Teil eines Werkes 
[Hauptband] (1845)
Entstehung
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1. Entzuͤndung

Knochen und Knorpel, der Hüfe ꝛc. als Beiſpiele dienen.

In vielen Fällen bleibt das Schmerzgefühl der Thiere für uns dunkel, oder ſelbſt unerkennbar; in den meiſten Fällen ſchließen wir die vermehrte Schmerz⸗ haftigkeit aus dem Benehmen und der Gebehrdung des Kranken. Kann das Thier uns zwar auch von ſeinem Schmerze, als eines ſubjektiven, nur von ihm allein empfundenen Gefühles, keine beſtimmte Mittheilung machen, ſo ſind wir dennoch berechtigt, anzunehmen, daß derſelbe überhaupt vorhanden iſt, obwohl wir frei⸗ lich darauf verzichten müſſen, die Qualität deſſelben zu beſtimmen. Ob der Schmerz ſtechend, brennend, ziehend ꝛc. iſt, wiſſen wir nicht.

Oft wird der Schmerz erſt nach einem, auf den entzündeten Theil angebrachten Druck für uns erſicht⸗ lich; z. B. bei den entzündeten Ganaſchendrüſen. Bei den meiſten entzündeten Theilen iſt die Reizbarkeit, nicht nur gegen ungewöhnliche, ſondern ſelbſt gegen naturgemäße Reize empfindlicher als ſonſt. Das Auge z. B., deſſen natürliches Element das Licht iſt, erträgt, wenn es entzündet iſt, ſelbſt die gewöhnliche Tageshelle nicht ohne Schmerzenz das Thier ſchließt deshalb das Auge mehr oder weniger. Die Lungen, deren Element die Luft iſt, werden, wenn ſie von einer Entzündung befallen ſind, durch etwas kalte Luft leicht zum Huſten gereizt, welches im geſunden Zuſtande nicht erfolgt ſein würde. Die Lungen ſind daher jetzt reizbarer und ſchmerzempfänglicher als ſonſt.

e) Störung in der Verrichtung. Bei jedem entzündeten Theile iſt ſeine natürliche Verrichtung mehr oder weniger verändert, gehemmt oder auch wohl ganz aufgehoben. Dieſe Wahrheit iſt für die Erkennung vieler, zumal innerer Entzündungen von der höchſten Wichtigkeit, denn oft bildet die geſtörte Funktion das vorzüglichſte, ja faſt alleinige Zeichen, woraus die Gegenwart einer Entzündung zu entdecken iſt. Ohne ſie würde manche Entzündung, wenigſtens ſo lange das Thier lebt, dunkel oder wohl ganz unerkannt blei⸗ ben. An den entzündeten Lungen z. B. können wir, da ſie dem Auge nicht zugänglich ſind, die Hauptzeichen der Entzündung, als Röthe, Geſchwulſt ꝛc. nicht ent⸗ decken. Dagegen aber bemerken wir angeſtrengtes, vermehrtes, kurzes Athemholen, häufigen und ſchmerz⸗ haften Huſten, heißen Athem ꝛc., alſo auffallende Ab⸗ weichungen und Störungen in der gewöhnlichen Ver⸗ richtung der Lungen, welche hier das weſentlichſte

im Allgemeinen. 3

Erkennungszeichen für die Gegenwart ihrer Entzündung abgeben. Die gedachten Störungen für ſich allein wür⸗ den indeſſen noch nicht ausreichen, um darauf die Behauptung gründen zu können, daß die Lungen von einer Entzündung befallen wären, es könnte die Rich⸗ tigkeit der Behauptung in Zweifel gezogen werden, da die meiſten der Entzündungszeichen, als Röthe, Ge⸗ ſchwulſt ꝛc. nicht nachgewieſen wurden. Dieſe Zweifel werden jedoch durch die bisher gemachten Erfahrungen gänzlich beſeitigt. Finden ſich nämlich bei der CEröff⸗ nung eines Cadavers die Zeichen einer vorhanden geweſenen Lungenentzündung, ſo werden die genannten Störungen in der Verrichtung der Lungen während des Lebens des Thieres ſtets vorhanden geweſen ſein. Findet man daher die genannten Athmungsbeſchwerden, nebſt noch einigen anderen Erſcheinungen bei einem Thiere, ſo darf man daraus dreiſt den Schluß ziehen, daß die vorhandene Krankheit eine Lungenentzündung ſei.

Nicht blos bei innern, ſondern auch bei äußern, und überhaupt bei allen entzündeten Theilen, iſt die Verrichtung regelwidrig. Das entzündete Auge ſieht weniger, oder gar nicht; der entzündete Huf wird nur unter Schmerzen auf die Erde geſetzt, ſo daß ein hin⸗ kender und deshalb geſtörter Gang des Pferdes entſteht.

Bei manchen entzündeten Theilen iſt die Störung ihrer naturgemäßen Verrichtung mehr in die Augen fallend, als bei anderen, welches von dem Sitze, von dem Umfange und von dem Grade der Entzündung, ſo wie auch von der Art und der Wichtigkeit der natürlichen Verrichtung des befallenen Theiles abhän⸗ gig iſt. Eine Entzündung des Gehirns z. B. iſt mit den heftigſten Zufällen verbunden, weil das Gehirn der edelſte Theil iſt, welcher einer ſehr wichtigen Ver⸗ richtung vorſteht; eine Entzündung der Lungen iſt ebenfalls mit großer Störung verbunden. Sind da⸗ gegen z. B. die Milz, verſchiedene Drüſen ꝛc., äußere, kleine Theile ꝛc. entzündet, ſo ſind die Zufälle nur gering.

Eine ſehr häufige Folge und Begleiterin der Ent⸗ zündung iſt ein mehr oder weniger heftiges Fieber, welches in dieſem FalleEntzündungsfieber genannt wird; jedoch iſt nicht jede Entzündung mit einem Fieber verbunden, ſo daß alſo das Fieber nicht zu den weſentlichen oder nothwendigen Zeichen der Entzündung gerechnet werden kann. Viele äußerliche und manche innere Entzündungen ſind ohne Fieber, beſonders wenn der entzündete Theil dun nür geringem