Druckschrift 
Die Schafzucht : Rassen, Züchtung und Ernährung des Schafes, Wollkunde und technische Verarbeitung der Wolle / von Johannes Heyne
Entstehung
Einzelbild herunterladen

136 Dritter Teil. Die techniſche Verarbeitung der Wolle.

die Water⸗ und Mulemaſchinen ſich beſſer für gröbere oder Strickgarne eignen. Auf Watermaſchinen werden durchaus lange und ſchlichte Wollen geſponnen; kürzere und feinere Wollen werden vorzugsweiſe auf dieſen Maſchinen zu den ſtärker gedrehten Kettengarnen, auf Mulemaſchinen zu wenig ſtark gedrehten und daher vorzugsweiſe zu Schußgarnen ver⸗ ſponnen. Bei der vielfachen Anwendung des Selfaktors dürfte es wohl angemeſſen erſcheinen, auf die Konſtruktion desſelben näher einzugehen. Der Selfaktor beſteht aus zwei Hauptteilen, dem feſtſtehenden hinteren Teile, welcher den Aufſteckrahmen für die Vorgarnſpulen, den Zylinderbaum mit dem darauf be⸗ findlichen Stockwerk und in der Mitte das Hauptgeſtell, den ſog. Handſtock, mit dem Getriebe enthält; der zweite Haupt⸗ teil des Selfaktors wird gebildet durch den Wagen, welcher auf eiſernen Bahnen läuft, und die Spindeltrommel ſowie die Spindeln nebſt dem Apparate zum Aufwinden des fertigen Garnes auf die Spindeln erhält.

Im Spinnen ſelbſt laſſen ſich vier Stadien unterſcheiden: 1. das Ausfahren des Wagens, 2. der Nachdraht, 3. das Ab⸗ ſchlagen der Fäden, 4. das Einfahren des Wagens. Iſt das Vorgarn auf dem Spulgeſtell aufgeſteckt, ſo werden die einzelnen Bänder, jedes durch den ihm zukommenden Trichter, unter den Druckwalzen der Zylinder hindurch ein⸗ gezogen. Da das eingezogene Vorgarn zwiſchen den Zylindern noch keinen Vorzug hat, ſo läßt man erſt eine gewiſſe Länge herauslaufen, führt den Wagen ein und dreht das auf den Spindeln befindliche Garn mit dem Vorgarn zuſammen. Nach⸗ dem man zur Sicherheit immer noch zwei bis drei Auszüge geſponnen hat, führt man den Wagen ein, ſchiebt denſelben etwas vor, damit die Fäden ſchlaff herunterhängen, und zwar ſo viel, daß das bis jetzt auf die leeren Spindeln gewundene Garn ganz in die Höhe geſchoben werden kann. Iſt dieſes geſchehen, ſo windet man drei bis vier Umgänge auf die Spindeln. Hierauf werden die in die Höhe geſchobenen An⸗ fänge abgeriſſen, abgezogen und nun erſt Hülſen aufgeſteckt, worauf der Wagen eingefahren wird. Iſt ſo viel geſponnen, daß auf jeder Spindel 100 m vorhanden ſind, ſo muß von fünf oder zehn Spindeln Probe gemacht werden, um zu ſehen, ob die Nummern ſtimmen; iſt alles in Ordnung, ſo kann ruhig weitergeſponnen werden.

4 4