114 Dritter Teil. Die techniſche Verarbeitung der Wolle.
ſondern auch im Innern. Vermöge der Tuchwolle eigen⸗ tümlichen hohen Kräuſelung ſtehen dieſe Faſern nicht in gerader Form hervor, ſondern krümmen ſich als kleine Härchen ſchon ineinander. Durch die innere Verdichtung und Verfilzung des Gewebes ziehen ſich naturgemäß die Garnfäden mehr zuſammen, laufen ein; dadurch wird aber das Gewebe dichter und feſter. Der Loden geht aus der Walke als„Tuch“ hervor. Die Be⸗ arbeitung des Lodens kann auf zweifache Weiſe geſchehen: durch die Hammerwalke oder durch die Walzenwalkmaſchinen. Die Hammerwalken, auch Walkmühlen genannt, beſtehen aus 2—3 Zentner ſchweren Holzhämmern, welche mittelſt einer Dauer⸗ welle gehoben werden, um beim Niederfallen das in einem offenen Behälter liegende, durchnäßte und zuſammengefaltete Tuch durch ihr Gewicht zu quetſchen. Damit alle Stellen des Tuches eine gleichmäßige Bearbeitung erfahren, bewirken die Hämmer durch ihre treppenförmige Abſtufung im Verein mit den eigentümlich geformten Seitenwänden des Walkkaſtens ein fortwährendes Umwenden des Stoffes.
Die Walzenwalken, bei denen die wirkenden Teile Walzen ſind, haben vor den Hammerwalken den großen Vorteil, daß ſie das Tuch viel gleichmäßiger walken und keine ſo läſtigen Erſchütterungen verurſachen als dieſe.
Die Walkflüſſigkeit beſteht nicht in reinem Waſſer allein, da dieſes die Erweichung des Wollhaares nicht in dem Grade beſchleunigen würde, als zu einer guten Verfilzung notwendig iſt; man ſetzt vielmehr zu dem Waſſer Alkalien in Form ge⸗ faulten Urins und Talgſeife hinzu. Statt der Seife nimmt man wohl auch Walkererde oder Smektit. Die Walkererde iſt ein feiner, kieſelſäurereicher Ton; er fühlt ſich mild und fettig an und zerfällt im Waſſer unter Ausſtoßung von Luftbläschen zu einer breiartigen, aber nicht plaſtiſchen Maſſe. Die beſte Walkererde ſoll die von Hampſhire in England ſein; nach ihr folgt die von Roßwein und Riegersdorf in Schleſien. Die Analyſen ¹) der Walkererde ſind folgende:
Kieſelerde 46,8, Tonerde 26,7, Eiſenoxyd 5,0, Magneſia 0,4, Kalk 3,0, Waſſer 13,5, Kali.
¹) Berthier, Traité des Essais.


