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Die Schafzucht : Rassen, Züchtung und Ernährung des Schafes, Wollkunde und technische Verarbeitung der Wolle / von Johannes Heyne
Entstehung
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Die Rauherei. 117

liche Stadien der Appretur durchlaufen haben müſſen, während die erſteren nur einer teilweiſen Appretur unterworfen worden ſind. Natürlich kommt auch hier der Satz zur Geltung: Je feiner das Tuch werden ſoll, deſto öfter muß es geſchoren werden. Nach dieſer Operation werden die Tuche, welche noch nicht gefärbt ſind, der Färbung unterzogen. Empfindliche Farben können erſt jetzt auf das Tuch aufgetragen werden. Es iſt auch klar zu erkennen, daß auf dieſe Weiſe gefärbte Tuche die Farbe nur oberflächlich aufnehmen, von ihr nicht durch⸗ drungen werden können, da das Tuch nach der Walke ſchon viel zu feſt und dicht iſt. Das geſchorene und gefärbte Tuch kommt nun in die Preſſe. Hierdurch werden zweierlei Wir⸗ kungen erzielt: einerſeits erhält das Tuch Glanz und Glätte, anderſeits einen feſten Griff. Dieſe Eigenſchaften beruhen auf der hornartigen Beſchaffenheit des Wollhaares, indem näm⸗ lich dieſes durch die bei der Preſſe angewendete Wärme er⸗ weicht und durch Druck gegen einen feſten, glatten Körper ge⸗ glättet und poliert wird. Durch die erwähnte Operation wird ein dritter Faktor freigemacht, nämlich die in der Wollfaſer aufgeſaugte Flüſſigkeit, welche ungefähr 35% des Gewichts der Ware beträgt. Das Preſſen ſelbſt geſchieht durch Preß⸗ vorrichtungen; man unterſcheidet gewöhnlich Spindelpreſſen, hydrauliſche oder Waſſerpreſſen und Walzenpreſſen. Der Vor⸗ gang iſt in kurzen Worten folgender: Das Tuch wird zwiſchen Preßplatten gelegt, welche anfangs nur halben Druck ausüben, nach ein⸗- bis zweiſtündiger Durchwärmung ſchraubt man die Druckplatten feſt und läßt das Tuch 1216 Stunden zwiſchen den Preßplatten liegen, alsdann nimmt man es heraus. Hat das Tuch die Preſſe verlaſſen, ſo wird es dekatiert. Die Dekatur hat den Zweck, diejenigen Eigenſchaften, welche man der Ware durch die Rauherei, Schur und Preſſe beigebracht hat, zu fixieren. Die Wirkung der Dekatur beſteht darin, daß die hornartige Subſtanz des Wollhaares durch die geſpannten Dämpfe ungemein erweicht wird und die Ware während dieſer Operation mehr oder weniger unter mechaniſchem Drucke ſtehen bleibt. Das bereits erweichte Wollhaar wird auf dieſe Weiſe gewiſſermaßen umgeformt und flacher gedrückt. Indem durch den durchgehenden Dampf die ſchmutzigen Beſtandteile aus dem Wollhaare entfernt werden, wird es ſpröde und behält nach