth auf den Eimer voll Saufwaſſer. Andere hierher gehörige Mittel ſind z. B. folgende. Es werden ein Loth Kampher, zwei Loth Schwefeleiſen, ſechs Loth Kal⸗ muswurzel und eben ſo viel Wachholderbeeren mit einigen Händen voll Mehl und der nöthigen Menge Waſſer zur Latwerge gemacht, von welcher dem Pferde täglich viermal, jedesmal wie ein Hühnerei groß gege⸗ ben wird. Oder man nimmt ein Loth Terpentinöl, Wachholderbeeren, Enzianwurzel und Wermuthkraut, von jedem vier Loth, macht dieſes mit Mehl und Waſſer zur Latwerge, und gibt davon wie oben ein. Kalte Umſchläge auf die Nierengegend, reizende Ein⸗ reibungen oder Eiterbänder daſelbſt, ein Fontanell unter dem Bauche ꝛc., welche wohl hier und da em⸗ pfohlen ſind, ſcheinen durchaus ohne Erfolg zu ſein. Sie ſind unbequem in der Anwendung, und ſchwächen den Kranken mehr oder weniger, und ohne Nutzen zu bringen.

Während der Kur muß der Kranke mit einer Decke belegt, recht warm gehalten und, da ſeine Kräfte durch die Krankheit mehr oder minder erſchöpft werden, ſo viel es ſich thun läßt, geſchont werden. Der Kranke erhält, wie ſchon früher bemerkt, anderes, und zwar das vorzüglichſte Futter, und dieſes, um die geſunkenen Kräfte zu heben, in reichlicher Menge. Der Durſt darf nicht bis zur völligen Sättigung befriediget wer⸗

des Rindviehes.

den, weil dadurch der übermäßigen Urinabſonderung Vorſchub geleiſtet werden würde; mehr als drei Eimer voll Waſſer, von nicht allzukalter Temperatur, und etwa mit Alaun oder Eiſenvitriol verſetzt, ſind für vierundzwanzig Stunden hinreichend; Flußwaſſer ver⸗ dient den Vorzug. Um den Kranken beſſer zu nähren, und um zugleich die in das Waſſer etwa geſchütteten Mittel für den Geſchmack etwas zu maskiren, wird mit Nutzen etwas Mehl, Schrot oder Kleie in das Saufwaſſer gerührt. Zu mäßiger Arbeit kann das Pferd gebraucht werden, vorausgeſetzt, daß das Thier nicht etwa durch eine ſehr lange Dauer der Krankheit bereits matt und ſehr mager geworden iſt. In letz⸗ terem Falle iſt eine gänzliche Diſpenſation von aller Arbeit nöthig.

Bei eintretender Heilung kehrt der etwa bisher unvollſtändige Appetit in ſeiner vollen Stärke zurück, der übermäßige Durſt legt ſich mehr und mehr, auch der Urin erfolgt ſeltener; er wird dicker, zuweilen auch trübe; das Haar legt ſich wieder glatt an, und in kurzer Zeit ſind alle Zeichen der dageweſenen Krankheit wieder verſchwunden. Pferde, die ſchon früher an Harnruhr gelitten haben, werden leicht aufs Neue befallen, und leichter als andere, bei denen die Krank⸗ heit zum erſten Male erſcheint.

Außer bei dem Pferde, kommt die Harnruhr auch bei anderen Hausthieren, namentlich bei Schafen vor. Da dergleichen Fälle indeſſen ſelten ſind, und da bei derartigen Vorkommenheiten die Zufälle und Kur we⸗ ſentlich wie bei dem Pferde ſich verhalten, ſo kann das Specielle darüber hier füglich mit Stillſchweigen übergangen werden.

3. Lungenſeuche des

Unter allen Krankheiten, von denen das Rind be⸗ fallen werden kann, iſt, mit alleiniger Ausnahme der ſehr ſelten und faſt ausſchließlich nur zu Kriegszeiten erſcheinenden Rinderpeſt, die Lungenſeuche ohne Wider⸗ rede die verderblichſte, und dieſes um ſo mehr, als ſie meiſtens ſeuchenhaft erſcheint, und dann oft einen großen Theil, zuweilen ſogar faſt den ganzen Beſtand

Rindviehes.(Tab. I.)

einer Rinderheerde hinwegrafft. Es gibt daher auch wohl nur wenige Landwirthe, denen dieſe gefährliche Krankheit nicht mehr oder weniger, oder doch mindeſtens dem Namen nach, bekannt ſein wird. Die Lungen⸗ ſeuche kommt ſeit langen Zeiten, nicht nur in ganz Deutſchland, ſondern auch in faſt allen andern Ländern Europa's mehr oder weniger oft vor; überall iſt ſie