VII
Dennoch habe ich eine Beſchreibung derſelben für nöthig gehalten, um dem Leſer zu zeigen, was überhaupt in Bezug auf die Heilung der Thiere möglich und ausführbar iſt. Oft genug indeſſen wird der Landwirth ſelbſt Arzt ſeiner Haus⸗ thiere ſein müſſen, und in andern Fällen auch füglich ſein können. Bei Krankheiten, welche augenblickliche Hülfe dringend erfordern, wie z. B. die Trommelſucht, muß der Laie nothwendig ſelbſt Hand anlegen, und manche andere Uebel, z. B. die Räude, die Klauenſeuche ꝛc. kann er ſo gut heilen wie der Thierarzt. Außerdem iſt es immer ſchon ein großer Gewinn für ihn zu wiſſen, was er vor ſich habe; er wird beurtheilen können, ob und welche Gefahr im Verzuge, oder ob ein Aufſchub der Kur zuläſſig iſt? und unter dieſen Umſtänden kann er ſeine Dispoſitionen darnach treffen; er wird bei anſteckenden Krankheiten eine zeitige Separation einleiten, den Grad der Gefahr, die ſeinem Vieh⸗ ſtande droht, beurtheilen, die von dem Thierarzte eingeleitete Kur mit Geſchick fortſetzen können ꝛc, ꝛc.
Ein anderer, und nicht der geringſte Nutzen, den ich durch dieſe Schrift zu ſtiften hoffe, iſt der, daß der Laie dadurch vielleicht veranlaßt werden wird, die Thierheilkunde im Allgemeinen, und deren Pfleger, die Thierärzte, insbe⸗ ſondere beſſer würdigen und achten zu lernen, als dieſes bisher meiſtens der Fall geweſen iſt. Alle Sachverſtändigen ſind darüber einig, daß die Thierheilkunde— ſowohl in Theorie als Praxis— in den letzten drei Decennien ungemein große Fortſchritte gemacht hat, größer vielleicht, als in der ganzen vorhergegangenen Zeit zuſammengenommen. Nicht dringend genug kann ich daher jedem Viehbeſitzer den wahrhaft gebildeten Thierarzt empfehlen; der Nutzen, den er zu leiſten vermag, iſt in der That ſehr groß, und es heißt ein gänzliches Verkennen des eigenen Intereſſes, ſtets zur Selbſthülfe zu greifen, oder, ſtatt dem Rathe eines Thierarztes, dem irgend einer ununterrichteten Perſon zu folgen. Was könnte auch wohl das geringfügige, dem Arzte zu gebende Honorar in Betracht kommen, wo es ſich in manchen Fällen um die Erhaltung eines ganzen Kapitals, und unter allen anderen Umſtänden um die Verhütung eines größeren oder kleineren Verluſtes handelt? Das dem Arzt zu bringende Opfer verſchwindet gegen die Größe ſeiner Leiſtung, und kein Buch in der Welt iſt im Stande ihn im Allgemeinen zu erſetzen, oder entbehrlich zu machen. Mit der dringenden Empfehlung wirklich gebildeter Thierärzte ſteht die Herausgabe dieſes, zunächſt für den Gebrauch des Laien beſtimmten Werkes keineswegs im Widerſpruche, denn der Zweck iſt ein doppelter, und die Zeit wird hoffentlich den guten Erfolg darthun.„Unter Umſtänden die Selbſthülfe, in der Regel den Thierarzt!“ möchte ich bei den Landwirthen als Wahl⸗ ſpruch ſo gern hören. Aber bei dem Mangel an einigen guten Kenntniſſen in der Thierheilkunde, wird man die Thier⸗ ärzte nie nach Verdienſt ſchätzen lernen; dieſe Schrift kann, wie ich glaube, beiden Uebelſtänden abhelfen.
