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1. Entzuͤndung
Umfange, wenig ſchmerzhaft, oder wenn die Entzün⸗ dung ſelbſt nicht ſehr heftig iſt. Iſt die Entzündung dagegen heftig, ſehr ausgedehnt und ſchmerzhaft, in einem edlen, wichtigen Theile ꝛc., ſo findet gewöhnlich zugleich ein Fieber, d. h. eine Vermehrung des Pulſes, nebſt anderen Zufällen ſtatt. So iſt z. B. die nach kleineren, äußeren Verletzungen der Haut entſtehende Entzündung fieberlos, während dagegen die Entzündung der Lungen oder der Gedärme ſtets ein Fieber nach
ſich zieht.
Die Dauer der Entzündung iſt in den verſchiedenen Fällen verſchieden, und richtet ſich nach dem Sitze, dem Umfange und der Heftigkeit derſelben; nach der Beſchaffenheit des befallenen Thieres, nach der Art der Urſachen, und nach zahlreichen anderen, bekannten oder unbekannten Umſtänden. Im Allgemeinen iſt die Entzündung von ſchnellem Verlaufe; ſie kann von wenigen Tagen, bis zu zwei oder drei Wochen anhalten. Dauert ſie beträchtlich länger, ſo wird ſie eine ſchlei⸗ chende oder langwierige genannt; ſie verliert dann manche der Entzündungszeichen, ſo daß ſie dann eigentlich keine wahre Entzündung, ſondern mehr einen Ausgang derſelben, und deshalb einen andern Zuſtand darſtellt.
Jede Entzündung ſteigt ſchneller oder langſamer zu einer gewiſſen Höhe, und macht dann irgend einen Ausgang. Die vorzüglichſten Ausgänge ſind die in Zertheilung, Eiterung, Verſchwärung, Ausſchwitzung, Verhärtung und Brand.
a) Zertheilung. Dieſer Ausgang der Ent⸗ zündung iſt von allen der wünſchenswertheſte und beſte, und er erfolgt auch in den meiſten Fällen, beſonders bei einer zeitigen und paſſenden Kur. Alle Zeichen der Entzündung nehmen nach und nach an Heftigkeit ab; Röthe, Geſchwulſt, Hitze und Schmerz verlieren ſich mehr und mehr; die natürliche Verrichtung des Theiles ſtellt ſich wieder ein, und endlich, nach kürzerer oder längerer Zeit, erſcheint der befallen geweſene Theil wieder wie im geſunden Zuſtande, meiſtens ohne eine Spur der früher dageweſenen Entzündung zu hinterlaſſen. Die Zertheilung folgt vornehmlich in den Fällen, wo die Entzündung eine nicht zu bedeu⸗ tende Höhe erreicht, und wo die Urſache derſelben nicht etwa den kranken Theil ſehr verändert hat, wie z. B. durch ſtarke Quetſchung, durch manche Aetzmittel ꝛc. War ein Fieber mit der Entzündung verbunden, ſo
im Allgemeinen.
verliert ſich dieſes in der Regel weit früher, als die Entzündung ſelbſt.
In ſeltenen Fällen verſchwindet die Entzündung beinahe plötzlich; man nennt dieſes ein Zurücktreten derſelben. Obſchon dieſe Ausgangsweiſe ſcheinbar die allerbeſte iſt, ſo iſt ſie doch manchmal mit Gefahr verbunden, indem die alſo verſchwundene Entzündung leicht an einem anderen Theile wieder zum Vorſchein kommt, und ſich auf einen wichtigeren Theil wirft, als jener war, welchen ſie Anfangs befallen hatte.
b) Eiterung. Zertheilt ſich die Entzündung nicht, und hält ſie mit beträchtlicher Heftigkeit längere Zeit an, ſo iſt ihr Ausgang in Eiterung wahrſcheinlich, und auch gewöhnlich.— Unter Eiter verſteht man eine Anfangs dünne und wäſſerige, ſpäter dicker werdende Flüſſigkeit, ohne auffallenden Geruch, von gelblich⸗ weißer, oder von einer ähnlichen Farbe, und ungefähr von der Conſiſtenz und dem Anſehen des Milchrahmes. Der Eiter wird entweder auf der Oberfläche des ent⸗ zündeten Theiles, oder in deſſen Tiefe abgeſondert, und bildet, wenn er ſich zu einer größeren Maſſe vereinigt, die ſogenannte Eitergeſchwulſt, oder einen Abſceß. Iſt letzterer an äußeren Theilen des Körpers, dicht unter der Haut, oder doch nicht ſehr tief unter derſelben, gelegen, ſo iſt der Eiter durch das Gefühl zu entdecken, und zwar an einer gewiſſen Weichheit, und an einem Schwappen der Geſchwulſt. Eiterungen von Eingeweiden, in den Höhlen des Körpers und wenn ſie ſehr tief liegen, ſind oft nur ſehr ſchwer, oder auch wohl gar nicht mit Sicherheit zu erkennen. Wir müſſen uns dann meiſtens an manche Nebener⸗ ſcheinungen halten, welche in den ſpeciellen Fällen genauer angegeben werden ſollen.
Wenn ein entzündeter Theil ſich zur Eiterung an⸗ ſchickt, ſo nimmt die Heftigkeit der Entzündung be⸗ trächtlich ab; beſonders gilt dieſes in Betreff der Schmerzen und der Hitze, und iſt die Eiterung voll⸗ endet, ſo verſchwinden die Entzündungszeichen zum Theil oder vollkommen. Mit der Eiterung erreicht daher die Entzündung meiſtens mehr oder weniger ihr Ende. Ein Beiſpiel dafür gibt z. B. die in Eiterung übergegangene Entzündung der Ganaſchendrüſen bei der Druſe der Pferde.
Nicht alle Theile des Körpers ſind gleich ſtark zur Eiterung geneigt, obſchon es kaum einen Theil gibt, der nicht unter gewiſſen Umſtänden in Eiterung über⸗ gehen könnte. Die Leber, die Milz und die Muskeln


