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Borrede.
Dieſe, zunächſt für den Gebrauch gebildeter Landwirthe beſtimmte Enecyclopädie umfaßt das geſammte Gebiet der Thierheilkunde und der mit ihr in unmittelbarer Beziehung ſtehenden Wiſſenſchaften, das heißt in ſo weit, als ſie für den, der weiteren Vorkenntniſſe entbehrenden Landwirth verſtändlich, und ſomit nützlich werden kann. Zum Verſtänd⸗ niſſe derſelben habe ich weiter nichts vorausgeſetzt, als einen gewiſſen Grad von Intelligenz und allgemeiner Bildung, und, wie ſich von ſelbſt verſteht, Intereſſe am Gegenſtande. Mit Vermeidung jedes Redeſchmuckes und aller, dem Laien in der Regel nicht verſtändlichen, Kunſtausdrücke, habe ich mich bemüht, den Vortrag in klarer und populärer Sprache zu halten, zwar möglichſt kurz, aber, wie ich glaube, dennoch gründlich und für den praktiſchen Bedarf erſchöpfend.
Das Objekt dieſes Werkes bilden unſere Hausſäugethiere; mithin das Pferd, das Rind, das Schaf und das Schwein; aber auch den Hund habe ich nicht ganz übergangen, da einige Krankheiten deſſelben— z. B. die Hunds⸗ wuth— in ſo mancher Beziehung von hoher Wichtigkeit ſind, und da andererſeits dieſes Thier theils wirklichen Nutzen, theils mancherlei Annehmlichkeiten gewährt.
Den Hauptplatz unter den abgehandelten Gegenſtänden nehmen die Beſchreibung der Kennzeichen der verſchiedenen innerlichen und äußerlichen Krankheiten, und die Anweiſung zu ihrer Kur und Vorbauung ein, und nicht leicht dürfte in dieſer Beziehung eine nur irgend in Betracht kommende Krankheit vermißt werden. Aber hierauf beſchränkt ſich das Werk keineswegs, ſondern es umfaßt daſſelbe, wie man dieſes von einer Encyclopädie verlangen kann, zugleich zahlreiche andere, auf die Hausthiere bezügliche Gegenſtände, als namentlich den Hufbeſchlag; die Beurtheilung des Pferdes auf ſeine Vorzüge und Mängel, oder das Exterieur;z die Anweiſung zur Erkenntniß des Lebensalters ſämmtlicher Hausthiere; die Angabe der nöthigen Vorſichtsmaßregeln beim Einkaufe von Vieh, ſo wie die Enthüllung der Kunſtgriffe betrügeri⸗ ſcher Pferdehändler; die Angabe der in den verſchiedenen deutſchen Staaten zur Zeit in Bezug auf Viehhandel geltenden Geſetze; die Beſchreibung verſchiedener, nicht gerade in kurativer Hinſicht, zu unternehmenden Operationen, wie z. B. der Caſtration, des Engliſirens ꝛc.; die Geburtshülfe aller Hausthiere; ſodann das Wiſſenswürdigſte in Bezug auf Anatomie und Phyſiologie, auf Fütterung und Pflege, oder die Diätetik, und manches Andere, deſſen ſpecielle Aufzäh⸗ lung hier zu weit führen würde.
Ueberall, wo es nur irgend erforderlich erſchien, iſt der beſchriebene Gegenſtand durch naturgetreue, zum Theil in ihrem natürlichen Colorit wiedergegebene Abbildungen erläutert. Es ſchien mir dieſes um ſo nothwendiger, theils weil ich von dem Leſer, für welchen dieſes Werk zunächſt beſtimmt iſt, keine weiteren Vorkenntniſſe vorausſetzen darf, theils weil jede Beſchreibung, ſelbſt wenn ſie die beſte wäre, dennoch immer manches Unklare übrig läßt. Durch die dem Texte hinzugefügten Abbildungen jedoch, glaube ich dem Leſer eine wahrhaft gründliche, mit der Ueberzeugung vom Wiſſen verbundene Anſchauung des Gegenſtandes zu verſchaffen, die jede Unſicherheit und jeden Zweifel niederſchlägt, und ihm dagegen eine Sicherheit und Beſtimmtheit im Handeln gibt, welche, ſoll letzteres im Durchſchnitt mit Glück gekrönt ſein, ganz unerläßlich ſind. In der Regel habe ich den dargeſtellten Gegenſtand zuerſt in ſeinem geſunden und natürlichen Zuſtande abgebildet, und dann daneben in ſeiner krankhaften Entartung. Auf ſolche Weiſe wird durch den Vexgleich der Unterſchied erſt recht in die Augen fallend. Oft, wo es ſich mehr um die geſtörte Verrichtung eines Theiles, als um ſeine anatomiſche Veränderung handelt, iſt der Theil auch nur in ſeinem geſundheitsgemäßen Zuſtande abgebildet, als nothwendige Erläuterung des beſchreibenden Textes. Nur dadurch allein wird die Beſchreibung dem Laien völlig verſtändlich, denn ohne dieſelbe tappt er im Finſtern, und iſt in peinlichen Zweifeln und Ungewißheiten befangen, welche nur zu oft ſchon zu den verderblichſten Mißgriffen geführt haben. Ohne einige anatomiſche Kenntniß des geſunden Auges z. B. ſind manche Augenkrankheiten faſt gar nicht mit Sicherheit zu erkennen; ſo werden Trübungen der Horn⸗ haut in der Regel mit dem grauen Staare verwechſelt, und doch liegt in beiden Krankheiten, in Rückſicht ihrer Bedeutung, ein ſo ungemeiner Unterſchied. Daß ferner z. B. ein an der Trommelſucht leidendes Rind durch einen Einſtich in den Magen gerettet werden kann, iſt faſt allgemein bekannt. Dennoch fürchtet ſich der Laie in der Regel den Einſtich zu


