Teil eines Werkes 
[Hauptband] (1845)
Entstehung
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1. Entzündung im Allgemeinen.

Die ohne Vergleich größeſte Zahl der bei den Hausthieren vorkommenden Krankheiten, beſteht in einer Entzündung irgend eines Körpertheiles, ſei dieſes nun ein innerer oder ein aͤußerer Theil. Die Entzündung bildet die Grundlage der meiſten Krank⸗ heiten; oft macht ſie die ganze Krankheit allein aus, andere Male bildet ſie den Anfang, oder auch wohl nur das Ende anderer Krankheiten; die Zahl jener Krankheiten, in deren Verlaufe ſich nicht die Zeichen eines mehr oder weniger entzündlichen Zuſtandes irgend eines Theiles bemerken laſſen, iſt nicht ſehr beträchtlich. Ihres häufigen Vorkommens wegen, und weil ſie in zahlreichen Fällen gefährlich iſt, und den Tod des be⸗ fallenen Thieres zur Folge haben kann, iſt eine mög⸗ lichſt genaue Kenntniß der wichtigſten Zufälle, durch welche ſich die Entzündung zu erkennen giebt, höchſt nothwendig, und aus dieſem Grunde ſoll daher auch hier von derſelben ausführlich gehandelt werden.

Findet ſich irgendwo am oder im Körper ein Theil, an welchem vermehrte Röthe, vermehrte Wärme, Geſchwulſt und außergewöhnliche Schmerzhaftigkeit wahrgenommen werden, ſo ſagt man, ein ſolcher Theil ſei entzündet, oder von einer Entzündung befallen. In der Regel iſt zugleich die Verrichtung des entzündeten Theiles mehr oder weniger verändert, und vom geſundheitsgemäßen Zu⸗ ſtande abweichend, ſo daß die geſtörte Verrich⸗ tung ebenfalls zu den Hauptkennzeichen der Entzündung gezählt werden muß.

Alle Theile des Körpers, mit Ausnahme der Ober⸗ haut, der Haare, Hüfe, Hörner und Klauen, können von der Entzündung befallen werden, jedoch findet in dieſer Hinſicht bei den verſchiedenen Theilen ein ſehr auffallender Unterſchied ſtatt. Manche Theile werden leichter, heftiger und häufiger von der Entzündung be⸗ fallen; andere dagegen ſeltener, und minder ſtark.

Es ſollen hier nun zunaͤchſt die einzelnen, der Ent⸗ zündung zukommenden Erſcheinungen näher erörtert, und dieſelben durch Beiſpiele erläutert werden.

a) Vermehrte Röthe. Allemal erſcheint ein entzündeter Theil röther als im geſunden Zuſtande; es iſt dieſes die Folge des vermehrten Blutzufluſſes nach dieſem Theile. Derſelbe enthält mehr Blut als gewöhnlich, indem die kleinſten Blutgefäße, welche ſonſt kein Blut führen, ſich jetzt ſo erweitern, daß ſie fähig ſind die Blutkügelchen des Blutes in ſich auf⸗ zunehmen; außerdem ſind auch die größeren Blutadern mit mehr Blut, und ſtrotzend angefüllt. Der Grad der vermehrten Röthe iſt ungemein verſchieden; es zieht ſich dieſe Entzündungsröthe vom blaſſeſten Ro⸗ ſaroth, bis zur kirſchrothen, ſelbſt ſchwarzrothen Farbe hindurch. Bei ſolchen Theilen, welche einen ſchwammi⸗ gen, lockeren Bau haben, und welche, ſchon im geſun⸗ den Zuſtande, viele Blutgefäße enthalten, und mehr oder weniger roth erſcheinen, wie z. B. die Schleim⸗ häute der Naſe, die äußere Haut, die Lungen ꝛc., iſt bei der Entzündung die Röthe auffallender und beträchtlicher vermehrt, als bei Gebilden von feſterem Bau, und in denen nur wenige Blutgefäße enthalten ſind, wie z. B. die Knochen, die Knorpel, die durch⸗ ſichtige Hornhaut des Auges. Die Entzündungsröthe iſt nicht während der ganzen Dauer der Entzündung von gleicher Stärke. Zu Anfange iſt ſie meiſtens gering; ſie ſteigt mit der Zunahme der Krankheit, und verliert ſich bei deren Verſchwinden mehr oder weniger ſchnell.

Bei den Hausthieren iſt die vermehrte Röthe bei vorhandenen Entzündungen nicht immer, oder vielmehr nur in den ſeltneren Fällen wahrzunehmen. Die dichte Behaarung der Haut, die häufig ſchwarze oder doch dunkle Hautfarbe, und viele andere Umſtände verhin⸗

dern die Wahrnehmung der Farbenveränderung; das 1