Druckschrift 
Die Schafzucht : Rassen, Züchtung und Ernährung des Schafes, Wollkunde und technische Verarbeitung der Wolle / von Johannes Heyne
Entstehung
Einzelbild herunterladen

118 Dritter Teil. Die techniſche Verarbeitung der Wolle.

dem Erkalten dieſe Eigenſchaften dauernd bei. Die Dekatur geſchieht auf Walzen. Man unterſcheidet die trockene und die naſſe Dekatur; letztere kann auch als Erſatz oder Fortſetzung der erſteren angeſehen werden.

Die letzte Manipulation, ehe das Tuch in die Hand des Schneiders kommt, iſt das Noppen oder Tinktieren der Ware.

Nachdem nun das Tuch vollſtändig fertig iſt, wird es noch einmal einer genauen Durchſicht unterworfen. Finden ſich noch irgendwelche Beſtandteile von Stroh oder anderen Unreinig⸗ keiten darin, ſo muß es nochmals genoppt werden, ehe es ver⸗ ſandt werden kann. Unter Tinktieren verſteht man folgendes: Es gibt vegetabiliſche Körperchen, welche beim Farbprozeß die loſe Wolle nicht mitfärben; ſie ſtellen ſich im farbigen Stück als feine, weiße oder gelbliche Punkte und Spitzen dar, die dann entweder vermittelſt des Noppeiſens herausgezogen oder durch eine feingeſchnittene Gänſefeder mit Tinktur betupft werden. Die Tinktur iſt gleichſam eine ſtark konzentrierte, nur für die vegetabiliſchen Faſern hergeſtellte Farblöſung, welche in allen Farbentönen angefertigt wird; ſie iſt derartig zu⸗ ſammengeſetzt, daß ſie ſich nur mit den vegetabiliſchen Faſern verbindet, während ſie auf den animaliſchen nur mechaniſch haftet und durch Reiben von denſelben wieder entfernt werden kann. Wenn nun das Stück ſorgfältig genoppt und tinktiert iſt, ſo wird es nochmals einer Durchſicht unterworfen und vom Fachkenner ordentlich geprüft. Iſt nunmehr die Ware für fehlerfrei erklärt, ſo wird ſie verpackt und gelangt dann in den Handel.

Die wichtigſten Arten der Gewebe aus Streichgarn.

Die Art und Weiſe der Entſtehung des Tuches haben wir nunmehr beſchrieben. Doch der Begriff Tuch iſt zu eng be⸗ grenzt; durch die Tuchweberei werden noch viele andere Woll⸗ fabrikate hergeſtellt, welche wir nun kurz betrachten wollen. Wir erwähnen zuerſt die hochfeinen Tuchwaren. Gewöhnlich wendet man zur Herſtellung der hochfeinen Tuche Zephir und Croiſés, aber keine Wollmiſchungen an, namentlich keine Miſchungen mit Kämmlingen. Für das Wollmaterial kommen faſt nur die feinſten Sortierungen ſchleſiſcher, polniſcher und ſächſiſcher Einſchuren oder hochfeine Sydneywollen, endlich die