2 Erſtes Kapitel. Die Bedeutung des Futterbaues.
können wir trotz ſorgfältiger Kultur von demſelben Grundſtück jähr⸗ lich immer nur eine Ernte erzielen. Ebenſo bei den Kartoffeln; wenn wir das Land noch ſo gut bearbeiten und noch ſo gut düngen, ſo ſind wir dennoch nur imſtande, einen Ertrag zu ernten; nur ausnahmsweiſe kann noch eine unbedeutende Nachfrucht gebaut werden. Anders beim Futterbaul! Hier iſt es möglich, bei guter Düngung und ſorgfältiger Pflege im gleichen Jahr von demſelben Grundſtück zwei, drei, vier, ja ſogar fünf Schnitte zu ernten.
Fellenberg in Hofwyl erzielte ſogar von einer Parzelle italieniſchem Raigras in demſelben Jahr ſieben Schnitte, und auf den Rieſelwieſen in Oberitalien und in der Umgebung einzelner deutſcher Städte werden ſogar bis acht Schnitte geerntet.
Mr. Dickinſon erntete in England vom italieniſchen Raigras in 7 Schnitten jährlich 280 Ztr. Heu per Acker(= 350 qu per Hektar). Nach ſeinen Berichten ſind(nach Hartſtein) in einzelnen Jahren ſogar 8— 9 Schnitte(entſprechend 455— 540 qu per Hektar) geerntet worden.— Fulton erwähnt(nach Werner), daß das italieniſche Raigras in England bei inten⸗ ſiver Jauchedüngung im größten Triebe per Tag 4,8 Zentimeter wachſe.
Der Futterbau macht deshalb gegenüber den anderen Kulturen eine Ausnahme und es ſteht demſelben daher noch eine bedeutende Zukunft bevor.
Hand in Hand mit dem Futterbau geht die Viehhaltung. Bei nachläſſigem Betriebe des Futterbaues leidet auch die Vieh⸗ haltung, während bei rationellem Betrieb die Einnahmen aus dem Stalle ſich ſteigern. Durch rationellen Betrieb des Futterbaues iſt es uns möglich, den Viehſtand zu vermehren, zu verdoppeln und zu vervielfachen, und ſo den Kraftzuſtand des Landes im gleichen Maße zu ſteigern.
Beiſpiele von Landgütern, wo der Viehſtand infolge verbeſſerten Futterbaues innerhalb 10—20 Jahren verdoppelt oder vervielfacht wurde, laſſen ſich zu Hunderten aufführen, während es umgekehrt auch noch Fälle genug gibt, wo infolge Stationärbleibens des Futterbaues auch die Vieh⸗
haltung ſtationär blieb und der Landwirt deshalb auf keinen grünen Zweig kam. Hier gilt das Sprichwort:
„Viel Futter, viel Vieh; viel Milch, viel Geld!“
Der Landwirt iſt heutzutage gezwungen, beim Betriebe der Landwirtſchaft keinen Vorteil unbenutzt zu laſſen, wenn er beſtehen will. Gegenwärtig machen ſich in der Landwirtſchaft ganz andere volkswirtſchaftliche Geſetze geltend als noch vor wenigen Jahrzehnten. Der Preis des Grund und Bodens iſt heute weſentlich höher


