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tiren. Man könnte verſucht werden zu glauben, daß für manche Menſchen die Vorurtheile dunkler Vorzeit, Aber⸗ glauben und Unwiſſenheit— man verzeihe mir den harten Ausdruck— einen ganz eigenen Reiz und Zauber haben. Somit wäre es endlich wohl einmal an der Zeit, daß man, auch in dieſer Beziehung, die geſunde Vernunft emancipirte und in ihre natürlichen Rechte einſetzte; daß man die bisher nur zu oft betretene Bahn ſinnloſer Abgeſchmacktheiten ver⸗ ließe, um den Weg zu betreten, welchen Wiſſenſchaft und Erfahrung allein mit Ehren zu gehen vermögen. Zur Recht⸗ fertigung des Pfuſchers ſagt man dann freilich wohl, daß der Mann zwar ohne Kenntniſſe ſei, aber daß er Erfahrung habe. Niemals aber iſt dieſes Wort mehr gemißbraucht worden! Wer es weiß, welches anhaltende und fleißige Studium, welcher Aufwand von Scharfſinn, welche Fülle von Kenntniß der Thatſachen, und welche Anzahl echter Beobachtungen dazu gehören, um eine Erfahrung zu machen, die dieſen Namen wirklich verdient, wird gewiß dem Pfuſcher jede Möglichkeit eine wahre Erfahrung zu machen abſtreiten. Die todte, wenn auch noch ſo oft wiederholte, Sinnesanſchauung allein macht noch keine Erfahrung aus, deshalb wird auch ein Fleiſcher, und wenn er Tauſende von Viehſtücken geſchlachtet und zerlegt hat, dadurch nimmer zum Anatomen. Dazu gehört das Studium eines im Denken geübten, gebildeten Verſtandes.
Schließlich muß ich noch vor den freundlichen und uneigennützigen Rathgebern warnen, welche, wenn auch nicht verächtlich, wie die Pfuſcher, doch faſt eben ſo gefährlich ſind. Es iſt eine nur ſchwer zu erklärende pſychologiſche Erſcheinung, daß bei Krankheiten, ſei es bei Menſchen oder bei Thieren, jeder gern ſeinen Rath ertheilt, ſelbſt der Liebloſeſte und der, dem man in jedem andern Falle keinen Akt der Humanität zutrauen darf; der Nachbar, der Schäfer, der Schmied, ein altes Weib, oder irgend andere Perſonen ſind mit ihrem Rathe nur zu gütig bei der Hand. Vorzugs⸗ weiſe thätig zeigen ſich in dergleichen Fällen gewöhnlich Leute, welche vielleicht einmal Reiten gelernt, oder die vielfach mit Pferden zu thun gehabt haben; dieſe halten ſich in der Regel nicht nur für vollkommene Pferdekenner, ſondern ſie glauben auch, in thörigter, der Unwiſſenheit ſo ganz beſonders eigener Anmaßung, jede Krankheit beurtheilen zu können.
In der Regel aber iſt der Rath aller dieſer Leute, da ſie der wahren Sachkenntniß entbehren, und in dieſer Hinſicht mit dem Pfuſcher auf gleicher Höhe ſtehen, nachtheilig und unheilvoll, und Millionen Stücke Vieh ſind ſchon dadurch zu Grunde gegangen. Nur der Rath eines intelligenten und wahrhaft gebildeten Thierarztes verdient es ſtets ohne Mißtrauen und Beſorgniß befolgt zu werden, und wer die Richtigkeit dieſer Behauptung in Zweifel zieht, beraubt ſich freiwillig der Vortheile, welche die fortſchreitende Aufklärung im Gebiete der Thierheilkunde zu gewähren vermag.
Und ſomit übergebe ich denn dieſes, nicht ohne Anſtrengung vollendete, Werk dem Leſer, mit der innigſten Ueberzeu⸗ gung, daß er, bei verſtändigem Gebrauche, Nutzen daraus ziehen wird.
Danzig, im Juli 1842. Der Verfaſſer.


