Der Kompoſt.— Das Abweiden der Wieſen. 209
umgeſchafft und iſt dann im dritten Jahr zur Verwendung bereit. Um die bequeme Umarbeitung zu ermöglichen, ſollte der Haufen nicht über 1 m hoch und nicht mehr als etwa 2 m breit ſein. Die Länge richtet ſich nach der Menge des Materials.
Der Kompoſt darf nicht nur nach ſeinen düngenden Beſtand⸗ teilen beurteilt werden, da auch ſeine phyſikaliſchen Eigenſchaften für die Wieſe außerordentlich wohltätig wirken. Er kann gleich⸗ mäßig verteilt werden und hat nicht die Mängel des Miſtes und der Gülle. Unebenheiten im Raſen werden durch ihn ausgeglichen. Was ihn aber beſonders wertvoll macht, iſt, daß er ein ſehr gutes Keimbett für einzuſäende Sämereien bildet. Je beſſer der Kompoſt, deſto beſſer gedeihen auch die in denſelben geſäeten Samen.
Das Abweiden der Wieſen.
Die Pflege der Naturwieſen iſt hauptſächlich ein Kampf gegen das Unkraut. Die gefürchtetſten Feinde auf den gedüngten Wieſen ſind aber die genannten Schirmblütler. Man bekämpft ſie in erſter Linie, indem man den Samenanſatz verhütet, der nament⸗ lich beim Wieſenkerbel und der Bärenklau ein ſehr reichlicher iſt.
An einem einzigen Stock des Wieſenkerbels von einer fetten Wieſe im Hard bei Zürich zählte ich am 18. Juni 1887= 16061 Samen.
Man ſchneide deshalb ſolche Wieſen ſtets, bevor die Samen dieſer Unkräuter reif ſind. Mit Erfolg iſt auch das bloße Abköpfen der Stengel zur Blütezeit mit einer ſtumpfen Senſe angewendet worden. Ein einfaches und ſicheres Mittel iſt ferner das Abweiden, und zwar zur Zeit der Hauptentwickelung der betreffenden Pflanzen: die„Heuſtengel“(Wieſenkerbel, Kälberkropf), indem man den erſten Schnitt, die„Emdſtengel“(die Bärenklau), indem man den zweiten und folgenden Schnitt abweidet.
Die Bärenklau entwickelt bekanntlich ihre Stengel vorzugsweiſe erſt im zweiten Schnitt(im Emd), während die anderen Arten ſchon im erſten Schnitt(im Heu) ſtengeln, daher der Name„Heu⸗“ und„Endſtengel“.
Die ſchirmblütigen Unkrautgewächſe ertragen das Abweiden nicht, deshalb verſchwinden ſie und machen anderen beſſeren Pflanzen Platz. Auch gewiſſe andere Unkräuter werden durch das Beweiden bekämpft, ſo namentlich der Klappertopf(Rhinanthus), ein gefähr⸗
Stebler. 5. Auflage. 14
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