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Der rationelle Futterbau : praktische Anleitung für Landwirte und für den Unterricht an landw. Lehranstalten / von F. G. Stebler
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Das Verwundungsverfahren und das Nachſäen von Grasſamen. 223

nach und nach wieder überwachſen, wobei jedoch die oberirdiſch kriechenden Gewächſe(gemeines Riſpengras, kriechendes Straußgras, kriechender Hahnenfuß, weiße Wucherblume, Gundelrebe, kriechender Günſel, Ehrenpreisarten ꝛc.) und die durch Anflug oder Selbſt⸗ beſamung ſich verbreitenden Arten(Löwenzahn, Spitzwegerich, Breit⸗ wegerich), alſo alles minderwertige oder ſchlechte Arten, den Haupt⸗ anteil ausmachen. Dieſer wilden Beraſung ſollte ſo viel als mög⸗ lich vorgebeugt werden, indem man in die beſtehenden Lücken zu geeigneter Zeit Samen guter und ertragreicher Arten ausſäet.

Welches iſt die geeignetſte Zeit zur Nachſaat von Samen in verwundete Wieſen, und welche Samen ſollen nachgeſäet werden? Wir verweiſen hierüber auf das auf Seite 196 ff. Geſagte, das auch für die Naturwieſen vollſtändig paßt.

Wie viel Samen ſoll man ſäen? Hierbei ſind vorerſt die Koſten ausſchlaggebend. Ein großer Aufwand iſt in der Regel nicht angezeigt, ſonſt dürfte der Umbruch und die Neuanſaat vor⸗ zuziehen ſein. Man begnügt ſich gewöhnlich mit einer Nachſaat von ½(25 50%) der Vollſaat. Wenn man z. B. 1= 33% der Vollſaat von Knaulgras, Fromental und Timothe zu gleichen Teilen gibt, ſo nimmt man von jedem 11%. Das ganze Verfahren beſteht alſo darin, daß der Raſen bei genügend feuchtem Wetter verwundet, dann Samen geſäet und dieſer hernach untergebracht wird, was in der Regel am zweckmäßigſten durch Anwalzen geſchieht. Die Saat kann vorher auch ſchwach eingeeggt werden(mit der Dornegge ꝛc.).

Da es auf Moorboden ſchwierig iſt, auf umgebrochenem Land einen neuen Raſen zu erzeugen, ſo iſt auf alten Moorwieſen das Verwundungsverfahren in der Regel der empfehlenswerteſte Weg, den Raſen zu verbeſſern.Es genügt hierfür, ſchreibt C. A. Weber, in den allermeiſten Fällen eine ſcharfe, hinreichend beſchwerte, weit⸗ zähnige Egge, mit der der Boden einigermaßen verletzt werden kann. Ja, wir können in manchen Fällen ſogar vollſtändig auf die Egge verzichten; es genügt, den Boden mit dem Grabenaushub zu über⸗ ſchütten, damit die wilde Vegetation hier und da zu überdecken und ſo ein Keimbett für die guten Pflanzen zu ſchaffen. Der große Nachteil dieſes Verfahrens aber iſt der, daß es langſam geht. Durchſchnittlich dauert es fünf, unter Umſtänden noch mehr Jahre.