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machen; an jeder Stelle des Bauches fürchtet er wichtige Theile zu verletzen, und bei dieſen, aus Unkunde entſtandenen Beſorgniſſen, geht das Thier zu Grunde. Iſt der Magen aber, wie es in dieſem Werke geſchehen iſt, in ſeiner natür⸗ lichen Lage und Struktur abgebildet, und kommt dazu noch eine paſſende Beſchreibung deſſelben, und des dabei nöthigen Operationsverfahrens, ſo wird auch der Laie dadurch befähigt, mit Leichtigkeit und Sicherheit dem drohenden Verluſte zu begegnen.
Die Form dieſes Buches anlangend, ſo boten ſich hier manche Schwierigkeiten dar, doch glaube ich, daß die von mir gewählte, für den beabſichtigten Zweck, die beſſere ſein dürfte. Für den wiſſenſchaftlich Gebildeten, und dem Manne vom Fache, iſt ohne Zweifel die ſyſtematiſche Form, welche die Gegenſtände methodiſch und in ſtufenweiſer Entwickelung vorträgt, die vorzüglichſte, nicht ſo vielleicht für den Laien. Der ſyſtematiſche Vortrag nämlich ſetzt ein anhaltendes und mit Fleiß fortgeſetztes Studium voraus. Soll derſelbe nicht zu lückenhaft ausfallen, ſo kommen dabei nothwendig Erörterungen vor, welche für den Laien, wenn auch nicht nutzlos, aber doch entbehrlich ſind; dadurch wird das Studium für ihn leicht ermüdend und langweilig, welches dann die Folge hat, daß er nicht den Nutzen daraus zieht, den das Buch ſonſt vielleicht wohl hätte haben können, wie dieſes die Erfahrung zum Ueberfluſſe bisher gelehrt hat. Aus dieſem Grunde habe ich mich für die eneyklopädiſche Form entſchieden, und dieſes um ſo lieber, weil das Werk ausſchließlich eine praktiſche Tendenz hat, und nur allein auf die unmittelbare Nutzanwendung berechnet iſt. Um jede Ermüdung des Leſers zu vermeiden, und um ihm den Reiz der Neuheit und der Abwechſelung zu verſchaffen, habe ich die verſchiedenen Gegenſtände in zwangloſer Folge und bunter Reihe abgehandelt, und nur dort bin ich von dieſer Regel abgewichen, wo die Nebeneinanderſtellung identiſcher Krankheiten bei verſchiedenen Thieren unerläßlich war. Indem auf dieſe Weiſe ein Gegenſtand von dem andern in der Regel durch eine ſcharfe Grenze geſchieden iſt, hoffe ich das Intereſſe des Leſers zu ſpannen, und glaube dadurch auch ſeinem Gedächtniſſe ſowohl, wie auch dem Verſtändniſſe zur Hülfe zu kommen, und dieſes um ſo mehr, als keine der einzelnen Abhandlungen zu lang iſt, als daß ſie nicht ohne Ermüdung durchgeleſen werden könnte. Am Schluſſe des Werkes befindet ſich ein General⸗Regiſter, welches neben den von mir gebrauchten Benennungen, zugleich alle bekannten Trivialnamen, Provinzialismen ꝛc. enthält, ſo daß dadurch die Auffindung jedes geſuchten Artikels mit Leichtigkeit bewirkt werden kann. Dieſes Regiſter wird die bei Encyklopädien ſonſt gewöhnliche Form der alphabetiſchen Reihenfolge, welche ich aus guten Gründen nicht gewählt habe, vollkommen erſetzen.
