Erſtes Kapitel. Die Bedeutung des Futterbaues. 3
als noch vor wenig Dezennien. Die Bodenverſchuldung hat aber in gleichem Maße oder noch ſtärker zugenommen. Dieſe höhere Schuldenlaſt erfordert auch eine höhere Zinsquote; infolgedeſſen muß der Landwirt heute, wenn er beſtehen will, mehr einnehmen, als es früher der Fall war.— Aber auch die ſonſtigen Betriebsſpeſen ſind geſtiegen: die Tagelöhne,¹) die Steuern, die Auslagen für den Unter⸗ halt der Familie u. ſ. f. Dieſes alles drückt auf den Landwirt gegenwärtig viel ſtärker als früher. Zudem macht ſich die auswärtige Konkurrenz in das kleinſte Dörfchen hinaus geltend. Noch vor vierzig, fünfzig Jahren war faſt jeder Hof, jeder Bezirk, jedes Land größtenteils auf ſich ſelbſt angewieſen. Damals mußte jeder Land⸗ wirt das Brot ſelber bauen, oder, wenn ihm das nicht möglich war, ſo holte er das fehlende in der nächſten Nachbarſchaft. Erſt zu Anfang der ſechziger Jahre letzten Jahrhunderts haben ſich Ungarn und die Donauländer als Getreideexportländer aufgetan. Die Vieh⸗ haltung und die Milchwirtſchaft hatten damals nur in den eigent⸗ lichen Gebirgsländern einige Bedeutung.
Die Sachlage änderte ſich jedoch mit der Eröffnung der Eiſenbahnen. Im Jahre 1829 erfand der engliſche Ingenieur Stephenſon die erſte für den größeren Verkehr brauchbare Loko⸗ motive; im Jahre 1835— 1840 wurden in England die erſten Eiſen⸗ bahnen gebaut und in den vierziger Jahren auch auf dem Kontinent. Vorerſt wurden einzelne verkehrsreiche Knotenpunkte miteinander ver⸗ bunden. Nach und nach dehnte ſich der Eiſenſtrang bis über die Landesgrenze aus und ſchließlich bis in entfernte Länder.
Die Ausdehnung des Eiſenbahnnetzes betrug in Europa:
1840 2 925 km. 1850 22 504„ 1860 51 862„ 1870 104 914„ 1880 168 983„ 1890 223 869„ 1899 277 748„
Auf den glatten Schienen rollte der Eiſenbahnzug viel leichter und ſchneller durch das Land als früher das einfache Frachtfuhr⸗ werk— und in dem Maße verringerten ſich die Transportkoſten, ins⸗
1) Naſſe ſagt:„Die Leiſtungen der landwirtſchaftlichen Arbeiter ſind geringer geworden und die geleiſtete Arbeit um 25% im Preiſe geſtiegen.“
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