166 Welche düngermengen ſind zu verwenden?
aus Boden und Düngung Nä rſtoffe zu ſammeln, und daß 3 er aus ſolchem Grund einer ſtärkeren Düngung als die Ackerpflanzen bedürfte. Bei der Anlage von Weinbergen wird der Boden tief rigolt, die Wurzeln des Weinſtocks gehen tief in den Boden und verbreiten ſich weit. Auch die Bearbeitung des Bodens iſt ſo tiefgreifend, daß die Bedingungen für die Zerſetzung des Stallmiſtes, für die Wiederauflöſung abſorbierter Nährſtoffe, für die Salpeter⸗ bildung, die Kohlenſäureentwickelung, die Bakterientätig⸗ keit uſw. im Weinbergboden als günſtig erachtet werden üſſen. Es iſt nicht anzunehmen, daß bei dem großen Bodenvolumen, das dem Weinſtock zur Verfügung ſteht und von ihm durchwurzelt wird, ein ausnehmend großer Überſchuß an Nährſtoffen erforderlich iſt, um den Wein⸗ ſtock in jedem Stadium ſeiner Entwicklung ausreichend zu ſättigen. Es iſt dies um ſo weniger anzunehmen, als die Erfahrung lehrt, daß die Rebe ſelbſt auf rohem, ſteinigem Boden ſich meiſt ſehr üppig entwickelt und Weinberge vor⸗ kommen, die ſelbſt bei jahrzehntelanger verhältnismäßig geringer Nährſtoffzufuhr reiche Erträge bringen, reichere, als unter gleichen Verhältniſſen Feldgewächſe ſie erbracht haben würden. Bedenkt man dies, ſo wird es nicht be⸗ fremdlich ſein, daß Weinberge, denen man jahrzehntelang die oben angegebene, in der Praxis vielfach übliche reiche Düngung gegeben hat, ſich bei vergleichenden Düngungs⸗ verſuchen ſo reich an Nährſtoffen erwieſen haben, daß auf ungedüngt bleibenden Parzellen nicht ſogleich Minder⸗ erträge erhalten wurden. Es iſt nicht der Beweis geliefert worden, daß der Weinbergboden durchſchnittlich ſtärker als der Ackerboden gedüngt werden muß, und wir wollen die eingangs geſtellte Frage, welche lautet:„Reicht die mitt⸗ lere Stallmiſtdüngung des Weinberges aus, um ſeinen Nährſtoffbedarf zu decken?“ nun weiter prüfen.