Auf den leicht zu erwerbenden Ruhm der Gelehrſamkeit, deren ganzes Verdienſt darin beſtanden hätte, dieſe Arbeit durch zahlreiche Citate auszuſchmücken, habe ich, im Intereſſe des Leſers, verzichtet, um ſein Gedächtniß nicht unnöthig zu beläſtigen, und um ihn nicht zu verwirren. Dem Laien kann auch in der That nichts daran liegen, zu wiſſen, wann, durch wen und unter welchen Umſtänden ein nützliches Reſultat gewonnen ward, ſondern lediglich nur daran, daß es überhaupt gewonnen iſt. Da ich ſomit(wenige Fälle ausgenommen) keine Gewährsmänner für die von mir ge⸗ machten Angaben und Behauptungen nenne, ſo muß ich den Leſer bitten mir einiges Vertrauen zu ſchenken. Mit der Literatur des In⸗ und Auslandes faſt vollſtändig vertraut, nach anhaltenden und ernſten Studien und im Beſitze einer, durch langjährige Praxis gewonnenen eigenen Erfahrung, glaube ich nicht ohne Grund um Vertrauen bitten zu dürfen. Alles von mir Vorgetragene iſt faſt ausſchließlich Selbſterlebtes und Selbſtbeobachtetes; kaum befindet ſich unter den abgehandelten Krankheiten eine einzige, welche ich nicht in wiederholten Fällen ſelbſt beobachtet und behandelt hätte, weßhalb denn auch die Beſchreibung der Krankheiten und die Vorſchriften zu ihrer Kur weſentlich auf meinen eigenen Beobachtungen fußen. In den wenigen Fällen, welche hiervon eine Ausnahme machen, glaube ich die Erfahrungen Anderer mit ſachkundiger Kritik benutzt zu haben. Oft getäuſcht, im Leben wie in der Wiſſenſchaft, bin ich von vorn herein mißtrauiſch gegen Alles, und der ſtrengſten Skeptik ergeben; daher habe ich denn auch nichts zugelaſſen, ohne die ſorgfältigſte Prüfung. Nichts in dem Buche iſt das Produkt philoſophiſcher Abſtraktionen oder hypothetiſcher Theo⸗ rien, ſondern lediglich das Reſultat der Beobachtung und Erfahrung, und ſomit Thatſache. Daß ich dennoch nicht ſelten in Irrthümer verfallen ſein mag— wie könnte ich wohl ſo anmaßend und abſurd ſein, das zu verneinen!—
Ueber den vorzüglichſten Zweck dieſer Arbeit könnte man mich leicht mißverſtehen, weßhalb ich es für nöthig halte, mich etwas ausführlich darüber auszulaſſen.— Mehr wie einen guten Zweck hoffe ich durch die Herausgabe dieſes Buches zu erreichen. Zunächſt muß ich bemerken, daß es hiebei keineswegs meine Abſicht iſt, aus dem Laien einen Thierarzt zu bilden; es wäre dieſes ein eben ſo thörichter, als fruchtloſer Verſuch, welcher nur verderbliche Folgen haben könnte. Aber aufzuklären wünſche ich ihn, damit er ein allgemeines Urtheil habe, ſich von den Feſſeln verjährter Vorurtheile befreien könne, und damit er bei vorkommenden Fällen nicht rath⸗ und hülflos daſtehe. Durch fleißige Benutzung dieſer Schrift wird er einen ungefähren Begriff von dem weiten Umfange der Thierheilkunde bekommen; er wird dadurch erfahren, was die Kunſt zu leiſten vermag, und wo ihre wahrſcheinlichen Grenzen liegen. Es iſt von großer Wichtigkeit für ihn, dieſes zu wiſſen, damit er einerſeits, aus eigner Unkenntniß oder durch Pfuſcher inducirt, an einem vielleicht hoffnungsloſen Kranken Koſten und Mühe nicht nutzlos verſchwende, und andererſeits, damit er die Kur eines vielleicht noch heilbaren Thieres nicht vorſchnell aufgebe. Viele der beſchriebenen Krankheiten wird der Laie nicht behandeln können, und manche Operationen, z. B. der Nerven⸗ und Sehnenſchnitt, ſind für ihn unausführbar.


