Teil eines Werkes 
[Hauptband] (1845)
Entstehung
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2 1.

Gleiche gilt in der Regel von den Eingeweiden und von allen anderen, tiefer unter der Haut gelegenen Theilen. Demungeachtet iſt die vermehrte Röthe bei jeder wahren Entzündung zugegen; wir erſehen dieſes bei der gelegentlichen Eröffnung der Cadaver, bei zu⸗ fälliger oder abſichtlicher Entblößung von entzündeten inneren Theilen. Die Röthe der entzündeten Gebär⸗ mutter oder der Gedärme z. B. iſt wegen ihrer Lage in der Regel nicht wahrzunehmen; dieſes iſt aber ſehr wohl alsdann der Fall, wenn bei Verletzungen des Bauches, oder bei ſchweren Geburten die Gedärme oder die Gebärmutter nach außen treten und ſich entzünden, oder wenn ſie ſchon im Leibe entzündet waren. An manchen entzündeten Theilen iſt indeſſen die Röthe allemal und ohne Schwierigkeit zu ſehen, z. B. an der Schleimhaut der Naſe und der Scheide; an der Bindehaut der Augen aller Hausthiere; am Euter der Kühe und Schafe; an weißen Füßen der Pferde; auf der ganzen Haut der Iſabellen und mancher Schim⸗ mel; an den weißen Hautſtellen der Kühe; an der ganzen Hautoberfläche nicht ſchwarzer Schafe, der weißen Schweine ꝛc. Die Druſe, die Mauke bei Pfer⸗ den mit weißen Feſſeln, die Pocken bei Kühen und Schafen, der Rothlauf bei Schweinen, können hierfür als Beiſpiele gelten.

b) Vermehrte Wärme. Ein entzündeter Theil zeigt eine größere Wärme als im geſunden Zuſtande. Legen wir z. B. die Hand an einen entzündeten Huf, ſo wird die Wärme deſſelben unfehlbar beträchtlicher ſein, als bei dem andern, geſunden Hufe; der Ver⸗ gleich der Wärme beider Hüfe läßt darüber keinen Zweifel. Faſt an allen äußerlichen, oder von außen mit der Hand zugänglichen Entzündungen, iſt dieſe vermehrte Wärme leicht zu entdecken. Bei den meiſten innerlichen Entzündungen dagegen iſt dieſes entweder gar nicht, oder doch nur auf eine unvollſtändige Weiſe möglich. Hier müſſen wir uns dann an bekannte, allgemeine und eigenthümliche Erſcheinungen halten, z. B. an die vermehrte Temperatur der Haut, der Hör⸗ ner, der Naſe, der Maulhöhle, des Athems ꝛc.

Die Urſache der vermehrten Wärme bei entzündeten Theilen liegt in dem vermehrten Andrange und Um⸗ triebe des Blutes, und in einer geſteigerten Lebensthä⸗ tigkeit des ergriffenen Theiles.

c) Geſchwulſt. Der entzündete Theil erſcheint in faſt allen Fällen mehr oder weniger vergrößert oder angeſchwollen; er iſt dabei zugleich geſpannt und, je

Entzuͤndung im Allgemeinen.

nach der Beſchaffenheit des entzündeten Theiles, mehr oder minder hart. Ihren Grund hat die Geſchwulſt in dem vermehrten Blutandrange, in dem Erguſſe von Blut, Blutwaſſer oder Faſerſtoff, und in der durch die vermehrte Wärme bewirkten größeren Ausdehnung der Gewebe.

Der Grad der Geſchwulſt iſt überaus verſchieden, je nach der Heftigkeit der Entzündung, nach der Lage und der Struktur des befallenen Theiles ꝛc. Im All⸗ gemeinen bemerken wir, daß die Geſchwulſt um ſo größer iſt, je ſchlaffer, ausdehnungsfähiger und blut⸗ reicher das entzündete Gebilde iſt, und je weniger Hin⸗ derniſſe ſich der Ausbildung der Geſchwulſt entgegen⸗ ſtellen. Der Schlauch, die äußere Haut, die Lippen, die Angenlider ꝛc., ſchwellen bei Entzündungen daher meiſtens ſehr beträchtlich an, während der Huf, das Gehirn, ihres Blutreichthums ungeachtet, wenig oder gar nicht anſchwellen, weil ihre Umgebung wenig oder gar nicht nachgiebig iſt, und ſomit die Anſchwellung auf mechaniſche Weiſe verhindert. Lockere, ſchwam⸗ mige Theile ſchwellen leichter und ſtärker an, als feſte und harte Organe. So zeigen z. B. die entzündeten Knorpel und Knochen nur ſehr geringe Anſchwellung.

d) Schmerzhaftigkeit. Jeder entzündete Theil zeigt eine größere Reizbarkeit und Empfindlichkeit als im geſunden Zuſtande, obgleich nicht in gleich hohem Grade. Die Heftigkeit der Entzündung, ihre Dauer, die Lage und Beſchaffenheit des entzündeten Theiles, und beſonders der Umſtand, ob ſich viele oder nur wenige Nerven in demſelben befinden, machen hierbei einen ſehr großen Unterſchied. Außerdem kommt es noch darauf an, ob der kranke Theil auch im geſunden Zuſtande ſehr oder nur wenig reizbar und empfindlich iſt. So iſt z. B. die Entzündung des Auges in der Regel ſehr ſchmerzhaft, weil dieſes Organ auch zu geſunden Zeiten höchſt zart und emfindlich iſt. Die Entzündung des Magens iſt überaus ſchmerzhaft, denn der Magen enthält zahlreiche und ſehr große Nerven; dagegen ſind Entzündungen der Lungen und des Her⸗ zens mit weit geringeren Schmerzen verbunden, weil beide Theile ſehr arm an Nerven ſind. Die Entzün⸗ dung lockerer, ſchwammiger Theile, welche ſich leicht ausdehnen können, iſt meiſtens weniger ſchmerzhaft, als die in feſten oder ſolchen Theilen, deren Ausdehnung beſchränkt oder verhindert iſt. Für erſteren Fall können die Entzündung der Schleimhäute, des Schlauches, des Euters ꝛc., für letzteren Fall die Entzündung der