46 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung und Ernährung des Schafes.
ungewaſchene Vlies 30— 60%; in der Regel geht bei Tuch⸗ wolle nicht mehr als die Hälfte verloren; fabrikmäßig gewaſchen bleiben 20— 35% des ungewaſchenen Vlieſes übrig. Man unterſcheidet daher Wolle, welche nicht gewaſchen wird, alſo im Schweiß vom Schafe geſchoren wird, ſog. Schmutz⸗ oder Schweißwolle. Die Schafe im Schweiß zu ſcheren wird jetzt überall mehr eingeführt; dies hat Vorteile dadurch, daß man die Schafe ſcheren kann, wann man will und ganz un⸗ abhängig vom Wetter iſt; auch kauft der Fabrikant dieſe Schweiß⸗ wolle gern. Weiter unterſcheidet man gewaſchene Wolle, und zwar die Pelzwäſche oder Rückenwäſche, bei welcher die Wolle auf dem Körper der Schafe gewaſchen wird; bei der Pelzwäſche unterſcheidet man weiter Schwemm⸗, Hand⸗, Sturz⸗, Spritz⸗ und Kunſtwäſche; einem jeden Verfahren geht das Einwäſchen der Schafe voran. Als zweite Art iſt die Vlieswäſche zu er⸗ wähnen, bei welcher das Vlies im ungewaſchenen Zuſtande durch Abſcheren von dem Körper des Schafes entfernt wird; die Vlieswäſche iſt abſolut nicht zu empfehlen. Bei beiden Wäſchen ſpielt das Waſſer eine große Rolle. Waſſer, welches Salze mit erdigen Baſen enthält, wirkt nachteilig, weil ſich dieſe mit der Seife des Fettſchweißes zerſetzen und dadurch eine unlösliche Kalkſeife bilden, die in der Wolle beharrt und ihr Klebrigkeit und Rauhheit im Gefühle erteilt. Das Vor⸗ handenſein von Kalkſalzen im Waſſer iſt dadurch zu ermitteln, daß in ein mit Waſſer gefülltes Glas etwas Seifenſpiritus geſchüttet wird. Entſteht hierdurch ein ſtarker Niederſchlag, ſo iſt es reich an Kalk und Magneſiaſalzen und für das Waſchen der Wolle ungeeignet. Die im Waſſer enthaltenen Salze verbinden ſich nämlich mit der darin aufgelöſten Seife und bilden dadurch eine unlösliche Kalkſeife, die ſich in Flocken ausſcheidet und auf dem Boden des Gefäßes niederſetzt. Eine zweite Probe beſteht darin, daß das Waſſer eine Zeitlang der Kochhitze ausgeſetzt wird; das kalkhaltige Waſſer wird dann trübe und zeigt die deutliche Ausſcheidung eines feinen weißlichen Niederſchlages. Eiſen⸗ haltiges Waſſer verleiht der Wolle einen roſtfarbenen Schein; um das Waſſer auf Eiſen zu prüfen, ſoll man, nachdem es etwas eingekocht und erkaltet iſt, einige Tropfen Salpeterſäure zuſetzen, um das in Form von Eiſenoxydul darin enthaltene Eiſen in Eiſenoxyd zu verwandeln; werden dann einige Tropfen


