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Die Schafzucht : Rassen, Züchtung und Ernährung des Schafes, Wollkunde und technische Verarbeitung der Wolle / von Johannes Heyne
Entstehung
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Die Wäſcherei. 123

wie Staub, Kletten und dergl., befreit werden. Überdies iſt ſie von einer anſehnlichen Menge Fettſchweiß durchdrungen, welches nur durch erhöhte Wärmetemperatur unter Zumiſchung von Alkalien befeitigt werden kann. Wie für die Weberei die Baſis die Entwicklung einer Spinnerei bildet, ſo iſt eine gute Wäſcherei das Fundament der geſamten Kammgarnſpinnerei. Eine auf der Waſchmaſchine vollſtändig entſchweißte, geöffnete Wolle wird die Maſchine elaſtiſch mit klarer, heller Farbe ver⸗ laſſen; mit einem Worte: ſie gibt zuletzt ein gutes Garn. Hat die Wolle den Sortiertiſch verlaſſen, ſo bilden die Vlieſe immer noch große, zuſammenhängende Stücke, und eine Menge un⸗ gehöriger Teile, wie Kletten, Futter, Sand, befinden ſich darin. Ehe die Wolle in die Waſchmaſchine kommt, bedient man ſich allgemein des Wolfens, d. h. einer Maſchine, welche die Vlieſe in kleine Stücke zerreißt und das Futter, die Kletten, den Sand herausſchüttet. Das Wolfen hat den Zweck, die Wolle in möglichſt aufgelockertem Zuſtande in das Bad zu bringen; je lockerer eine Wolle iſt, deſto ſchneller weicht ſie durch; wir erſparen an Seife, weil wir wenig Schmutz aufzulöſen haben, und produzieren mehr, weil wir die Bäder länger gebrauchen können. Gleichwohl iſt immerhin ein Unterſchied zu machen; bei beſſerer, deutſcher Rückenwäſche z. B. wird das Wolfen unterbleiben können; bei Schweißwolle, klettigen, ſandigen Wollen dagegen wird es ſogar geboten ſein; denn gutes Wolfen entfernt eine Menge Schmutz aus einer Partie.

Ehe wir aber zu dem mechaniſchen Prozeſſe des Waſchens übergehen, dürfen zwei Punkte nicht unerwähnt bleiben, erſtens das Waſſer und zweitens die Seife. Was das Waſſer anlangt, ſo iſt zu bedenken, daß ſog. hartes Waſſer mehr Seife braucht als weiches.

Zum beſſeren Verſtändnis ſei bemerkt, daß man unter 1 Grad Härte des Waſſers den Gehalt von 1 Teil Kalk oder Magneſia uſw. in 100 000 Teilen Waſſer zu verſtehen hat. Man unterſcheidet die temporäre Härte; die nach dem Kochen des Waſſers noch vorhandene heißt die bleibende Härte.

Nachdem nun die Wolle den Wolf verlaſſen hat, wird ſie in manchen Fabriken mittelſt kalten Waſſers entſchweißt. Dieſes Verfahren wird wohl allmählich ganz eingeſtellt werden;