Viele Menſchen geben ſich der irrigen Meinung hin, daß die Erkenntniß der meiſten Krankheiten der Thiere, weil ihnen die Sprache mangelt, nicht wohl möglich ſei, und daß hier Alles auf bloßer Vermuthung, auf Inſpiration und Zufall beruhe. Welcher Irrthum! Dreiſt kann man behaupten, daß die Erkenntniß der Thierkrankheiten, ſelbſt der innerlichen, in der Regel nicht nur nicht ſchwerer, ſondern ſogar leichter als beim Menſchen iſt, und in Betreff der Kur iſt dieſes unbedingt der Fall. Der Mangel der Sprache bei Thieren wird durch zahlreiche Umſtände mehr als hinreichend aufgewogen; alle Symptome ſind in der Regel deutlich und klar, in vielen Fällen ſehr markirt und großartig; die Gebehrdenſprache der Thiere iſt rein und natürlich; das Thier giebt ſich unverſtellt, nichts iſt bei ihm ſimulirt, es hat dabei weder Zweck noch Abſicht. Seelenaffekte, als Haß, Zorn, Eiferſucht, Geiz, Sorgen, und wie die Henker des Menſchen alle heißen, haben bei Thieren nicht ſtatt, und mithin werden ihre Krankheiten durch ſolche Einflüſſe nicht, wie beim Menſchen, verwickelt und oft eben ſo ſchwer erkennbar wie ſchwer heilbar gemacht. Die ganze Oberfläche des kranken Thieres wird zur Phyſiognomie, und der innere Zuſtand reflektirt ſein Bild, wie durch einen Spiegel, nach außen. Dennoch muß man eingeſtehen, daß es mit der Erkenntniß mancher Thierkrankheiten, ganz wie bei Krankheiten des Menſchen, etwas Unſicheres und Problematiſches ſei. Dieſe ſchwache Seite der Thierheilkunde, verbunden mit Volksvorurtheil, mag wohl den vorzüglichſten Grund abgegeben haben, daß ſich eine heilloſe und gefährliche Klaſſe von Menſchen gebildet hat— die Quackſalber oder Pfuſcher. Der Schaden, den ſie den Landwirthen ſchon gebracht haben, und leider noch immer ungehindert bringen dürfen, iſt gar nicht zu berechnen, und nichts wünſche ich ſehnlicher, als daß es mir gelingen möge die Viehbeſitzer aus den unwürdigen Händen der Pfuſcher zu befreien, indem ich ihnen die Mittel in die Hände gebe unterſcheiden zu können, was Wahrheit iſt und was Trug, und was den Vorzug verdiene, ob das rationelle Handeln des gebildeten Arztes, oder das ſinnliche Treiben der Pfuſcher. Der erſte Schritt zur Wahrheit iſt der, daß man ſich über die Irrthümer anderer empört! Mit eben ſo großer Verſchmitztheit wie mit Erfolg verſteht der Pfuſcher die Unkenntniß und Leichtgläubigkeit des großen Publikums zu ſeinem Vortheile auszubeuten, und Geld und Vertrauen ſeiner Kunde im gleichen Maße zu erwerben. Dabei hüllt er ſeine ſogenannten Kuren in ein myſtiſches Dunkel ein, und umgiebt ſich mit dem Schleier des Geheimniſſes; durch eckelhaftes Selbſtlob und mit Prahlereien von glücklich vollbrachten, ſehr ſchwierigen, obſchon meiſt fingirten, Kuren, gelingt es ihm nur zu oft, nicht nur ſchwache und mittelmäßige, ſondern ſelbſt beſſere Köpfe zu täuſchen, und oft ſelbſt Männer, die in allen anderen Lebensverhält⸗ niſſen Verſtand und Urtheil zeigen. Es iſt in der That ganz unbegreiflich, wie ein Mann, der auf Geiſt und Bildung Anſprüche macht, einen Theil ſeines Beſitzthums einem Pfuſcher anvertrauen kann, einem in der Regel von jedweder Kenntniß entblößten, betrügeriſchen, völlig demoraliſirten und meiſt trunkfälligen Subjekte, welches allemal der Hefe des Volks angehört! Es heißt dieſes eine beſchämende Demüthigung eingehen, und den Verſtand ernſthaft compromit⸗


