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Der rationelle Futterbau : praktische Anleitung für Landwirte und für den Unterricht an landw. Lehranstalten / von F. G. Stebler
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208 Neunzehntes Kapitel. Die Pflege der Naturwieſen.

an deren Stelle treten. Die Kleearten ſind Phosphorſäurepflanzen. Dieſe gehen weg, höchſtens bleibt noch der Weißklee, deſſen Samen durch Gülle und Miſt ſtets in großer Zahl friſch zugeführt wird. Ebenſo verſchwinden die feineren, edleren Gräſer, weil dieſe durch robuſtere Pflanzen verdrängt werden. Nur das gemeine Riſpen⸗ gras überzieht den Boden mit ſeinem Pelz und hilft noch mit zur Verdrängung der beſſeren Arten. Der Raſen wird nach und nach dünn. An den kahlen Stellen ſiedelt ſich der Löwenzahn an, und zu ihm geſellen ſich die grobſtengligen Schirmblütler: der Wieſen⸗ kerbel(Anthriscus sylvestris), die Bärenklau(Heracleum Sphon- dylium), der rauhe Kälberkropf(Chaerophyllum Cicutaria) und in hohen Lagen Villars Kälberkropf(Chaerophillum Villarsii). Dieſe bilden mit der Zeit einen förmlichen Wald und unterdrücken alles andere neben ſich.¹) Die bis fingerdicken Stengel wären beſſer geeignet zum Heizen als zum Füttern.

Der Kompoſt.

Ein zur Wieſenwirtſchaft vorzüglich geeigneter Dünger iſt, wie bereits früher(Seite 198) betont, der Kompoſt. Der weſentliche Beſtandteil desſelben iſt Erde, herrührend von Grabenaushub oder dergl., welche mit allerlei ſich im Wirtſchaftsbetriebe ergebenden Ab⸗ gangsſtoffen durchſetzt iſt, wie Kehricht, Unkräuter, Schutt, Ruß, Hühnermiſt, Straßenabraum, Schlachtabfälle u. ſ. f. Alle dieſe Stoffe werden jahraus jahrein ſorgfältig geſammelt, aufgeſchichtet, ab und zu mit Jauche oder Latrinenſtoffen übergoſſen. Die Ober⸗ fläche wird zu dieſem Zwecke am Rande etwas erhöht, damit die Flüſſigkeit nicht über den Stock herabläuft. Nach einem halben Jahre wird derſelbe ſorgfältig umgearbeitet, damit eine innige Ver⸗ mengung der Materialien und eine gleichmäßige Zerſetzung ſtatt⸗ findet. Vor dem dritten Jahre ſollte aber der Kompoſt nicht Ver⸗ wendung finden, weil derſelbe ſonſt keine genügende Fermentation durchgemacht hat. Inzwiſchen wird er ſtändig durch Übergießen mit Jauche ꝛc. feucht erhalten. Im zweiten Jahre wird er nochmals

1¹) Man vergleiche unſere Unterſuchungsreſultate im Landw. Jahrbuch der Schweiz I. 1887, S. 137 ff. in der Arbeit über den„Einfluß der Düngung auf die Zuſammenſetzung der Grasnarbe“. Ferner Braungart, Handbuch der rationellen Wieſen⸗ und Weidenkultur. München 1899.