1. Entzuͤndung im Allgemeinen. 5
z. B. eitern faſt nie, wogegen die äußere Haut, das Zellgewebe ꝛc. ſehr leicht in Eiterung übergehen. Der Eiter wird entweder durch Umwandlung der in den entzündeten Theil ergoſſenen Säfte, als Blut, Faſer⸗ ſtoff ꝛc. gebildet, oder er wird von den ſogenannten Fleiſchwärzchen abgeſondert.
c) Verſchwärung. Sie ſtellt ebenfalls eine Giterung dar, welche jedoch nicht, wie die vorige, gutartig, ſondern von übler Beſchaffenheit iſt. Man nennt die Verſchwärung daher auch eine bösartige Eiterung. Auch ſie iſt allemal Folge einer Entzündung. Es iſt ein Geſchwür zugegen, welches, ſtatt geſunden Eiters, eine dünne, jauchige, mißfarbige, ſcharfe und meiſt übelriechende Flüſſigkeit abſondert. Statt Heilung und Vernarbung herbeizuführen, frißt das Geſchwür immer mehr um ſich, es wird größer, und zerſtört die von ihm ergriffenen Theile; es bildet ſich im Grunde und an den Rändern deſſelben ein mißfarbiges, hoch⸗ rothes oder bläuliches, ſchwammiges Gewebe, ſoge⸗ nanntes wildes Fleiſch, welches aus der Ge⸗ ſchwürsöffnung hervorragt, und über dieſelbe hinaus⸗ wächſt; durch Zerfreſſung kleiner Blutgefäße entſtehen leicht Blutungen, z. B. bei rotzigen Pferden. Beiſpiele wahrer Verſchwärung liefenn die Geſchwüre in der Naſe beim Rotze der Pferde, und die aufgebrochenen, eiternden Wurmbeulen
d) Ausſchwitzung. Eigentlich findet bei jeder Entzündung eine Ausſchwitzung ſtatt, denn durch ſie wird vorzüglich die Geſchwulſt mit hervorgebracht. Hier kann jedoch nur von jenen Ausſchwitzungen die Rede ſein, welche, ſelbſt nach gehobener Entzündung, noch vorhanden ſind.
Die Ausſchwitzung beſteht in Blut, Waſſer oder Faſerſtoff. Blutige Ausſchwitzungen kommen nur ſelten vor; meiſtens entſtehen ſie nicht ſowohl durch wahre Abſonderungen, als vielmehr durch eine Zer⸗ reißung der Gefäße, die durch äußere Gewalt, oder durch ſtrotzende, übermäßige Anfüllung der Blutge⸗ fäße ꝛc. hervorgebracht wird.
Häufig dagegen erfolgen Ausſchwitzungen und Ergüſſe von Waſſer, oder einer dem Blutwaſſer faſt gleichen Flüſſigkeit; entweder im Innern des entzün⸗ deten Theiles, oder auf ſeiner Oberfläche, z. B. auf der Oberfläche der Häute, welche die Eingeweidehöhlen des Körpers auskleiden, dann auch im Zellgewebe. Bei vielen Bruſtentzündungen z. B. wird eine, oft mehrere Eimer voll betragende Menge von Waſſer
abgeſondert, und zwar durch das entzündete Bruſtfell; bei Anſchwellungen des Schlauches, durch eine Ver⸗ ſetzung der Druſe, oder durch die Caſtration, findet eine Ausſchwitzung von Waſſer durch das entzündete Zellgewebe unter der Haut ſtatt ꝛc.
Bei vielen Entzündungen, und zwar faſt allein bei den heftigen, wird Faſerſtoff abgeſondert und ausgeſchwitzt, oft in ſehr großer Menge. Der Faſerſtoff ſtellt eine gelblich⸗weiße, geruchloſe Maſſe dar, welche das Anſehen des gekochten Eiweißes oder des Puddings hat. Bei der Lungenſeuche des Rindviehes z. B. erfolgt allemal eine ſolche Ausſchwitzung von Faſerſtoff in großer Menge. Durch denſelben werden oft be⸗ nachbarte Theile mit einander verklebt; ſo wachſen die Lungen z. B. an den Bruſtkaſten an. Meiſtens finden ſich die Ausſchwitzungen von Waſſer- und Faſerſtoff gleichzeitig vor.
e) Verhärtung. Bleibt ein Theil, auch nach gehobener Entzündung, hart, vergrößert und ſchwer, ſo ſagt man, daß die Entzündung in Verhärtung übergegangen iſt. Faſt allemal wird die Verhärtung durch die Ausſchwitzung von Faſerſtoff hervorgebracht, welcher ſich in der Subſtanz des entzündet geweſenen Theiles abgelagert hat. Oft iſt die Verhärtung mit Gefahr verbunden, häufig jedoch bringt ſie nur geringe oder auch wohl gar keine ſichtbaren Nachtheile. Der Stallſchwamm kann hier als Beiſpiel gelten.
f) Brand. Dieſer iſt der ſchlimmſte aller Aus⸗ gänge, welche eine Entzündung nur immer machen kann, denn es erfolgt bei ihm das Abſterben oder der Tod des entzündeten Theiles, welches, wenn der bran⸗ dige Theil ein wichtiger iſt, oft den Tod des Thieres ſelbſt nach ſich zieht. Der Brand äußerer, minder wich⸗ tiger Theile, ſelbſt großer Stücke der Haut ꝛc., iſt meiſtens ohne Gefahr; dagegen iſt z. B. Brand der Gedärme allemal tödtlich. Die Gefahr beim Brande wird daher vorzugsweiſe durch die Wichtigkeit des be⸗ fallenen Theiles bedingt. In der Regel entſteht der Brand nur bei überaus heftigen Entzündungen, welche längere Zeit anhalten, außerdem aber auch durch mechaniſche Urſachen, z. B. durch anhaltenden Druck, durch ſtarke Quetſchungen, durch Erfrierungen und Verbrennungen, durch mancherlei Gifte aus allen drei Reichen der Natur, auch dort, wo der Blutzufluß gänzlich gehemmt iſt, gleichviel ob abſichtlich oder zufäͤl⸗ lig. So wird z. B. eine abgebundene Warze, oder ein abgebundener Hodenſack allemal brandig.


